FIFTY SHADES OF GREY – Was könnte beim nächsten Teil besser sein?

SoG-verbessern
Die Protagonistinnen meiner Romane – Theresa aus INSEL DER NACHTIGALLEN, Marlena aus THE SECRETS OF GREY DAYS und ein paar Freundinnen, wie beispielsweise Judith – haben sich zusammengesetzt und diskutiert, wie man Teil 2 von SoG verbessern könnte. Hier ihre Vorschläge 😉

Neubesetzung für CG?
Das ist wohl eine der am häufigsten debattierten Fragen. Wenn wir entsprechenden Insider-Infos glauben dürfen, bleibt Jamie Dornan erste Wahl für die Rolle des Christian Grey. Leider. Denn er sprüht nicht gerade vor Leidenschaft. Glatt rasiert und frisch gebügelt wirkt er eher wie der nette Junge von nebenan. Betonung liegt auf Junge. Ein Bad Boy sieht anders aus. Dass er immer mal wieder durchblicken lässt, dass er so gar nicht auf die harte Tour steht, macht es auch nicht besser.

Mehr Action?
Ja, definitiv. Klar ist „Fifty Shades of Grey“ weder ein Thriller noch ein rasanter Actionfilm. Aber das Ganze plätschert so dahin, ohne Höhen und Tiefen. Um von Spannung oder Dramatik mal gar nicht erst zu reden. Vielleicht liegt’s auch einfach daran, dass wir als Leser des Bestsellers natürlich wissen, was in der nächsten Szene und in der übernächsten passiert. Aber wer sagt, dass Literaturverfilmungen langweilig und bar jeder Dynamik sein müssen?

Erotik statt nur Sex
Berechnungen hatten ja bereits vor der Filmpremiere darauf hingewiesen, dass es hier – rein zeitlich betrachtet – mehr Sex zu sehen gibt, als in anderen Produktionen. Als erwiesen gilt wohl aber auch die Tatsache, dass sich Autorin und Regie nicht einig darüber waren, wie explizit das Ganze sein sollte. Eine ordentliche Portion Erotik verträgt der Streifen auf jeden Fall. Denn auch wenn lt. Meldungen der Medien irgendwo in dieser Welt eine Frau im Kino beim Onanieren erwischt worden sein soll, fragen wir uns dann doch: Nur eine? Das spricht Bände, oder?

Wanted! Atmosphäre
Darunter leidet der ganze Film, unter dem Mangel an Atmosphäre. Alles wirkt schön, glatt bis clean. Nichts scheint dem Zufall überlassen oder gar dem Improvisationskönnen der Darsteller. Besonders in den Erotikszenen ein absoluter Nachteil. Wo bleibt das sinnlich Anregende? Wo ein bisschen Aufregendes? Ein klitzekleiner Moment spürbarer Tiefe? Da ist viel zu wenig Stoff zum Träumen!

Recherche oder SM-Coach?
Ja, bitte, unbedingt beides (und ordentlich duschen hinterher nicht vergessen 😉 )! Hier gibt’s jede Menge Nachholebedarf. Auch beim Setting. Welcher SMler hat bitte ein Spielzimmer, das in seiner Ausstattung eher einem Warenlager gleicht? Steril wirkt und wie aus dem Katalog? Das ist doch nun wirklich Nonsens. Und dann das Ding mit dem Kabelbinder. Nee, oder? Macht man einfach nicht – lernt schon der Anfänger. Sowieso: SM kann auch gaaaanz anders sein. Muss nicht zwangsläufig mit Schlägen daherkommen. Vielleicht lohnt es sich, an dieser Stelle etwas subtiler und weniger plakativ vorzugehen. Es soll ja echte SMler geben, die als Berater taugen.

Überhaupt mehr SM?
Tja, geht wohl nicht – denn dann kämen die unter 18Jährigen nicht zum Zuge. Wär‘ doch schade um den Ausfall an den Kinokassen, oder? Aber im Ernst: Filmstarts.de veröffentlichte 2015 einen wunderbaren Aprilscherz und lud zu einer besonderen Kinoveranstaltung nach Köln ein. Angeblich wollte ein SM-Club zeigen, wie’s wirklich geht. Auf der Leinwand sollte „Fifty Shades of Grey“ laufen. Auf der Bühne darunter die dazu passenden echten SM-Szenen. Das allein beweist schon, wie weit Film und Realität in Sachen SM wirklich auseinanderdriften.

Was ist mit Gefühl?
Anas Gesichtsausdruck, ein Blick in ihre Augen, ihr Mund – wir finden, sie macht ihre Sache gut. Man spürt, da haucht eine Darstellerin ihrer Figur mit Leib UND Seele Leben ein. Bei Christian spürt man nix. Manchmal fragen wir uns, wie er das bei den Modeshootings macht. Aber gut, das sind Momentaufnahmen. Hundert Auslöser, ein gutes Foto. Aber wer im Studio annehmbar post, muss deshalb nicht auch auf der Bühne wirken. Sorry, aber wenn’s um Emotionen geht, hilft selbst der gestählteste Körper nicht weiter.

Kommunikation?
Hach, auch das ist wohl dem Medium geschuldet. Obwohl man natürlich glauben sollte, dass selbst ein Film diesbezüglich – im wahrsten Wortsinn – Ansprechendes zu bieten hat. Hier gilt: Wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, kann sich „Fifty Shades of Grey“ getrost im Original anschauen. Denn Reden, evtl. sogar mit Tiefgang? Totale Fehlanzeige! Aber gute Gesprächsführung war ja schon im Buch nicht vorgesehen. Oh bitte, lasst bei Teil 2 einen Profi an’s Script!

An alle Kinogänger denken!
Sagen wir mal so: Der Film kann sich natürlich leisten, ausschließlich an die Zielgruppe der Leser des Bestsellers gerichtet zu sein. Bei derartig viel verkauften Büchern und den unzähligen Verrückten, die mindestens zweimal ins Kino gerannt sind (wir übrigens auch), reicht es trotzdem für klingende Kassen. Aber warum müssen solche Fakten, wie der, dass CG plötzlich in Anas Wohnung rumläuft, obwohl sie ihn gar nicht reingelassen hat, ohne nachvollziehbare Erklärung bleiben? Und ohne Kommentar von Ana? Schon befremdlich, solche Aussetzer.

Weniger Medienhype, mehr Film bitte!
Das muss abschließend wirklich mal gesagt werden. Die Enttäuschung vieler Kinobesucher über den Film der Filme des Jahres 2015 war garantiert auch auf die vollmundigen Versprechungen vor der Premiere zurückzuführen. Was gab es nicht alles für Diskussionen, u. a. über die Rollenbesetzung. Letztlich bekamen aber viele der Figuren einen derartig schwachen Auftritt, dass man sie im Film fast gar nicht wahrnahm. Manche fehlten ganz (haben wir das vorher wirklich nicht bemerkt?). Deshalb bleibt zu hoffen, dass Teil 2 des Movies hier ein paar Korrekturen vornimmt. Gebt den Darstellern ihr Element zurück!

„Fifty Shades of Grey“ auf der Berlinale 2015 – eine NACHLESE

FSoG-Berlinale-2015-NachleseVor genau einem Jahr, morgens um zehn, saß ich in der allerersten Pressevorführung von „Fifty Shades of Grey“ am Berliner Kudamm, bevor der Film am Abend im Zoopalast Premiere feierte. Das hatte einen gewichtigen Grund. Ich schrieb damals an einem Roman, der sich mit dem Thema beschäftigt. Und ich brauchte die Stimmung des Premierentages unbedingt für mein erstes Kapitel von THE SECRETS OF GREY DAYS. Der Roman selbst war im Grunde so gut wie fertig. Vermutlich könnt ihr euch vorstellen, wie nervenaufreibend der Tag also für mich wurde. Das war wirklich Recherche vom Feinsten. Meine frischen Eindrücke von der Premiere damals könnt ihr hier nachlesen 🙂

NACH DEM FILM IST VOR DEM FILM
geschrieben am 11. Februar 2015, unmittelbar nach der ersten Aufführung von „Fifty Shades of Grey“

Alle, die sich die Vorfreude auf FIFTY SHADES OF GREY nicht mit einem Spoiler verderben lassen wollen – bitte nicht weiterlesen. Denn es lässt sich kaum vermeiden, ein paar Geheimnisse auszuplaudern über den angeblich heißesten Film des Jahres. Ich hab ihn mir angeschaut. Heute morgen um 10 Uhr – eigentlich weiß Gott keine Zeit für ein Movie wie dieses 😉

Heiß? Hmm, so richtig weiß ich nicht, ob ich das als heiß bezeichnen soll. Sagen wir mal so – es knistert hin und wieder mal ganz ordentlich zwischen Christian und Ana. Der Überraschungseffekt, die Stellen, wo man in anderen Streifen hofft und bangt, sie mögen sich doch endlich und so weiter, ja, dieser Überraschungseffekt ist definitiv dadurch geschmälert, dass wir alle das Buch kennen. Und schon jede Menge Trailer und sogar ein paar halbe Szenen zu sehen bekommen haben.

Angeblich soll SHADES OF GREY ja einen Rekord brechen, weil es ganze zwanzig Minuten sind, in denen (knallharter) Sex die tragende Rolle spielt. Gefühlt gibt es in jedem Fall ausreichend davon. Und knallhart? Also ehrlich gesagt, nötigt mir der Film Respekt für die Schauspieler ab. Und dass sich Jamie vor so mancher Szene bei Dakota prophylaktisch dafür entschuldigt hat, dass er sie im nächsten Moment hart rannehmen müsse, kann ich nun nachvollziehen. Dakota musste schon einiges ertragen. Aber wäre es sonst ein BDSM-Streifen? Gibt es eigentlich noch Körperdouble? Wenn ja, dann merkt man hier nichts davon.

Die Tatsache, dass wir im Vorfeld so viel über das Zusammenspiel von Dornan und Johnson erfahren haben, über ihr Privatleben, ihre nicht vorhandenen Vorlieben für BDSM und sie im Grunde rein visuell betrachtet schon in- und auswendig kennen, bringt den Zuschauer erstaunlich nah an die beiden ran. Und man nimmt ganz anders wahr, wie sie miteinander spielen, als in anderen Filmen, die im Vorfeld keine derartige Beachtung erfahren. Man denkt tatsächlich darüber nach, wie das wohl für die Darsteller sein muss, eine Szene zu drehen, in der einer dem anderen den Po versohlt. Schon sehr intim, finde ich.

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Also, wie ihr seht, es ist keinesfalls langweilig, sich FIFTY SHADES OF GREY anzuschauen, auch wenn streckenweise vorhersehbar. Im Gegenteil. Es ist regelrecht spannend zu beobachten, wie aus einem Roman Stück für Stück ein Film wird. Wie sich das Kopfkino, das wir bisher benötigten, Step by Step in echte Bilder umsetzt. Die Tatsache, dass wir das Buch kennen, wirkt sich in gewisser Weise sogar positiv aus. Anas erstaunt naive Kommentare beispielsweise, die im Baumarkt oder vor dem Spielzimmer, provozieren tatsächlich ein paar Lacher. Und natürlich gibt es die Stellen, die im Buch normal wirken, im Film aber irgendwie komisch rüberkommen. Beispielsweise als er ihr erklärt, er würde mit niemandem schlafen, sondern ficken, hart. Wirkt irgendwie … naja. Sex muss ja nicht ausschließlich eine ernste Angelegenheit sein.

Insgesamt betrachtet ist FIFTY SHADES OF GREY ein gelungener Film, mit schönen Bildern, toller Musik und nah an der Buchvorlage. Keine der wirklich wichtigen Szenen aus Teil 1 fehlt. Und der Voyeur in uns wird zur Genüge bedient. Obwohl – wer kann schon genug haben von dieser Geschichte? Genau. Deshalb ist ja auch nach dem Film vor dem Film. Die Schlussszene macht uns schmerzhaft bewusst, dass wir jetzt wieder in Warteposition gehen müssen. Hoffentlich nicht zu lange.

PS: Der Roman THE SECRETS OF GREY DAYS erschien Ende Februar 2015. Ein zweiter Teil und zwei Romanspecials folgten. Wer schnell ist, gerade gibts den Sammelband beider Teile zzgl. zweier Bonuskapitel aus den beiden Specials im eBook-Format zum MiniMiniMiniPreis, nämlich 0,99 €. Das ändert sich am Wochenende auf den regulären Preis. Also – nutzt die Gelegenheit, euch an die aufregenden Zeiten vor einem Jahr zu erinnern.

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Gibt es ein Leben nach „Fifty Shades of Grey“?

Dieser Frage geht Agenturchefin Marlena in Band 1 des Romans THE SECRETS OF GREY DAYS nach. Ihr Slogan: Jeder Frau einen Grey. So engagiert sie also dominante Männer, die Novizinnen in die Geheimnisse bizarrer Leidenschaften einweihen.

Ob Marlenas kreativer Plan tatsächlich aufgeht und welchen Preis sie selbst zahlt, lest ihr jetzt in Band 2 des Romans, der gerade als eBook auf amazon erschien. Das Taschenbuch dazu wird in Kürze ebenfalls erhältlich sein.

PS: Für alle, die sich am Voting für oder gegen den Erfolg der Eventagentur G.o.G.beteiligt haben … Mit 78,6 % stimmten die meisten Leser eindeutig für den Erfolg. Ob sich die Geschichte in Band 2 entsprechend entwickelt, das lest ihr am besten selbst nach. Viel Spaß dabei.

Lohnt das Geschäft mit dem Shades-Hype?

© Wisky - fotolia

Keine Sorge! Um Sextoys, Wein und Kosmetika geht’s hier nicht. Auch Wäsche und Mode a la „Shades of Grey“ bleibt außen vor. Kennt ja inzwischen jeder. Nein, was mich gerade interessiert, ist die Frage: Welche Geschäftsideen, die auf den Shades-Hype setzen, gibt es darüber hinaus? Meine Protagonistin Marlena aus THE SECRETS OF GREY DAYS hat das ausgiebig recherchiert, bevor sie ihre eigene Firma – die Agentur G.o.G. – gründete. Hier ihre Erkenntnisse:

Da Marlena aus der Hotellerie kommt, hat sie sich dort zuerst umgeschaut. In Spanien war doch tatsächlich für den 1. August 2014 die Eröffnung eines „Shades-of-Grey“-Hotels geplant. Im Roissy Castle sollte es neben 20 Zimmern auch mehrere Kerker für SM-Spieler geben. Aber die Stadtväter des Örtchens Vilafranca fanden das weniger lustig. Im letzten Moment machten sie dem Betreiber einen dicken Strich durch die Rechnung. Weil das Hotel angeblich zu nahe an der örtlichen Kirche stand.

Andere Hotels haben da mehr Glück, verzichten allerdings dann auch auf allzu deutliche Erwähnung von SM-Praktiken. Das Eden Roc in Miami Beach nennt sein Arrangement „Fifty Shades of Romance“ und in den Personality Hotels von San Francisco heißt es „Fifty Shades of Women … Come again“. Toys wie Handschellen, Augenbinden oder Vibratoren je nach Hotel inclusive. Eines offeriert sogar einen „Red Room of Pain“. Doch gemeint ist nur ein Cocktail, nicht etwa die Höhle des Grey-Löwen 😉

Die kann man sich inzwischen aber tatsächlich anschauen. Und zwar in Frankfurt am Main. Der alteingesessene SM-Club „Grande Opera“ macht’s möglich. Die von der Frankfurter Stadtevents angebotene dreistündige Tour mit Szene-Insidern führt durch das stillgelegte Fabrikgebäude direkt hinein in die Playrooms. Live demonstriert werden u. a. eine Peitschenszene am Andreaskreuz, Wachsspiele und Bondage.

Wem das schon zu verrucht ist, der muss wohl auf den neuen Fitnesstrend aus den USA warten. Dort, oder genauer gesagt in L.A., etabliert sich gerade ein „Fifty Shades“-Workout. Um ehrlich zu sein, gibt es das schon seit 2008. Aber erst jetzt, nach der Filmpremiere, nimmt der Trend so richtig Fahrt auf. Die Trainingsmethoden von Mistress Snow Mercy sind natürlich nicht lizensiert. Aber Männlein wie Weiblein sporteln offensichtlich gern, wenn jemand vor ihrer mit Schweißtropfen übersäten Nase die Peitsche schwingt. Und zum Jogging geht’s natürlich an der Leine.

Dauert zu lange, bis das zu uns rüberschwappt? Kein Problem. Reiseveranstalter america-unlimited hat ein Special im Angebot. „10 Tage auf den Spuren von Fifty Shades of Grey“. Vielleicht die Gelegenheit, um gleich noch einen Abstecher zum SM-Workout von Snow Mercy zu machen. Obwohl Besichtigungstouren im Heathman, im Baumarkt von Vancouver, an Anas Uni und im Escala das Zeitbudget schon arg strapazieren. Wer ein V.I.P.-Paket ordert, darf sogar R8 fahren oder Heli fliegen.

Immer noch nicht das Richtige? Glücklicherweise gibt’s ja auch Geschäftsideen für Daheimgebliebene. Wie die Dating-App für SM-Interessierte Whiplr. Sie soll potentielle Spielpartner zusammenbringen. Etwas Ähnliches versucht ein Schweizer mit seiner SM-Dating-Website fifty-shades.ch. Keine Ahnung, ob das läuft, aber die Seite sieht wirklich edel aus.

Weil der Shades-Hype geschäftlich also so vielversprechend wirkt, ist Marlena, Hauptfigur in THE SECRETS OF GREY DAYS, dann tatsächlich auf diesen Zug aufgesprungen. Sie bietet ihren Kunden die Grey Days an – SM-Coaching im Luxushotel und mit pikanten Special Events. Ob diese Geschäftsidee ein Erfolg wird oder nicht, entscheidet sich allerdings erst in Teil 2 des Romans. Noch dürft ihr voten – dafür oder dagegen? 😉

Nora Amelie im Interview bei shades-film.de

Die Fan-Community von shades-film.de wollte es genau wissen und hatte zahlreiche Fragen zu meinem neuen Roman. Beispielsweise die, ob es aus meiner Sicht einen Markt für das Angebot gibt, das sich meine Protagonistin Marlena ausgedacht hat. Ich denke, es gibt 😉 Was ich sonst zum Thema zu sagen hatte – hier für euch das komplette Interview.

FIFTY SHADES OF GREY – vom Mummy-Porn zum Mädchenfilm?

Die Medien überschlagen sich. Erst monatelang ganz spekulativ, jetzt kommt die Retourkutsche. Weil der Film nichts anderes ist als die Verfilmung des Bestsellers, gibt’s ordentlich Haue für FIFTY SHADES OF GREY. Die Headlines der Reviews lesen sich natürlich ganz im Stil des Streifens, nämlich schwarz-weiß. Entweder wird er als kitschig, harmlos, öde und enttäuschend bezeichnet oder als „Süße Folter“, heiß und romantisch. Komisch, nirgends las ich bisher die Formulierung „ganz großes Kino“. Aber gut, kommt vielleicht noch.

In jedem Fall ist FIFTY SHADES OF GREY eines: ein ganz erstaunliches Marketing-Phänomen. Und das bedeutet: Wir können davon lernen. Allerdings fängt die Lektion auch mit einem alten Grundsatz an: Von nichts kommt nichts. Oder etwa doch?

Genaugenommen begann dieses Phänomen wie im Märchen. Fans bejubelten die Fan-Fiktion, Medien machten sie groß, noch mehr Medien zum Hype. Aber warum, zum Teufel, sucht jetzt jeder nach der Erfolgsformel? Und nicht minder wenige nach dem tiefen Sinn des Ganzen? Der dann darin gipfelt, dass aus einem anfänglichen Mummy-Porn eine „Erlösungsphantasie für Mädchen“ gemacht wird … Echt jetzt?

Für mich ist FIFTY SHADES OF GREY weder das eine noch das andere. Und den Begriff Mummy-Porn mag ich schon mal gar nicht. Wie kann ein Bestseller ein Hausfrauen-Märchen sein? Gibt’s wirklich so viele Frauen – es müssen ja an die 70 Millionen sein, die in althergebrachter Tradition ihren Job aufgeben (oder gar nicht erst einen annehmen), um sich ums Putzen und Kinderkriegen zu kümmern und dem Angetrauten abends ganz unterwürfig das Essen zu servieren? Na, wenn das so ist, macht der Roman ja alles richtig. Dann IST er eine Geschichte für Hausfrauen. Und dann haben wir den Hausfrauen dieser Welt dieses Massenphänomen zu verdanken. Und dank dieser Hausfrauen muss dann auch wirklich jede Zeitung am Tag 1 nach der Weltpremiere mindestens mit einem Beitrag über BDSM aufmachen. Naja …

Ich glaube, FIFTY SHADES OF GREY hat einen tieferen Sinn. Und der lässt sich viel banaler formulieren, als es uns die Medien mit ihrer Sichtweise darauf weismachen wollen. Wir, Männer und Frauen, müssen wieder mehr miteinander reden. Insbesondere und vor allem über Sex. Von erwachsenen Menschen sollte man annehmen können, dass sie das tun. Aber fassen wir uns an die eigene Nase – wie viel bleibt ungesagt?

Und der Film soll etwas daran ändern? Vielleicht. Zunächst wird er natürlich als das wahrgenommen, was er ist. Als lange herbeigesehnte Verfilmung eines Romans in aufregenden Bildern, mit schönen Darstellern und romantischer Musik. Es wird dauern, ehe die wirklich ernsthaft gemeinten Beiträge darüber in die Medien kommen. Aber sie werden kommen müssen. Zur Funktionsweise von Bestsellern gehört nämlich die Tatsache, dass sie sich um die Lösung eines global existierenden Problems bemühen. Eines Problems, das bislang keine Lösung erfahren hat. Und ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich behaupte, dass es um das Miteinander von Mann und Frau geht.

Die Gleichstellungsdebatte, so meine Vermutung, tut uns nicht ausschließlich gut. Sie versucht etwas, was vielleicht nicht unbedingt gegen die Natur des Menschen spricht. Aber sie tut es nicht immer im Sinne dieser unserer Natur. Frauen sind anders als Männer. Abhängig davon, wo auf dieser Welt sie leben, und abhängig vom Laufe der Geschichte haben sie einen anderen gesellschaftlichen Status bzw. erfährt dieser einen Wandel. Das impliziert allerdings auch, dass sich der gesellschaftliche Status der Männer verändert. Beide, Mann und Frau, nähern sich einander an, indem sie Aufgaben aus dem Bereich des jeweils anderen übernehmen. Es ist gut, dass Frauen nicht mehr vom Wohlwollen ihres Mannes abhängig sind. Aber könnte es sein, dass die Gleichberechtigung manchmal als Last empfunden wird, die sie gar nicht tragen können? Oder wollen? Da kommt uns ein modernes Märchen wie das von Ana und ihrem Traumprinzen Christian gerade recht. Wir beamen uns mit FIFTY SHADES OF GREY quasi in eine Zeit (oder sollte ich angemessener sagen: einen fiktiven Raum), „da die Menschen noch an Wunder glaubten“.

Genau. Märchen hat man sich zu jeder Zeit erzählt. Ihre Funktion besteht darin abzulenken. Wovon wollen wir uns ablenken lassen? Etwa von unserer wachsenden Unfähigkeit zu sagen, was genau Liebe ist? Wie wir geliebt werden wollen, um uns rundum wohlzufühlen? Glücklich zu sein?

Ups, jetzt habe ich noch gar nicht über BDSM gesprochen. Dabei wird uns der Film ja als SM-Romanze verkauft. Hab ich doch glatt über’s Sinnieren vergessen. Aber für mich geht’s eben um mehr als ein bisschen Haue 😉