Schneemänner-Talk, das 4. Gespräch

Paul starrt unwillig auf das Display seines Smartphones und schiebt es zurück in die Tasche. Scheiße Mann, kann Jacob ihm nicht mal einen ruhigen Feierabend gönnen? Ja, er hat ihnen die gemeinsame Reise vermasselt. Und ja, er sollte lieber die Füße stillhalten, damit wenigstens der Silvesterabend nicht auch noch ins Wasser fällt, weil sie sich gegenseitig angiften. Wobei? Haben sie das jemals getan? Vielleicht sind sie manchmal ein bisschen impulsiv. Aber so richtig Streit hat es zwischen ihnen lange nicht mehr gegeben. Wahrscheinlich kennen sie sich viel zu gut. Und noch wahrscheinlicher sind sie beide viel zu empathisch, als dass sie dem anderen so ans Bein pinkeln würden.

Er schlägt den Jackenkragen hoch, als er aus der Tür des Hauses tritt, in dem sich seine Praxis befindet, und lässt den Blick suchend über die parkenden Wagen schweifen. Kommt vor, dass er vergisst, wo er seinen abgestellt hat. Scheißwetter aber auch. Wenn alles zugeschneit ist, kann man erst recht nichts mehr erkennen.

Als er endlich im Freelander hockt, wählt er Jacobs Nummer und schaltet die Freisprechanlage ein. Dann setzt er vorsichtig zurück, um den schweren Wagen aus der Parklücke zu rangieren.
»Sie ist da!«, tönt Jacobs Stimme ohne Einleitung aus den Lautsprechern. »Beweg deinen Arsch. Es geht los.«
»Du mich auch«, gibt Paul brummig zurück. »Wie wär’s mit einem freundlichen ‚Guten Abend‘?«
»Was ist los? Bist doch sonst nicht so steif.«
»Heut schon.«
»Stress?«
»Kann man so sagen.«
Seit Tagen muss er den Patientenandrang, der bei dem Wetter kein Ende mehr zu nehmen scheint, allein bewältigen. Sein Praxispartner Johannes liegt mit einer heftigen Grippe im Bett. Und genau deshalb ist auch die geplante Lappland-Reise geplatzt. Jack war ziemlich sauer deswegen, aber er kann es nicht ändern. Bier ist Bier und Job ist Job. Bleibt nur zu hoffen, dass er wenigstens morgen rechtzeitig loskommt. Obwohl das Wetter ja gerade verrückt spielt. Es soll noch mehr Schnee geben.
»Wie ist die Lage bei euch?«, fragt er, während er die Scheibenwischer in Gang setzt.
»Es schneit. Wieso?«
»Hier auch. Schon den ganzen Tag.«
»Du willst doch nicht etwa einen Rückzieher machen? Nicht an Silvester!!!«
»Natürlich nicht. Du würdest mich ja lynchen.«
»Mann, ich steh hier unmittelbar vorm Abschuss. Du musst kommen.«
Jacobs Worte erinnern ihn wieder daran, warum sie überhaupt telefonieren.
»Hast du sie gesehen oder stammt deine Info wieder mal von Anna?«
»Ich hab sie nicht nur gesehen, sondern sogar gesprochen.«
Das allerdings sind Neuigkeiten. »Und?«
»Sie war im Pool.«
»Im Pool?«
»Und sie hat eine Figur …« Jacob gibt ein Geräusch von sich, das man, selbst objektiv betrachtet, nur als lüstern bezeichnen kann. »Sehr lecker«, sagt er schließlich.
»Große oder kleine Brüste?«
»Mittel. Genau richtig, würd ich sagen.«
»Und der Arsch?«
»Perfekt.«
Perfekt für dich oder perfekt für mich?, fragt sich Paul amüsiert, sagt aber nichts. Jacks Unmut ist das Letzte, was er provozieren will.
»Bleibt sie über Silvester?«
»Sie ist heute erst angekommen. Wird wohl so sein.«
»Allein?«
»Hmhm.«
»Sagt Anna?«
»Genau.«
»Warum fährt man Silvester allein in ein Hotel?«
»Das macht sie doch oft, allein hierher kommen.«
»Aber Silvester …«, wendet Paul ein. Seltsam.
Jacob am anderen Ende lacht. »Das werden wir doch zu nutzen wissen, oder?« Er hält kurz inne und fragt dann: »Wann kommst du?«
»Wie besprochen. Morgen Abend.«
»Ist noch viel?«
»Kann ich schlecht einschätzen. Ein paar Kontrollen. Nichts Geplantes. Aber es ist arschglatt hier und die Leute landen reihenweise auf dem Arsch.« Er setzt den Blinker und biegt in eine Nebenstraße ab. »Scheiße«, flucht er, weil er plötzlich höllisch aufpassen muss, hier nicht irgendwo an einem geparkten Auto den Seitenspiegel abzureißen, wenn ihm jemand entgegenkommt.
»Sieh zu, dass es nicht so spät wird«, meint Jacob. »Ich hab die Befürchtung, wir schneien hier oben ein.«
»Na, dann komm ich wohl besser gar nicht.«
»Untersteh dich«, schallt es aus dem Lautsprecher. »Wenn du uns das versaust …«
»Wieso? Kommst du eben als Erster zum Zuge. Freischuss sozusagen.«
Paul biegt in die nächste Querstraße ein und hält vor der Tiefgarage, in der er einen Platz für seinen Geländewagen gemietet hat. Parkplätze für so überdimensionierte Geschosse wie seines sind auf der Straße rar.
»Hast du einen konkreten Plan?«, will er wissen.
»Ich werde mich beim Abendessen an ihren Tisch setzen.«
»Und dann?«
»Small Talk. Mal sehen.«
»Nur das? Wenn sie wie du auf One Night Stands steht, sollten wir ein bisschen weiter denken.« Er überlegt. »Mit ihr ins Haus zu fahren, ist keine Option. Dann kommt sie zu schnell wieder ins Denken.« Komisch, er geht also schon davon aus, dass sie sie im Handumdrehen in eine lustvolle Stimmung versetzen? Klar, warum nicht? Sie schreibt erotische Romane. Ihr Kopfkino wird schnell anlaufen. »Was ist mit dem Spa-Bereich?«
»Was soll damit sein?«
»Der steht abends leer, richtig?«
Jacob schweigt einen Moment. »Du willst mit ihr in den Spa?« Seine Stimme klingt skeptisch.
»Warum nicht? Wir könnten sie zur Einstimmung ein bisschen massieren. Das mag jede Frau.«
»Schon, aber …«
»Da unten gibt es Liegen, Kerzen, jede Menge Öle und eine gigantisch große Dusche«, fährt Paul fort und sieht vor seinem geistigen Auge bereits, wie er und Jack … »Besorg uns den Schlüssel«, unterbricht er sich selbst. Sie haben lange genug gequatscht. Sonst kommt er heute Abend gar nicht mehr in die Wohnung. »Um den Rest kümmere ich mich.«

Wenn er Sessions planen kann, dann wohl auch die lehrbuchmäßige Verführung einer Frau, die in ihren Romanen über SM schreibt, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Sie werden ihr schon zeigen, was echte Hingabe ist …

Die Kenner des Romans „Die Schneemänner“ haben es sicher gemerkt – mit diesem 4. Gespräch befinden wir uns nun endlich im Parallelflug zum eigentlichen Roman. Jacob und Louisa haben sich gerade offiziell kennengelernt. Die Verführung der Liebesromanautorin steht unmittelbar bevor ;-) Im nächsten Gespräch unterhalten sich die Männer über das, was in der Private Suite geschieht …

PS: Die technischen Probleme mit dem Newsletter-Versand sind leider immer noch nicht behoben :-(

Schneemänner-Talk, das 3. Gespräch

»Wenn sie das jemals rausfindet, denkt sie, ich hätte sie gestalkt.« Jacob streicht sich über den dunklen Bart und verdreht die Augen. »Ich hoffe, Anna plaudert meine Schandtat nicht irgendwann aus.«

Pauls dröhnendes Lachen wird von der lauten Musik im Club übertönt. Heute Abend ist es schwierig, ein vernünftiges Wort miteinander zu wechseln. Der Laden ist rappelvoll und vibriert unter den Rhythmen der Liveband.

»Wenn Anna quatscht, kann sie sich frisch machen«, sagt Paul. In seinen Augen blitzt es vergnügt.
»Du denkst echt nur an das Eine.« Jacob zieht eine Grimasse.
Paul nimmt vom Barkeeper die beiden Biergläser entgegen und reicht eines an Jacob weiter. »Was hast du denn nun herausgefunden?«
»Haarfarbe, Augenfarbe, Essgewohnheiten. Dass sie die Putzfrauen nur alle zwei Tage in ihr Zimmer lässt …«
»Vielleicht macht sie ihr Bett selbst?«
»Oder sie ist das Chaos in Person.« Jacob grinst.
»Na, wenigstens scheint ihr das vor anderen peinlich zu sein.«
»Vielleicht. Vielleicht auch nicht.« Jacob nippt an seinem Bier. »Möglich, dass sie eher Geheimnisse hat. Vielleicht gibt sie nur vor zu schreiben …«
»Blödsinn. Warum sollte sie Anna dann erzählen, sie sei Autorin?«
»Um eine falsche Spur zu legen?«
Doch Paul winkt ab. »Du liest zu viele Krimis.«
»Ich kann aber auch mit einem echten Geheimnis aufwarten.«
»Ach ja?« Paul grinst. »Was sollte das wohl sein?«
»Ihr Name vielleicht?«
»Sie heißt Louisa. Das hast du mir längst verraten.«
»Ja, mit Klarnamen.« Jacob guckt geheimnisvoll. »Ihre Bücher schreibt sie unter Pseudonym.«
»Und das weißt du von wem?«
»Von Anna.«
Paul grinst. »Ach herrje. Ob die Gäste wissen, was für ein loses Mundwerk die gute Anna hat? Sie soll sich bloß nicht erwischen lassen.«
»So lose ist es nun auch wieder nicht. Ich musste sie schon ein bisschen überreden.«
»Überreden? Wie sah das denn aus? Hast du ihr eine heiße Nacht in der Penthousesuite versprochen?«
Jacob starrt ihn an und schüttelt entgeistert den Kopf. »Ich dachte, wir wären uns einig, dass Anna keine Frau für dieses Projekt ist. Schon deshalb nicht, weil sie illoyal ist.«
»Sagt ja niemand. Aber dürfen wir jetzt auch keine mehr flachlegen?« Paul klopft dem Freund versöhnlich auf die Schulter. »Also, meinen Segen hast. Jederzeit.«
»Ich brauch deinen Segen nicht, verdammt.«
»Na, das ist mein Jack. Nimmt sich, was er will. Und das, ohne zu fragen.«
»Worauf du wetten kannst.«
»Okay, okay. Jetzt aber weiter im Text. Wir waren bei Namen.«
»Namen?« Jacob guckt irritiert.
»Na, ihr Pseudonym. Du meintest doch, Anna hätte es dir verraten.«
»Sarah Tears.«
Paul mustert ihn aufmerksam. »Tears wie Tränen?«
Jacob nickt.
»Was könnte das bedeuten? Warum nennt man sich Tears?«
»Keine Ahnung. Weil es sich gut anhört?«
»Und warum englisch?«
»Na, Sarah Tränen klingt ja wohl irgendwie bescheuert.«
»Darum geht’s doch gar nicht. Aber dass sich diese Autoren englische Nicks geben … Woher kommt das? Warum bleiben sie nicht bei ihrem Klarnamen? Oder suchen sich wenigstens was aus, das nicht automatisch eine Verbindung in den angloamerikanischen Raum impliziert?«

Jacob weiß, warum Paul das fragt. Neben Fachliteratur interessiert er sich, anders als Paul, auch für Schöngeistiges. Es gibt tatsächlich Romane, die ihn fesseln können. Die von Sarah Tears allerdings würde er natürlich unter ganz anderen Gesichtspunkten lesen.

»Was weiß denn ich«, gibt er jetzt zurück. »Unsere Louisa jedenfalls schreibt Liebesromane.« Er senkt den Kopf und hebt die Brauen leicht an. »Und wenn ich Klappentexte und Rezensionen richtig interpretiere, geht’s darin ordentlich zur Sache.«
»Heißt was?«
Er legt den Kopf schief. »Erotik … BDSM …«
»Och neeeee.« Paul lehnt sich zurück und rauft sich das Haar. »Nicht dein Ernst!«
»Wieso?«
»Noch so eine Tussi, die auf diesen 50-Shades-Zug aufspringt.«
»Du hast doch noch gar nichts von ihr gelesen.«
»Mir reicht, was du erzählst.«
»Du bist voreingenommen. Was, wenn sie auch in deiner Liga spielt?«
»Das glaubst du wohl selbst nicht.« Paul lacht. »Dann würdest du sie doch nicht ernsthaft als Frau für uns beide in Betracht ziehen.«

Das ist allerdings wahr, muss sich Jacob eingestehen. Wenn Sarah Tears nicht nur über SM schreibt, sondern erkennbar in der Szene steckt, ist sie raus aus dem Rennen. Auf eine wirkliche Masochistin hat er keinen Bock. Doch aus irgendeinem Grund bezweifelt er, dass das auf sie zutrifft. Warum sollte sie anders sein als andere Frauen, die sich neuerdings für BDSM interessieren? Warum sollte es ausgerechnet bei ihr mehr sein als pure Neugier? Zahlreiche ihrer Kollegen beweisen doch, dass es anders geht. Dass es reicht zu recherchieren. Und offenbar sogar mehr schlecht als recht. Man muss sich heutzutage nicht auspeitschen lassen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich das anfühlt. Der Leserin reicht’s doch, wenn ihr Kopfkino angekurbelt wird. Ob die Dinge de facto stimmen, ist ihr sicher vollkommen egal.

Nachdenklich spielt er mit seinem Bierdeckel. »Hast ja recht«, räumt er ein. »Ich glaube nicht daran, dass sie wie du tickt. Aber in ihren Geschichten scheint sie einiges richtig zu machen. Jedenfalls sind ihre Leser begeistert.«
»Klar sind sie das. Die können in der Regel überhaupt nicht einschätzen, ob jemand realistisch über BDSM schreibt oder sich einfach nur was ausdenkt.«
»Jetzt lass doch mal die Kirche im Dorf.« Jacob rollt mit den Augen, obwohl er eben noch dasselbe gedacht hat. Aber er will sich Louisa nicht madig machen lassen. Eine innere Stimme sagt ihm, sie könnte passen. »Mann, hätte ich nur nichts gesagt.«
»Hast du aber.«
»Ist ja gut. Beruhige dich … Es gibt noch was anderes, was für uns viel wichtiger ist.« Dann muss er jetzt also den Joker aus dem Ärmel ziehen.
»Nämlich?« Paul legt skeptisch den Kopf schief.
»Sie hat über einen Dreier geschrieben.«
»Im Bett?«
»Nee. Über eine Frau, die mit zwei Männern lebt.«
»Ach echt?«
Na bitte. Treffer und versenkt.
»Echt. ‚Doppelherz‘ oder so heißt die Story.«
»Hast du sie gelesen?«
»Noch nicht. Aber die Kommentare sind vielversprechend.«
Paul setzt eine Grübelmiene auf. »Und du meinst, sie hat das selbst erlebt?«
»Woher soll ich das wissen. Bei BDSM sprichst du ihr die Erfahrungen ja offenbar ab.«
»Das ist doch ganz was anderes.«
»Finde ich nicht.«
»Würde mich wirklich interessieren«, fährt Paul fort, ohne auf Jacobs Protest einzugehen. »Irgendwas muss sie doch dazu inspiriert haben?«
»Oder sie ist gut im Recherchieren.«
»… oder zieht die Infos aus ihrem Netzwerk«, ergänzt Paul. »… Freunde, die so leben.«
»Genau – und die hat sie darüber ausgefragt.«
»Würdest du einer Autorin freiwillig von deinem Intimleben berichten?« Paul hebt die Brauen. »Ist doch kreuzgefährlich! Ich hätte keine Lust, auf diese Weise in den öffentlichen Fokus zu geraten.«
»Sie wird es doch nicht eins zu eins in den Roman übernehmen.«
»Wärst du dir da sicher?«
»Nein, wär ich nicht. Aber unter vernünftigen Gesichtspunkten …«
»Können Kreative überhaupt vernünftig denken? Haben die nicht immer irgendwelche Flausen im Kopf, die lieber keiner wissen will?«
»Heißt das jetzt, du willst sie nicht?«
»Nein. Das heißt es nicht. Aber ein bisschen komisch ist mir schon bei dem Gedanken, mich auf jemanden einzulassen, der so etwas tun könnte. Mich bloßstellen.«
»Mann, darauf hab ich doch auch keinen Bock. Wir checken sie erst mal gründlich ab.«
»Bevor oder nachdem wir …« Paul grinst vielsagend. »Du weißt schon.«
»Wird sich finden. Keine Ahnung, was Anna noch an Infos liefert. Den Rest müssen wir dann selbst abklären.«
Paul schnauft. »Ich bin sowieso gespannt, wie du das überhaupt anleiern willst.«
»Das Treffen mit ihr?«
»Genau.«
»Ganz einfach. Ich könnte ihr irgendwo im Hotel auflauern und dann ganz zufällig mit ihr ins Gespräch kommen.«
»Dazu müsstest du erst mal wissen, wann sie wieder dort ist.«
»Das wird mir Anna schon verraten.«
»Warum sollte sie?«
»Aus rein freundschaftlichen Gefühlen?«
Paul lacht laut auf. »Und dann? Lässt du hier alles stehen und liegen und eilst zu ihr?«
»So ungefähr.«
»Du spinnst … Aber gut, mach mal. Ich lass mich überraschen.« Er nimmt sein Glas und stößt es klirrend gegen das des Freundes. »Vor allem: Mach schnell. Ich will mich nicht ewig mit einem Phantom begnügen müssen.« …

Das war also das 3. Gespräch der Schneemänner. Weil der Newsletter-Versand technische Probleme bereitet, findet es noch einmal hier im Blog statt. Sobald die Probleme behoben sind – leider bin ich da auf Zuarbeit des Supports angewiesen, schicke ich den Newsletter raus. Vorbereitet ist alles. Bitte habt noch ein wenig Geduld :-) Ich halte euch auf dem Laufenden.

Liebe Grüße, eure Nora

Romanrecherche in Eis und Schnee 2

Während die Sonne um die Mittagszeit diese Winteridylle zaubert, zieht über der Ostsee hinterm Haus eine schwarze Sturmfront auf. Dieses Foto ist echt und kein Fake!

Heute geht’s um Romanrecherchen für »Die Schneemänner«. Konkret um das Schneechaos, in dem sich Jacob, Paul und Louisa kennen lernen. Denn auch das hab ich tatsächlich erlebt.

Zu Recherchen für diese Story bin ich im Januar an die Küste gefahren. Allerdings ohne zu wissen, was wirklich auf mich zukommt. Wer ahnt schon solche Katastrophen voraus und begibt sich freiwillig in Gefahr? Wenn die Reise in den Norden auch im Schnee stattgefunden hat. Aber den bringt der Winter nun mal mit sich. Schnee, Frost, graue Tage und viel Nebel. Alles normal. Hat was Mystisches, bei Eiseskälte im Nebel rumzulaufen ;-)

Am selben Tag etwa eine halbe Stunde zuvor. Shooting bei schönstem Sonnenschein. Das Meer ist beinahe glatt. Die Ruhe vor dem Sturm.

Leser haben oft nachgefragt, wo denn nun eigentlich das Hotel steht, in dem Louisa ihre Schneemänner kennengelernt hat. Ich kann euch verraten: Nicht dort, wo der Sturm tobte. Denn bei allem, was ich an Locations recherchiere, verfremde ich auch. So hat also der Sturm auf dem Darß getobt. Während sich das Hotel mit Pool, in dem Louisa regelmäßig ihre Runden dreht, mehr als einhundertfünfzig Kilometer weiter östlich befindet. Allerdings herrschte zu jener Zeit auch dort der witterungsbedingte Ausnahmezustand.

Aber kehren wir zurück auf’s so genannte Fischland, wo ich gerade noch damit beschäftigt war, ordentlich Lokalkolorit in mich aufzusaugen, als ich beim Einkaufen im Supermarkt bemerkte, dass die Einheimischen offensichtlich Lebensmittel bunkerten. Die Regale waren wie leergefegt, in den Einkaufswagen türmten sich die Waren. Die Stimmung wirkte irgendwie merkwürdig. An der Fleischtheke erfuhr ich schließlich den Grund. Die Wetterfrösche hatten Schneesturm angekündigt – ich meine, wer hört schon Nachrichten, wenn er auf Recherche ist. Ich hatte also von nix ne Ahnung. Aber ich hoffte, das Reetdachhaus, in dem ich Quartier bezogen hatte, wäre sicher. Immerhin stand es, so wie Pauls Haus, direkt hinter den Dünen.

Über die Tage verteilt hatte es immer wieder mal geschneit. Aber in der folgenden Nacht kam es tatsächlich richtig dicke. Der Vermieter, der jeden Morgen damit beschäftigt war, einen Fußweg zwischen Haus und Carport freizuschaufeln, hatte sichtlich Mühe mit dem vielen Neuschnee. Weil aber die Sonne schien, hielt ich es für einen ganz normalen Wintertag und poste bei bester Laune für ein paar Strandfotos. Aber seht ihr hinter mir die dunkle Wand? Auf den Fotos für die Schneemänner-Cover macht sie sich auch gut, oder? Ich finde immer, diese Bilder sehen total unwirklich aus. Die von der Sonne in Szene gesetzte traumhafte Winterwonderworld will so gar nicht zu dem schwarzen Himmel dahinter passen …

Am Tag vor dem Sturm. Ordentlicher Wellengang, aber noch fühlt sich alles nur nach einem kräftigen Wind an der See an. Seht ihr den breiten Strand?

Doch die schwarze Wand löste sich nicht in Wohlgefallen auf, sondern brachte einen Sturm, der sich gewaschen hatte. Nachmittags gegen vierzehn Uhr war es bereits stockdunkel. Ich suchte sämtliche Kerzen in der Ferienwohnung zusammen, weil ich mit einem Stromausfall rechnete. Und ich weiß nicht mehr, wie oft ich später angestrengt in die Dunkelheit starrte. Immer in der Angst, das Wasser könnte höher steigen und über den Deich laufen. Die Windgeräusche jedenfalls waren zum Fürchten und raubten mir den Schlaf.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, war das Chaos perfekt. Der Verkehr auf dem Darß war zusammengebrochen, zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Die beiden Küstenautobahnen versanken unter hohen Schneeverwehungen, in denen schon nachts hunderte Autofahrer steckengeblieben waren. Die Polizei riet davon ab, das Auto zu benutzen, der öffentliche Nahverkehr war längst eingestellt. Erinnert an das, was dieser Tage in den Alpen geschieht, oder? Vielleicht lag nicht ganz so viel Schnee, aber genügend, um die gesamte Küstenregion über mehrere Tage lahmzulegen.

Am Tag nach dem Sturm. Die aufgepeitschte Ostsee hat den Strand gänzlich geschluckt. Das Wasser frisst bereits an den Dünen …

Was tut man in einem solchen Fall? Abwarten, Tee trinken, vernünftig sein. Vor allem aber alle bisherigen Pläne über den Haufen werfen. Ich verlängerte meinen Aufenthalt und ging im Sturm spazieren. Als ich zwei Tage später dann doch die Heimreise antrat, war der Sturm noch so stark, dass auf der nördlichen Richtungsfahrbahn noch immer nichts ging. Trotz Räumfahrzeugen wehte sie ständig wieder zu. In Richtung Berlin hatten wir Glück, weil ein Schneepflug vor uns her fuhr. Wie viel Glück das aber wirklich bedeutete, wurde erst am Abend klar. Als dieselbe Autobahn wegen anhaltender Schneeverwehungen erneut unpassierbar geworden war. Glück im Unglück, würde ich sagen. Traumhafte Bilder und die Erinnerung an ein Schneechaos, das den perfekten Einstieg in »Die Schneemänner« bot.

Schaut euch gern auch den Buchtrailer auf YouTube an – die Fotos darin sind ebenfalls während dieser Recherchetour entstanden.

Romanrecherchen in Eis und Schnee 1

Ich bin gern zu Recherchezwecken unterwegs. Das wisst ihr spätestens seit meinem Schottland-Roman. Allerdings kann niemand so ohne weiteres erkennen, unter welch widrigen Umständen die manchmal stattfinden. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass es lustig ist, bei minus 20° ein Fotoshooting durchzuziehen?

Doch, ist es. In dicken Klamotten jedenfalls. Deshalb gibt es auch dieses Bild von mir mit den etwas albernen Verrenkungen im Skianzug ;-) Es entstand am Neujahrsmorgen in der größten Wanderdüne Europas. Sie grenzt westlich an das kleine polnische Ostseebad Leba.

Die Ostsee erstarrt noch in Bewegung. Hier ein Wellental direkt vorm Strand.

Normalerweise ist Leba die beliebteste Sommerfrische für die Polen. Auch wegen der riesigen Wanderdüne. Doch am 1. Januar 2016 war dort keine Menschenseele. Bei minus 20° blieben die Silvesterberauschten wohl lieber im Bett. Der perfekte Moment also, um der Atmosphäre einer menschenleeren Wüste nachzuspüren.

In jenem Winter gab es keinen Schnee. Und bis zum 30.12. im Grunde auch nur graues Ekelwetter. Aber dann schlug die so genannte russische Kältepeitsche zu. Und da man in Leba, das etwa 500 km östlich von Berlin absolut ungeschützt an der Ostsee liegt, der russischen Grenze sehr nahe kommt, schlug sie dort wohl um so erbarmungsloser zu. Innerhalb von wenigen Stunden sank das Thermometer von knapp 10° über Null auf 10° unter Null. Nachts weiter auf minus 20°. Bei der Ankunft in Leba war der Hafen des beschaulichen Ortes noch eisfrei. Drei Tage lagen die Fischerboote bewegungslos im Eis. Sie waren eingefroren.

Das Seil im Vordergrund begrenzt die Gefahrenzone der Düne.

Für die schönsten Naturplätze gilt ja oft: Sie sind mit dem Auto nicht erreichbar. Die Sanddüne von Leba macht da keine Ausnahme. Man hat die Wahl zwischen einem 8 km und einem 16 km langen Fußmarsch am Strand entlang. Ich liebäugelte tatsächlich einen Moment mit dem längeren Weg. Aber am Ende tat es auch der Kürzere. Und bei dem kann man sogar schummeln und den größeren Teil der Strecke mit einem Elektrokarren zurücklegen ;-) Stellt ihn euch wie eine Art Lore vor. Zu allen Seiten offen, zugig. Wir froren erbärmlich und waren froh, als wir uns endlich wieder selbst bewegen mussten.

Aber warum genau tut man sich das an? Für mich ist Vor-Ort-Recherche die beste Inspiration. Ich brauche die Atmosphäre, um gut in die Story zu finden. Ich will wissen, wie der Ort der Handlung riecht. Wie es sich anfühlt, dort zu sein. Wie die Menschen ticken, die dort leben. Was sie glücklich macht und was traurig. Und was mich selbst mit diesem Ort verbinden könnte. Wenn ich durch die Straßen laufe, werde ich innerlich zu einem Protagonisten meiner Geschichte. Ich versuche, die Dinge mit seinen Augen zu sehen und mit seinem Herzen zu erfühlen. Was würde er tun, wenn er hier wäre? Und welche Auswirkungen hat das auf meinen Roman? Kann ich ihn so schreiben, wie ich es geplant habe? Oder habe ich plötzlich völlig neue Aspekte entdeckt, die ich berücksichtigen muss?

Was aus der Recherche in der polnischen Sahara wurde, wie die Wanderdüne von Leba auch genannt wird? Lest selbst. Hier ein Auszug aus dem Roman „Sand des Vergessens“, der 2016 erschien.

Die Wanderdüne erreicht eine Höhe von über 40 Metern.

Mir bleibt an dieser Stelle noch zu sagen, dass wir leider keinen heißen Tee dabei hatten und das Fotoshooting auch ziemlich kurz hielten. Zum einen, weil die Akkus unserer Kameras bei diesen Temperaturen innerhalb kürzester Zeit den Geist aufgaben. Und zum anderen, weil man sofort das Gefühl hatte einzufrieren, sobald man zum Stillstand kam oder gar die Handschuhe auszog, um die Kamera bedienen zu können. Der scharfe Wind ließ die minus 17° an jenem Tag wie minus 27 erscheinen …

Das war Teil 1 der Romanrecherchen in Eis und Schnee. Morgen lest ihr an dieser Stelle Teil 2. Dann über den Schneesturm, der für die Geschichte um »Die Schneemänner« zur Vorlage wurde.

Schneemänner Teil 12+13 erscheint später

Liebe Schneemänner-Fans,

das ist eine Entscheidung, die ich eigentlich nie treffen wollte. Immer bisschen enttäuschend, wenn der Erscheinungstermin eines Buches verschoben wird. Und bislang hab ich das vermeiden können. Jetzt allerdings muss ich zum ersten Mal auf euer Verständnis hoffen.

Der Jahreswechsel hat mich in meiner Kreativität ausgebremst. Trotz erhöhten Schokoladenkonsums. Manches ist nicht so gelaufen, wie ich gewollt hätte. Und dann hab ich gleich am 1.1. mein Vorhaben für dieses Jahr in die Tat umgesetzt und die Arbeit mit einer neuen Autorensoftware begonnen. Insbesondere das Erscheinungsbild der eBooks wird davon profitieren. Aber sich in neue Technik einzuarbeiten, bremst natürlich den Schreibfluss ebenfalls.

Nun bin ich endlich in Schwung gekommen. Die Geschichte nimmt Gestalt an. Doch den Zeitverzug kann ich leider nicht mehr wettmachen. Gerade das Finale dieses mehrteiligen Romans soll ein wirklich schönes werden, keine halbe Sache. Ich möchte, dass ihr begeistert seid.

Deshalb erscheint die voraussichtlich letzte Staffel der Schneemänner einen Monat später. Ich habe den Termin bei amazon um 30 Tage, also auf den 08.03.2019, verschoben. Sollte ich früher fertig sein, werden alle Vorbesteller automatisch auch früher beliefert. Ansonsten erfahrt ihr den aktuellen Stand der Veröffentlichung hier bzw. in den sozialen Medien.

In der Hoffnung darauf, dass ihr mir dennoch wohlgesonnen bleibt,

eure Nora

PS: Vielleicht ist euch in der Zwischenzeit der geheime SCHNEEMÄNNER-TALK ein kleiner Trost. Hier geht’s zu den ersten Gesprächen …

 

Schneemänner-Talk, das 2. Gespräch

Seit Jacob vorschlug, es mit einer gemeinsamen Frau zu versuchen, sind Wochen vergangen. Sie haben kein Wort mehr darüber verloren. Doch bei Paul hat sich die Idee festgesetzt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht daran denkt. Manchmal erscheint sogar ein Bild vor seinem inneren Auge. Er und Jack, eine Frau in ihrer Mitte und jeder von ihnen hat den Arm um sie geschlungen. Sie scherzen miteinander, sind heiter und ausgelassen. Es fühlt sich an wie die Momente voll Glückseligkeit, die er aus seiner Kindheit in Erinnerung hat. Vielleicht doch etwas, das sie in Erwägung ziehen sollten?
Die beiden Männer sprinten mit ihren Rädern über den asphaltierten Küstenweg. Als das reetgedeckte Haus, das sie gemeinsam saniert haben, hinter den Dünen auftaucht, stoppen sie. Das war’s für heute. Sie steigen aus den Sätteln, tragen die Bikes zum Strand hinunter und lassen sich erschöpft in den warmen Sand fallen.

»Was du da neulich über eine Frau für uns beide gesagt hast, finde ich gar nicht abwegig«, beginnt Paul, als er wieder in der Lage ist zu sprechen.
Jacob dreht überrascht den Kopf. »Daran denkst du noch?«
»Klar. Hat doch was.«
»War aber nicht wirklich ernst gemeint.«
»Warum nicht?«
»Na ja, ich wollte dich eigentlich nur ein wenig aufmuntern, weil das mit Jenny nicht geklappt hat.«
»Du meintest, sie passt nicht zu mir.« Pauls Blick wandert hinauf in den Himmel. »Stimmt vielleicht. Wohl an der Zeit, dass ich es mal mit ner Frau versuche, ohne drauf zu achten, ob sie meinen Fetisch teilt.«
»Das sind ja ganz neue Töne.«
»Tja, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.«
Sie lachen.
»Aber im Ernst«, fährt Paul fort. »Ich will eigentlich keine, die ohne Aufforderung sofort auf die Knie fällt, um mir ihre Demut zu beweisen.«
»Sondern?«
»Na ja, aufmüpfig darf sie schon sein.« Er grinst vor sich hin. »Hab ich wenigstens einen Grund, sie zu strafen.«
Von links neben ihm kommt ein unwilliges Knurren.
»Ich kann auch sanft«, versichert er schnell.
»Ja ja, du mich auch.«
»Wenn du mir nicht glaubst …«
»Klar doch. So sanft, dass sich die Mädels förmlich danach verzehren.«
Wenn du wüsstest, denkt Paul, verzichtet jedoch auf einen Kommentar zu Jacobs spöttischer Bemerkung.

Minutenlang schauen sie einfach nur den Wolken nach, die über den Abendhimmel ziehen. Aus einiger Entfernung dringen die Stimmen der letzten Badegäste zu ihnen. Wenn sich der Strand geleert hat, werden auch sie sich in die Fluten stürzen. Wie immer nackt. Ein Vergnügen, das eine gemeinsame Frau durchaus mit ihnen teilen sollte.
»Sie könnte ein paar Jahre jünger sein als wir«, sinniert Paul weiter. »Wegen der Familienplanung.«
»Oh Mann.«
»Aber nicht zu jung. Eher schon bisschen festgelegt auf Job und gewisse Werte.«
»Werte – aha. Was genau?«
»Ehrlichkeit, Offenheit …« Er wendet sich wieder dem Freund zu. »Sie sollte ihren Job mögen. Und ich will keine, die sich erst noch finden muss.«
»Müssen wir das nicht alle?«
»Vielleicht. Aber das fällt eher unter die Rubrik ‚Weiterentwickeln‘.«
Paul mustert Jacob und versucht, in dessen Miene zu lesen. Immerhin war er doch derjenige, der diese Idee ausgebrütet hat. Warum argumentiert er jetzt so vehement dagegen?
»Machst du dir keine Gedanken, wir könnten eifersüchtig aufeinander sein?«, will Jacob in diesem Moment wissen.
»Nee.«
»Ich hätte Schiss davor.«
»Warum? Wär doch nicht das erste Mal, dass wir zusammen mit einer Frau …«
»Das ist doch ganz was anderes.« Jacob klingt ungehalten. »Du kannst doch so ne Nummer nicht mit einer echten Beziehung vergleichen.«
»Aber der Sex zu dritt sollte schon passen.«
»Es gibt Dreierbeziehungen, in denen so was gar nicht stattfindet.«
»Echt?« So genau hat Paul sich damit noch nicht beschäftigt. Und eigentlich ist er jetzt baff, dass Jacob offenbar mehr darüber weiß.
»In den meisten Polybeziehungen sind die Partner eher selten zeitgleich am Start.«
»Okayyy. Ja, gut. Muss man abwarten. Sollen sich ja alle damit wohlfühlen. Wir und sie.«
Erneut verfallen die beiden Männer in Schweigen.

Hat aber nichts weiter zu bedeuten. Eigentlich ist es etwas Normales zwischen ihnen. Obwohl Jacob eine ziemliche Quasselstrippe sein kann. Was sich für eine gemeinsame Frau sogar als Vorteil herausstellen könnte. Sie hätte dann wenigstens einen, mit dem sie stundenlang reden kann. Tun Frauen bekanntlich gern. Und lässt Paare streiten, wenn der Mann da nicht mitmacht. Also wohl ein Punkt für die Dreierkonstellation, oder?
»Ich glaub, wir würden uns super ergänzen«, nimmt Paul den Faden wieder auf. »Zum Beispiel beim Shoppen. Ich hatte noch nie Spaß daran. Du schon.«
»Und ich nicht wirklich beim Kochen. Das machst du dann mit ihr.«
»Ihr beide geht tanzen und mir muss sie Modell stehen.«
Jacob lacht. »Dann lässt sie sich hoffentlich gern fotografieren … Okay. Ich stopfe sie mit Torte voll und du mit gesunden Sachen.«
»Dann kann sie sich schon mal auf ein Wechselbad der Gefühle einstellen.« Paul stützt sich rittlings auf beide Ellenbogen und grinst Jacob an. »Wehe, sie wird fett.«
Der feixt. »Dann?«
»Muss ich sie bestrafen.«
Jetzt stemmt er sich ebenfalls hoch. »Herrgott noch mal! Kannst du auch an was anderes denken?«
»Warum sollte ich?«
»Weil sie vielleicht keinen Bock auf deine Spielchen hat?«
»Werden wir sehen.« Er wackelt mit den Augenbrauen. »Wenn ich will, bin ich sehr überzeugend.«
Als Jacob darauf nur mit einem vielsagenden Blick reagiert, ansonsten aber schweigt, wird Paul misstrauisch.
»Hast du etwa schon eine Kandidatin?«
Jacob zwinkert und streift sich das Shirt über den Kopf. »Möglich …«
»Was heißt das?« Der hat echt schon eine Frau ins Visier genommen und behält das für sich?
»Ich brauch erst mal mehr Infos, bevor ich konkret werde.«
Paul boxt ihm freundschaftlich gegen den Oberarm. »Come on. Das kannst du nicht machen.«
»Weil du hier der Sadist bist, oder wie?« Jacob feixt.
»Wer ist sie?«
»Vergiss es!«
»Wenigstens einen Namen.«
»Nein, verdammt.«
»Das ist unfair.«
»Quatsch.«
»Woher kennst du sie?«
Jacob presst die Lippen aufeinander, schließt ein imaginäres Schloss ab und wirft den ebenfalls imaginären Schlüssel hinter sich.
So ein Arsch. »Und ich gebe hier großzügig den Versorger, ich Depp. Wasser und Brot«, platzt er heraus. »Wasser und Brot kriegst du heute Abend, nichts sonst.«
»Dann geh ich eben ins Hotel. Anna tischt garantiert was Ordentliches auf.«
»Anna?« Paul wird hellhörig. »Nicht dein Ernst, oder?«
»Was?«
»Na Anna …«
Es dauert, ehe Jacob begreift, was er meint. Dann bricht er in ein kehliges Lachen aus und winkt ab.
»Anna doch nicht.«
»Scheiße, Mann.« Paul atmet hörbar auf. »Ich dachte schon, du bist von allen guten Geistern verlassen.«
»Was hast du gegen Anna?«
»Nichts. Ist mir nur bisschen zu extrovertiert.«
»Aber sie hat einen tollen Hintern.«
»Annas Hintern kann mir gestohlen bleiben.«
»Weil?«
»Sie wartet doch nur darauf, dass einer von uns …«
»Was du nicht sagst.« Jacob steigt aus seinen Shorts und schwingt demonstrativ die Hüfte.
»Wenn sie dich so sehen könnte.« Paul grinst anzüglich.
»Lass gut sein. Anna ist keine Frau für uns.«
»Wer dann?«
»Die Autorin.«
»Autorin?«
»Kommt seit etwa einem Jahr regelmäßig ins Hotel, um an ihren Büchern zu arbeiten.«
»Wir sollen uns mit einer Autorin zusammentun?«
»Warte, bis du sie kennenlernst.«
»Und woher kennst du sie?«
»Ich kenn sie nicht.« Jacob schürzt die Lippen.
»Moment.« Paul guckt entgeistert. »Du kennst sie nicht, hältst sie aber für geeignet? Wie passt das zusammen? Und überhaupt. Autoren basteln sich die Welt, wie’s ihnen gefällt. Die sind doch total neben der Spur.«
»Die garantiert nicht.«
»Woher willst du das wissen.«
»Ich hab da so meine Quellen.«
Jacob hat kaum ausgesprochen, da deutet er schon mit dem Kopf Richtung Wasser.«Na los, beweg deinen Arsch. Ich hab Hunger.« In der Abendsonne erscheint sein Körper für den Moment wie der einer griechischen Götterstatue.

Eine Autorin, denkt Paul. Hoffentlich keine dieser Schnepfen, von denen ihm Jenny mal erzählt hat. Die neuerdings glauben, sie müssten über BDSM schreiben, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben. Den Zahn wird er ihr gnadenlos ziehen. Ein bisschen Peitsche, ein bisschen Bondage – das hat noch jede eines Besseren belehrt …

Fortsetzung folgt!

Allerdings wie bereits angekündigt nicht an dieser Stelle, sondern von nun an per Newsletter. Zur Anmeldung geht’s oben rechts oder hier entlang.

Wer das 1. Gespräch zwischen Paul und Jacob verpasst hat, findet den Text hier.

Schneemänner-Talk, das 1. Gespräch

Wie angekündigt gibt’s heute das 1. Gespräch aus dem geheimen Schneemänner-Talk. Viel Spaß mit den neuen Einblicken in das Leben von Paul und Jacob :-)

Die beiden Ärzte, seit Ewigkeiten beste Freunde, können sich über den Mangel an Gesprächsthemen derzeit wahrlich nicht beklagen. Während Paul sich in eine chirurgische Praxis im Westteil von Berlin eingekauft hat und noch immer damit beschäftigt ist, sich zu etablieren, steckt Jacob gerade in der Gründungsphase. Die Zahnarztpraxis, die er mit drei Kollegen am Potsdamer Platz betreibt, gibt es erst seit wenigen Wochen. Beiden ist die Zeit knapp geworden für gemeinsame Unternehmungen. Von der Suche nach der Frau fürs Leben schon mal ganz zu schweigen. Also haben sie das Thema Familienplanung erst mal auf Eis gelegt. Paul, weil er vorgibt, er könne auch ganz gut nur mit seinem Fetisch leben. Jacob, weil er neuerdings Gefallen an One-Night-Stands findet. Eines allerdings ist ihnen heilig: Ihre regelmäßigen Treffen nach Feierabend. Egal, was gerade in den Praxen los ist. Und egal, wie ausgepowert sie sind.

»Seit wann fängst du ohne mich an?«
Jacob, ein wenig zu spät dran, weil er eine ungeplante Weisheitszahn-OP hinten dran hängen musste, schwingt sich auf den Barhocker neben Paul, ohne den Freund eines Blickes zu würdigen. Vielmehr starrt er das einsame Glas auf dem Tresen an und hebt dem Barkeeper daraufhin den Zeigefinger entgegen, um auch für sich einen Drink zu ordern. Whisky ist jetzt genau das Richtige.
Dann erst dreht er den Kopf zu Paul. »Also, was ist los?«
Der zuckt mit den Schultern. »Ich hatte Durst.«
»Blödsinn.« Jacob schnaubt missbilligend. »Als ob du deshalb jemals deine gute Kinderstube vergessen würdest.«
»Hab ich eine Kinderstube?«
»Soweit ich weiß …«
Fast hat es den Anschein, als ließe Paul seinen Kopf nach diesen Worten noch etwas tiefer hängen. Und Jacob ahnt, dass er lieber die Klappe halten sollte. Aber er ist beunruhigt. Hat Paul nicht die letzte Nacht mit Jenny verbracht? Mit dieser Frau, die keine Tabus zu haben scheint? Die ständig auf immer tiefere dunkle Abgründe zusteuert? Inzwischen auch auf solche, in die Paul gar nicht seine Nase stecken will?
»Es ist vorbei«, murmelt der Freund.
Also doch. Jacob schnauft. »War zu erwarten.«
Zum ersten Mal an diesem Abend treffen sich ihre Blicke. Paul schweigt. Aber der Unmut und die damit verbundene Frage stehen ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
»Sie ist nichts für dich«, sagt Jacob entschlossen. »Du magst ja sadistische Züge haben. Aber was Jenny sich vorstellt, geht weit darüber hinaus.«
»Woher willst du das wissen? Dir fällt doch schon die Kinnlade runter, wenn du nur eine Peitsche in die Hand nehmen sollst.« Er rauft sich die Haare. »Du hast echt keine Ahnung …«

Jacob nimmt das Glas und nippt an seinem Whisky. Als hätte Paul ihm gegenüber nicht immer wieder Jennys Maßlosigkeit thematisiert. Aber das ist typisch. Wenn es um BDSM geht, versteht er echt keinen Spaß. Wobei – eigentlich hält er sich mit Ironie und Sarkasmus trotzdem zurück. Sie tolerieren einander. In jeder Hinsicht. Selbst in Bezug auf Frauen und ihre gelegentlich recht verschiedenen Vorstellungen davon, diese zu beglücken.

»Sie oder du?«, will Jacob wissen.
»Was?«
»Hat Schluss gemacht …«
Paul grummelt vor sich hin.
»Also sie«, versucht Jacob, den Freund aus der Reserve zu locken.
»Nein! Das hätte sie nicht gewagt. Ich war es.«
»Weil?«
Paul schlägt mit der flachen Hand auf den Tresen. »Weil ich, verdammt noch mal, nicht tun werde, was sie will!«
Eigentlich sollte Jacob wohl danach fragen, was das denn sei. Aber er hält es nun tatsächlich für klüger, Paul nicht weiter herauszufordern. Irgendwann wird er von sich aus darüber reden.
»Du hast eh nicht genug Zeit für eine Frau, die den ganzen Tag kaum anderes zu tun hat, als sich auf eure nächtlichen Spielchen vorzubereiten«, wirft er ein. »Du brauchst eine, die einem ordentlichen Job nachgeht. Worüber wollt ihr sonst reden?«

Das ist eine Sache, die immer wieder für Diskussionen zwischen ihnen sorgt. Während Paul jede freie Minute für seine Arbeit nutzt, verbringt Jenny die meiste Zeit des Tages damit, ihren Körper in Schuss zu halten. Was durchaus seinen Reiz hat. Gerade für Paul. Ein trainierter Frauenkörper ist eben deutlich biegsamer als ein untrainierter und damit effizienter auch in schwierige Bondagepositionen zu bringen.
Doch Pauls Faible für Seile fordert aus Jacobs Sicht zu viele Zugeständnisse. Jenny ist so ein Fall. Irgendwie wird er einfach nicht warm mit ihr. Manchmal beschleicht ihn sogar das Gefühl, sie könnte die Freundschaft der beiden Männer unterwandern. Eine Freundschaft, die so tief verwurzelt ist, dass Jacob sich ein Leben ohne Paul nicht mehr vorstellen kann. Hört sich vielleicht blöd an oder sogar bisschen zweideutig. Aber da ist nichts zwischen ihnen. Nur, dass Paul ihm wie der Bruder erscheint, den er sich immer gewünscht hat. Er könnte es nicht akzeptieren, wenn eine Frau …

»Wir sollten uns eine teilen«, schlägt er vor, ehe die Gedanken richtig sortiert sind.
»Teilen?« Pauls Kopf ruckt herum. »Eine?«
»Eine Frau.«
»Wie bitte?« Er mustert ihn verständnislos. Dann tippt er sich in einer eindeutigen Geste an den Kopf. »Du spinnst!«
Klar, vielleicht spinnt er ja. Vielleicht ist das aber auch DIE Idee. »Wäre ja nicht zum ersten Mal«, nimmt Jacob den Faden erneut auf.
Paul wendet sich ihm ganz zu und verschränkt die Arme vor der Brust. »Nur zum Verständnis. Es geht dir nicht um Sex zu dritt, sondern um eine gemeinsame Frau für uns beide?«
Jacob nickt entschlossen, obwohl er mit jeder Sekunde, die vergeht, selbst an dem zweifelt, was er da eben vorgeschlagen hat. Wie kommt er nur darauf?
Er starrt sein Glas an, nippt. Schmeckt völlig normal. Kann also nicht am Alkohol liegen. Vielleicht aber daran, dass sein letzter One-Night-Stand schon geraume Zeit zurückliegt?

Für Minuten bleibt es still zwischen ihnen. Währenddessen ordert Paul für sie beide eine zweite Runde und Jacob sieht, wie es hinter der Stirn des Freundes arbeitet. Wahrlich bescheuert, dieser Gedanke.
Er will die Hand heben, abwinken und sagen, es sei ein Scherz gewesen und Paul solle das am besten gleich wieder vergessen. Doch bevor er den Mund aufmachen kann, kommt der andere ihm zuvor.

»Vielleicht gar nicht so doof. Ab und an haben wir ja schon denselben Geschmack.«
»Komm, vergiss es«, versucht Jacob abzuwiegeln. »War nicht ganz ernst gemeint. Hormonstau oder so was. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe.«
Paul grinst. »Warte!« Er lässt sein Glas gegen das von Jacob klirren. »Lass uns doch mal überlegen, was das hieße.«
Und dann legt er los. Innerhalb von Minuten entstehen so eindeutige Bilder vor beider Augen, dass Jacob verwundert die Lider zusammenkneift.
»Ich kann gar nicht glauben, dass das eigentlich meine Idee war.« Entgeistert betrachtet er den Freund. »Seit wann hast du diese Gedanken?«
Das laute Gelächter, das aus ihnen herausplatzt, sorgt dafür, dass mehrere Leute auf sie aufmerksam werden. Paul legt sich verschwörerisch einen Finger über die Lippen.
»Psst! Alles voll hier mit potentiellen Bewerberinnen.« Er deutet mit dem Kopf in die Runde und zieht eine Grimasse.
Jacob senkt gleichfalls die Stimme. »Welche käme denn infrage?« Seine Augen bleiben an einer schlanken Rothaarigen hängen. »Die da vielleicht? Ich mag ihre Locken.«
Paul wackelt mit dem Kopf. »Okayyy. Rote Haare sind schon mal gut.« Dann geht sein Blick erneut auf Wanderschaft. »Und was meinst du zu der da? Man müsste natürlich rausfinden, ob das Blond echt ist. Aber der Hintern hat was.«
Schon klar. Garantiert hat er gerade wieder nichts anderes im Sinn, als sich vorzustellen, wie er diesen hübschen Hintern mit Feuer überzieht. Aber das kann er sich abschminken. Wenn schon eine gemeinsame Frau, dann …
»Die Brünette hinter dir«, wirft Jacob ein.
Als Paul sich nach ihr umwenden will, hält er ihn mit einem leichten Kopfschütteln davon ab. »Wär doch ein super Kompromiss zwischen Rot und Blond. Tolles Profil, die Titten exakt eine Handvoll und schöne Hüften.«
Paul guckt erwartungsvoll. »Und ihr Arsch?«
»Kann ich nicht sehen.«
»Come on. Guck genauer hin.« Wieder macht Paul Anstalten sich umzudrehen.
Da wendet sich Jacob ärgerlich ab und knallt das leere Glas auf den Tresen. Dass dieser Mann aber auch nur an seinen Fetisch denken kann!
»Eins sag ich dir: Von meiner Frau lässt du gefälligst deine schmutzigen Finger!«
Paul legt den Kopf schief und feixt. »Wie jetzt? Willst du nun teilen oder nicht?«
»Ich will. Aber nur unter einer Bedingung: Keine Peitschen.«
»Wie soll das gehen?«
Er zuckt die Schultern. »Sonst bin ich raus.«

Paul mustert Jacob mit einem nachdenklichen Blick und dreht sich dann demonstrativ nach der Brünetten um. Er schweigt. Die Finger seiner rechten Hand spielen mit dem Whiskyglas. Schließlich stöhnt er leise in sich hinein.
»Das wird nichts, mein Freund.«
Er hebt das Glas an die Lippen, trinkt es in einem Zug leer und stellt es lautlos neben das von Jacob …

Fortsetzung folgt!

Den 2. Lauschangriff auf Paul und Jacob gibt’s am 13. Januar hier auf dem Blog. Aber denkt dran: Die beiden wollen ungern zulassen, dass Patienten ihre Nasen in ihr Privatleben stecken. Deshalb steht der Schneemänner-Talk ab dem 3. Gespräch nur Newsletter-Abonnenten zur Verfügung ;-) Zur Anmeldung für den Newsletter oben rechts klicken oder hier entlang.

Der geheime Schneemänner-Talk

Paul und Jacob erweisen sich als echte Gentlemen. Sie wollen uns den Start ins neue Jahr versüßen. Cool, oder? Ab sofort dürfen wir sie belauschen. Ihre geheimen Gespräche. Die, die sie in den ersten Teilen der Schneemänner-Reihe führten, in denen wir die Story nur aus Louisas Perspektive lesen konnten. Sie gestatten uns sogar einen Blick in die Vor-Louisa-Ära. Auf jenen Tag, da sie in einer Kneipe zusammen saßen und auf die verrückte Idee kamen, sich eine Frau zu teilen …

Merkt euch also den 1. Januar 2019 vor. Da startet „Der geheime Schneemänner-Talk“ hier auf meinem Blog. Und ich bin schon total gespannt, Paul und Jacob mal von einer ganz anderen Seite zu erleben.

Eines muss ich euch übrigens gleich beichten. Die beiden sexy Ärzte legen Wert auf ihre Privatsphäre. Deshalb darf ich an dieser Stelle nur die ersten zwei Gespräche veröffentlichen. Ich musste versprechen, alle anderen ausschließlich für Newsletter-Abonnenten zugänglich zu machen. Schon bisschen merkwürdig, sie nehmen ja eigentlich nie ein Blatt vor den Mund. Aber wer weiß, worüber sie diesmal so reden wollen? Sind ja schließlich echte Männergespräche. Und vielleicht nicht alles jugendfrei *kicher. Lassen wir uns überraschen …

Ach ja – zur Newsletter-Anmeldung geht’s entweder oben rechts oder hier entlang :-)

Ich wünsche euch allen ein entspanntes Jahresende und viel Glück für 2019!

Eure Nora

Last-Minute-Geschenk für Männer

Ich hatte ja versprochen, euch den Titel des Buches zu verraten, das Louisa in der diesjährigen Weihnachtsgeschichte „Braven Mädchen schenkt er Schnee“ zum Weihnachtspräsent für einen Mann auserkoren hat. Bitte einmal Blick nach Links aufs Foto *lach.

Tatsächlich kann ich aus Erfahrung bestätigen, dass Männer erstens ziemlich überrascht sind, ein solches Buch zu bekommen, und zweitens definitiv darin schmökern. Schließlich will Man(n) wissen, ob er schon mit allen Wassern gewaschen ist oder noch Lernpotential hat.

Ob das bei Louisa funktioniert und worum es in diesem Buch überhaupt geht? Das lest ihr am besten selbst …

Aber ich freu mich natürlich zu erfahren, wie’s bei euch klappt. Könnt ihr mit diesem Geschenk einen Treffer landen? Schreibt mir gern eine Mail oder hinterlasst einfach einen Kommentar.

Viel Spaß mit dem überraschten Mann wünscht euch

Nora

Louisas Last-Minute-Weihnachtskuchen

Wer meine brandneue Weihnachtsgeschichte „Braven Mädchen schenkt er Schnee“ schon kennt, weiß, dass ich euch das Kuchenrezept versprochen habe, das Louisa noch am Abend vor Weihnachten zusammenrührt. Für den Fall also, dass sich bei euch am 1. Feiertag ganz überraschend Besuch ankündigt, seid ihr damit bestens gewappnet, um eine Runde von 6 Leuten glücklich zu machen *schmunzel

DER NUSSKUCHEN

Dieses Rezept hat inzwischen mindestens 50 Jahre auf dem Buckel. Selbst in meiner Familie war leider nicht mehr herauszufinden, woher genau es stammt. Nur eines ist sicher: Aus frühen DDR-Zeiten. Die Zutaten damals waren überschaubar, was man auch hier durchaus erkennen kann. Aber besteht das Geheimnis eines guten Kuchens nicht eben in der Einfachheit seiner Zubereitung?

DAS TIMING

Insgesamt braucht ihr etwa eine Stunde – dann könnt ihr euren Nusskuchen servieren. Plant für die Zubereitung des Teigs etwa 20 min ein, Backzeit etwa 15 min, hinterher 10 min abkühlen lassen, mit der Glasur überziehen und ein paar min trocknen lassen, während ihr schon mal den Kaffee kocht.

DIE ZUTATEN

Für den Original-Nusskuchen (meine Abwandlung steht jeweils in Klammern dahinter) braucht ihr:

  • 250 g Margarine
  • 250 g Zucker (eigentlich wird’s damit viel zu süß, zwischen 60 und 100 g genügen!)
  • 120 g Mehl
  • 130 g Stärkemehl
  • 4 Eier
  • 6 Teel. Kakao
  • 150 g Haselnüsse (besser Walnüsse und durchaus ein paar mehr)
  • eine Prise Backpulver
  • Puderzucker (meine Glasur ist ziemlich dünn, mir genügen deshalb 125 g)
  • Geheimzutat (tja … lest die Tipps)

Ich hab das Originalrezept ein wenig abgewandelt, weil z. B. viele auf Haselnüsse allergisch reagieren. Deshalb nachfolgend meine …

TIPPS bzw. was ich euch empfehle

Ich bin mir mit Louisa und Jacob (Paul hab ich nicht gefragt *grins) einig – Zucker in zu großen Mengen schadet den Zähnen (und ganz sicher nicht nur denen). Deshalb mein Tipp: Nehmt weniger als angegeben! Mir reicht tatsächlich ein Drittel der Menge. Kommt ja ohnehin noch eine Zuckerglasur drüber.

Womit wir bei meiner persönlichen Geheimzutat wären. Für die Glasur verrührt man normalerweise den Puderzucker mit ein wenig heißem Wasser. Ich nehme zusätzlich einen Schwapp Kokoslikör. Das verleiht dem Kuchen einen himmlischen Duft und kitzelt die Geschmacksnerven auf wunderbare Weise.

Statt Haselnüsse verwende ich Walnüsse. Die sind ein wenig weicher, müssen aber trotzdem gut zerkleinert werden. Ich war beim letzten Mal nicht akribisch genug und hatte deshalb Schwierigkeiten beim Schneiden (auf dem Foto unten an den Rissen in der Glasur zu sehen). An meinem Nusskuchen sind immer exakt 200 g Nüsse (das ist dann aber auch wirklich sehr nussig – quasi mehr Nuss als Teig *lach).

Beim Mehl hab ich letztes Mal auch experimentiert und die Hälfte des normalen Mehls durch Stärkemehl ersetzt. War keine gute Idee – der Kuchen wurde mir persönlich zu fluffig.

Was ich zusätzlich ergänze, ist ein Schluck Sprudel. Macht den Teig schön locker.

DIE BACKZEIT

Damit wird jeder von euch eigene Erfahrungen haben, je nach Herd. Meiner ist elektrisch. Ich nehme Unter-und Oberhitze und schiebe das Blech (ach so, diese Info braucht ihr natürlich noch – mein Nusskuchen ist ein Blechkuchen) bei 160° für 15 min in den vorgeheizten Ofen. Anschließend ausmachen und noch max.(!) 5 min drin lassen.

Wenn ihr euch, nachdem die Glasur fest geworden ist, ans Schneiden macht – bei mir sind es schmale Streifen, aus denen ich kleine Rhomben schneide. Aufbewahrung am besten in einem geschlossenen Behälter im Kühlschrank. Sollte dann ein paar Tage funktionieren.

Die Krönung zum Nusskuchen ist natürlich frische Schlagsahne. Da es bei mir Weihnachten immer auch eine Obsttorte gibt, hab ich die sowieso da.

Tja, das war’s. Ich drück‘ euch die Daumen für gutes Gelingen. Und freu mich natürlich, wenn ihr gelegentlich erzählt, ob euch Louisas Nusskuchen schmeckt.

Einen wundervollen 2. Advent wünscht euch

Nora