Die Schneemänner – das vierte Kapitel

Wie immer für alle, die erst jetzt mit Vorablesen beginnen, die Links zu den bisherigen Kapiteln :-)

Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3

Ansonsten – genießt die Fortsetzung der Geschichte!

„Die Schneemänner“ – Teil 10, Kapitel 4

Frisch geduscht und in ein Badetuch gewickelt, betrete ich mein Zimmer. Paul ist gerade dabei, Finchen zu massieren. Sie liebt das, liegt ganz still. Immer wieder fallen ihr die Äuglein zu.
Eine echte kleine Genießerin. Zu Beginn der Massagezeiten gibt’s immer erst mal ’ne Weile ordentlich Gezappel. Dann wird sie ruhiger, guckt ihren Papa an und fällt schließlich ganz und gar in den Entspannungsmodus. Häufig schläft sie ein, noch bevor Paul sie wieder angezogen hat.
Die Massagen waren Jacobs Idee. Er steht ja bekanntlich auf Akupressur, Shiatsu und solche Sachen. Ich weiß gar nicht, was ich ohne seine Künste gemacht hätte, als ich in der Schwangerschaft Schlafstörungen hatte. Er meint, auch Babys könnten solche Berührungen genießen. Natürlich nur in sanfter Form. Ein Streicheln sozusagen.
Finchen ist bestimmt auch deshalb ein entspanntes Baby. Aus lauter Frust oder Langeweile schreit sie zumindest selten, wenn überhaupt. Und so richtig in Rage bringen sie eigentlich nur nasse Windeln. Ich wünsche mir, dass sie endlich durchschläft. Dann hätte auch ich reale Chancen, entspannter zu werden.

Mit angezogenen Beinen hocke ich mich ans andere Ende des Bettes und beobachte die beiden.
Paul hat wie immer die große Hitze. Er ist barfuß und trägt nichts weiter als eine lockre, tief sitzende Jogginghose. Während ich vorhin gestillt habe, war er im Bad. Sein Haar glänzt, als wäre es noch feucht. Das Muskelspiel seiner Schulterpartie ist … beeindruckend.
Die Männer tanzen regelmäßig halbnackt vor meiner Nase herum. Was mich früher innerhalb kürzester Zeit in den Wahnsinn trieb, nehme ich inzwischen natürlich als gegeben hin. Trotzdem fühlt es sich heut anders an. Nicht nur die Tatsache, dass ein großer kräftiger Kerl so behutsam mit einem Baby umgeht. Wenn ich dabei zugucke, schmelze ich vor lauter Liebe sowieso dahin. Jetzt aber kann ich die Augen überhaupt nicht mehr abwenden. Pauls muskulöser Körper bringt mich auf seltsame Gedanken.
Die sehnigen Unterarme, seine breiten Schultern … ich stehe plötzlich unter Spannung. Trotz der Tatsache, dass er kaum noch zum Fitnesstraining kommt, hat er nichts von seiner kraftvollen Ausstrahlung eingebüßt. Und dieser dunkle Haarstreifen, der in seiner Pants verschwindet, ist sowieso … Puhhhh …

Erst hat er Fragezeichen in den Augen, als er meinen Blick sieht. Dann schleicht sich ein wissendes Grinsen in sein Gesicht. Er schließt den Reißverschluss an Finchens Schlafsack und trägt unser schlafendes Baby hinüber zur Wiege. Betont langsam kommt er schließlich auf mich zu. Langsam, schweigend und gefährlich präsent.
Kann es sein, dass ich scharf auf ihn bin? Irritiert lausche ich in meinen Bauch hinein.
Seit Sophies Geburt war da nicht die kleinste Regung. Nur ein einziges Mal habe ich seitdem den Wunsch nach erotischer Nähe oder gar Sex verspürt. Klar, dass ich das eher für ein Versehen meiner Libido gehalten habe. Normalerweise gilt Kuscheln. Viel kuscheln, oh ja. Aber sonst?
An manchen Tagen frag ich mich, ob ich überhaupt jemals wieder Lust empfinden werde. Jetzt ist sie plötzlich da. Völlig unerwartet. Und ich weiß irgendwie nicht, wie ich damit umgehen soll. Ihr nachgeben?

Mit diesem breiten Grinsen im Gesicht bleibt Paul vor mir stehen. »Ist es das, wofür ich es halte?«, fragt er.
Wir wissen beide, was er meint. Und es ist sicher das Normalste der Welt. Trotzdem steigt von einer Sekunde zur nächsten Scham in mir auf. Die Scham, bei der ich immer hin und her gerissen bin.
Dieses eine Mal, als es mich in meinem wochenlangen Dornröschenschlaf erwischte, hat nicht nur Paul in guter Erinnerung. Das war kurz vor Ostern. Weiß nicht, was mich da plötzlich geritten hat. Jedenfalls hab ich ihn provoziert. Wie eine aufmüpfige Sub ihren Herrn und Gebieter eben gelegentlich herausfordert. Nur, dass er mich hat auflaufen lassen. Er meinte lediglich, es wäre definitiv noch zu früh für so was. Na gut, und jetzt?
Paul geht in die Hocke, hebt die Hand und fährt mit einem Finger auf meinem Nasenrücken entlang. Dann beugt er sich vor und küsst mich. Züchtig wie ein Achtklässler. Himmelherrgott, nicht schon wieder!
»Paul«, stöhne ich fassungslos. Im nächsten Moment lege ich meine Hand in seinen Nacken, ziehe seinen Kopf zu mir und küsse ihn zurück. Aber so, wie es sich zwischen Mann und Frau gehört.
Als ich von ihm ablasse und seinen Blick sehe, wird mir bewusst, was ich getan habe. Auweia, ich glaub, diesmal hab ich mich doch zu weit aus dem Fenster gelehnt. Aber es ist verrückt! Er lässt es mir durchgehen. Schon wieder. Rügt mich nicht einmal für mein dominantes Gebaren. Was mich noch mehr verwirrt.
Was ist passiert? Wo ist der Kerl in meinem Mann? Warum reagiert er nicht? Also ich meine, nicht so, wie er reagieren müsste?

Und dann denke ich, was wohl jede Frau in meiner Situation zwangsläufig denken muss. Er findet mich nicht mehr attraktiv. Er hat keine Lust auf mich. Ich mache ihn einfach nicht mehr an. Na toll! Der Hauptgewinn!
In schneller Folge huschen Sequenzen jenes Tages durch mein Hirn, an dem Finchen zur Welt kam. Vor allem versuche ich, mit Pauls Augen hinzuschauen. Das viele Blut. Wie alles an mir nach der Geburt geschwollen war. Meine verquollenen Augen, die wund gebissenen Lippen. Da kann einem doch wirklich die Lust vergehen. Für immer und alle Zeiten. Kein Wunder, dass er das Funkeln in meinen Augen regelmäßig ignoriert.
Als ahne er meine Gedanken und als gelte es, sie zu verscheuchen, streicht mir mein kluger Mann behutsam über die Stirn. Ich will mich wegdrehen. Er lässt es nicht zu.
»Gib uns Zeit, Hübsche«, bittet er mich statt dessen, während sein Finger unter meinem Kinn liegt. »Lass uns nichts überstürzen. Vor allem hätte ich Jacob gern dabei.«

Natürlich. Es wäre Jacob gegenüber unfair, wenn wir einfach loslegen, nur weil ich plötzlich wieder Lust habe und Paul gerade greifbar ist. Aber wenn es darum gar nicht geht? Wenn es wirklich so ist, wie ich befürchte? Ich meine, Jacob war doch auch dabei. Er saß bei der Entbindung mit mir in der Wanne. Ich hab Finchen förmlich in seine Arme gepresst. Sie haben meine Launen ertragen, die Milch aus meinen Brüsten tropfen sehen und sich um mich gekümmert, wenn ich einfach nicht mehr konnte und nur noch heulend im Bett lag. Kann man jemanden sexy finden, dessen Körper wochenlang im Ausnahmezustand verharrt? Ist überhaupt noch irgendetwas an mir sexy, wo ich doch jetzt ein Mamatier bin?
Ich greife nach der Hand an meinem Kinn und schiebe sie weg, weil ich ihm nicht länger in die Augen sehen möchte.
»Was ist los, Hübsche?«, will er wissen. »Was denkst du?«
Ablehnend schüttle ich den Kopf. Und statt mich zum Reden zu zwingen, wie er es früher getan hätte, zieht er mich einfach schweigend in seine Arme.

Ehrlich, ich könnte laut losheulen! Was ist das denn? Wie soll ich damit klarkommen? Wo ist seine Dominanz hin?
Ich mache mich so klein wie möglich und fühle mich von Paul weiter aufs Bett geschoben. Kurz darauf liegen wir in der Löffelchenstellung zwischen den Kissen.
Er streichelt mich. Küsst meine Schulter. Sein kurz getrimmter Bart kratzt ein bisschen. Normalerweise finde ich das total schön, diese Zärtlichkeiten. Aber …
Ich dachte, Männer können immer. Sind vor allem begeistert, wenn ihre Frauen nach dem Kinderkriegen endlich wieder Lust signalisieren. Natürlich gibt es Tabus. Die hab ich auch. Solange ich stille, möchte ich an den Brüsten nicht berührt werden. Nicht sehr fest jedenfalls. Aber alles andere? Was, wenn Jacob in dieselbe Kerbe schlägt? Oder wenn er es vielleicht sogar noch zu früh findet? Ich glaube, bei meinen beiden Hausärzten muss ich so langsam mit allem rechnen.

Diese Frage beschäftigt mich den ganzen Tag, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Selbst wenn Finchen an meiner Brust liegt und mich mit ihren großen blauen Babyaugen anschaut, kommt sie mir in den Sinn. Als ich mich bei der Überlegung ertappe, ob ich vielleicht lieber abstillen sollte, merke ich, wie tief die Angst vor Ablehnung tatsächlich sitzt. Das kann ich unmöglich lange aushalten. Ich muss mit den Männern darüber sprechen.

* * *

»Findet ihr mich eigentlich noch sexy?«, frage ich beim Abendessen geradeheraus.
Paul und Jacob tauschen einen seltsamen Blick und holen fast gleichzeitig Luft.
»Ich glaube, das ist nicht die Frage«, kontert Paul. Dann dreht er den Kopf zu Jacob. »Louisa hat nämlich heute entdeckt, dass so ein knackiger Kerl wie ich mehr können sollte als Windeln wechseln.«
Hallo? Was ist denn das für ein Spruch? Macht er sich lustig?
Jacob kaut und mustert mich nachdenklich. Irgendwie scheint er noch nicht ganz zu Hause angekommen zu sein. Erst als Paul die Lider weit aufreißt und ihn betont deutlich anstiert, sehe ich das Aufblitzen in Jacobs Augen.
»Oh Gott, endlich«, rutscht es ihm dann heraus.
Ich werfe Paul einen triumphierenden Blick zu. Na bitte. Mann Nummer eins hab ich schon mal auf meiner Seite.
»Trotzdem, wir sollten nichts überstürzen.« Paul schenkt meine Teetasse zum zweiten Mal voll und nimmt sich eine Scheibe Brot.
»Warum?« Was hat er denn? »Alex war letzte Woche der Meinung, alles sei in bester Ordnung.«
Nur, dass ich dem keine weitere Beachtung geschenkt habe. Über Lust und Sex wollte ich mir nicht allzu viele Gedanken machen. Die Geburt ist ja noch nicht lange her. Vielleicht hätte ich sonst gefragt, ab wann … Na ja, ich rede einfach mal mit Marlena, Alex‘ Frau. Wir haben schon ewig nicht mehr telefoniert. Und das Aufeinandertreffen beim Osterfeuer war nur kurz, weil wir wegen Finchen nicht lange bleiben konnten. Außerdem hatten doch alle nur Augen für das Baby.
Mist. Sieht so aus, als vernachlässige ich nicht nur meine Arbeit, sondern auch meine sozialen Kontakte. Jetzt hab ich den Salat. Hemmungen, eine Freundin anzurufen. Ich fasse es nicht. Gerade bei Marlena. Wo ihre Entbindung auch noch nicht lange her ist. Und mit Alex, dem die Dominanz aus allen Knopflöchern strahlt, ist sie in einer ähnlichen Situation wie ich.

»Das mit dem Überstürzen erklär mir mal bitte«, verlange ich jetzt von Paul und vergesse vollkommen, dass ich gerade dabei war, mein Brot zu belegen.
Er mustert mich. »Ich möchte dir nicht wehtun, Louisa«, sagt er dann.
Mein Lächeln fühlt sich unsicher an. Trotzdem riskiere ich die große Lippe. »Weil du Angst hast, du könntest jetzt zu riesig für mich sein? … Da wird wohl eher umgekehrt ein Schuh draus.« Ich vermute nämlich, ich bin nicht mehr so eng wie zuvor. Obwohl Alex bei der Kontrolluntersuchung das Gegenteil behauptet hat.
»Wir könnten es ja erst mal ausprobieren, bevor wir uns hier in Mutmaßungen verlieren«, schlage ich vor, während ich herausfordernd mit den Augenbrauen wackle.
Jacob fängt schallend an zu lachen. So laut, dass Finchen, die uns beim Abendessen wie immer in ihrer Babywippe Gesellschaft leistet, aber darüber eingeschlafen ist, zusammenzuckt und protestierend ihr zartes Stimmchen erhebt.
»Mann!« Paul legt die Hand an die Wippe, beginnt zu schaukeln und gibt beruhigende Laute von sich.
»Ich stelle mich freiwillig zur Verfügung«, raunt Jacob mir zu und erntet erneut böse Blicke.
»Wenn sie jetzt wach wird, bist du dran, Kumpel.« Paul hält die Wippe in Bewegung und beißt gleichzeitig in sein Brot. »Übrigens sehr nett, wie du mir in den Rücken fällst. Ich hätte das heute glatt ausnutzen können. Aber was mach ich Idiot? Ich vertröste Louisa, weil ich finde, dass wir dich beim ersten Mal nicht einfach übergehen können.«
»Good Boy.« Jacob legt ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter.
Ich rechne damit, dass Paul sie abschüttelt. Tut er aber nicht. Irgendwas ist anders als sonst mit den beiden Männern. Hmmm …

Zu weiteren Überlegungen komme ich nicht mehr. Sophie wird nämlich vollends wach und lässt sich nicht mehr beruhigen. Mit dem Baby im Arm mache ich mich auf den Weg ins Schlafzimmer.
»Soll ich mitkommen?«, fragt Jacob.
Ich schüttle den Kopf, drehe mich an der Tür aber noch mal um. »Nicht dass ihr euch in die Haare kriegt ohne mich.«
Ihre Antwort ist ein einvernehmliches Grinsen, das mich zum zweiten Mal misstrauisch werden lässt. Irgendwas ist da im Busch.

* * *

»Hast du mit ihr über den Test gesprochen?«, will Jacob wissen, als sie allein sind.
Paul schüttelt den Kopf. »Nachdem wir morgens schon Unstimmigkeiten hatten, wollte ich nicht noch mehr Wasser auf die Mühlen kippen.«
»Hmmm. Wie kam’s denn zu diesem Sinneswandel?«
»Dass sie Sex will?« Er zuckt mit den Schultern. »Wenn ich das wüsste. Es ist nicht mehr passiert als sonst. Nichts, woraus ich darauf hätte schließen können.«
Jacob greift nach der Salatschüssel. »Ich find’s jedenfalls gut. Wenn sie wieder will, bin ich dabei.« Beschwingt schaufelt er seinen Teller voll. »Endlich Schluss mit dem Einhandbetrieb.« Er sieht, dass Paul sich das Grinsen verkneift. »Aber eins ist hoffentlich klar: Nur mit Gummi.«
»Weil? … Ich dachte, du wolltest schnell nachlegen.«
Kauend spießt Jacob Paprika- und Gurkenstückchen auf seine Gabel. »Sicher. Aber nur der legt nach, für den der Test negativ ausfällt.«
»Einer von uns ist also dazu verdammt, ab sofort nur noch mit zu vögeln«, stellt Paul sachlich fest.
»Genau das.«
Fast zeitgleich haben sie aufgehört zu essen und mustern sich gegenseitig.
»Was denkst du, wer?«, will Paul wissen.

Jacob ahnt, was der Freund damit sagen will. Über den möglichen Vater von Finchen haben sie sich bereits in Mutmaßungen verloren. Aber je mehr das Baby zu einem Teil ihres Lebens wird, umso weniger kann er sich vorstellen, dass sie nicht seine Tochter sein soll. Genau betrachtet ähnelt sie Paul. Obwohl ihr Haar bei der Geburt tatsächlich dunkel wirkte. Inzwischen aber ist es deutlich heller. Und die Augen sind blau geblieben. Könnte trotzdem immer noch sein, dass sie einfach nach ihrer Mutter kommt.
Er zieht die Brauen hoch. »Ich schätze, du bist es.«
Paul nickt. »Fürchte ich auch.«
»Fürchten? Sieh es mal so: Wenn dem so ist, wärst du in der glücklichen Lage, deine Gene bereits vererbt zu haben. Während ich mich erst noch darum kümmern muss.«
»Klar. Aber die Aussicht darauf, meinen Schwanz ständig einsperren zu müssen, macht mich jetzt nicht wirklich an.«
»Ich glaube, wir sollten über Verhütung nachdenken.«
»Da bin ich ganz bei dir. Nämlich sehr wahrscheinlich, dass Louisa uns einen Strich durch die Rechnung macht, wenn sie vorläufig kein zweites Kind will.«
»Vorschläge?«

Während sie ihr Abendessen fortsetzen, sinnieren sie gemeinsam über die Vor- und Nachteile der Temperaturmethode, die ihnen neben dem Kondom als Einzige sicher genug erscheint. Irgendwann steht Jacob auf, um nach Louisa und dem Baby zu schauen. Wie vermutet, schlafen die beiden.
»Sag mal, was war das heute mit euch?«, will er wissen, als er wieder bei Paul sitzt. »Wir reden doch hier nicht umsonst über Verhütung, Mann.«
Pauls Gesicht verfinstert sich. Er presst die Lippen aufeinander und schenkt Jacob einen nachdenklichen Blick. Verheimlichen sie ihm etwas?
Jacob stützt die Ellbogen auf die Knie und beugt sich vor. »Na los. Lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen.« Ohne seinen Freund aus den Augen zu lassen, nippt er an seinem Tee, der inzwischen nur noch lauwarm ist.
Irgendwie benimmt sich Paul merkwürdig. Das letzte Mal, dass er ihn so erlebt hat, ist Ewigkeiten her. Hatte mit Clara zu tun. Mit dieser Scheißaktion von Matt. Gottseidank haben die beiden das miteinander geklärt. Aber dieser seltsame Zug in Pauls Gesicht gefällt ihm immer weniger …
»Ich glaub, ich hab ein Problem, Alter«, presst der Freund schließlich zwischen den Zähnen hervor …

aus: DIE SCHNEEMÄNNER – Teil 10 BABYBLUES

Ich schätze, dass ist mal wieder ein Cliffhanger ganz nach eurem Geschmack ;-) Aber seid gewiss, ihr erfahrt, was Paul so belastet. Am 31. Oktober geht die komplette neue Staffel der SCHNEEMÄNNER ins Rennen und ist zum Start kurzzeitig für einen unschlagbaren Fan-Preis auf amazon zu haben ;-)

Vorab kriegt ihr natürlich noch das Cover zu sehen. Und es gibt eine überraschende Info, die euch freuen wird. Also haltet die Augen offen!!!

 

Die Schneemänner – das dritte Kapitel

Inzwischen seid ihr als Vorableser schon beim 3. Kapitel der neuen Staffel angelangt. Wer jetzt erst beginnt mitzulesen, schaut sich am besten zunächst Kapitel 1 und Kapitel 2 an. Aber für alle gilt gleichermaßen: Viel Spaß mit Paul, Jacob und Louisa :-)

„Die Schneemänner“ – Teil 10, Kapitel 3

»Sei ein bisschen nachsichtig mit ihr«, schlägt Jacob vor, als wir zwei Stunden später endlich beim Essen im veganischen Thai-Restaurant sitzen, das es neuerdings in unserer Nachbarschaft gibt.
Noch bevor er ausgesprochen hat, schüttle ich den Kopf. »Schaff ich nicht. Jedenfalls nicht im Moment.«
»Dabei wart ihr doch schon auf einem guten Weg zueinander«, meint nun auch Paul.
Warum er darauf anspielt, dass sich meine Mutter noch vor Sophies Geburt Mühe gegeben hat, unsere monatelangen Diskrepanzen endlich beizulegen? Obwohl er doch die Ursache dafür kennt, nämlich unsere Beziehung zu dritt? Keine Ahnung. Vielleicht gehört das zu seinem Verständnis von Familie. Manchmal allerdings glaube ich, er weiß einfach nicht, wie er damit anders umgehen soll, als Milde walten zu lassen.
Würde ein Mann wie er natürlich nie zugeben. Von seiner Souveränität macht er auch in Gegenwart meiner Mutter keinerlei Abstriche. Heimlich jedoch scheint er sich schon zu wünschen, dass ich mich mit ihr vertrage. Selbst auf die Gefahr hin, dass er und Jacob den Kürzeren dabei ziehen.
Kann er vergessen. Vielleicht bin ich weder eine Supermami noch eine Vorzeigetochter und erst recht nicht die perfekte Hausfrau. Aber fehlende Loyalität möchte ich mir niemals ankreiden müssen. Auf meine Männer lass ich nichts kommen.

Ich lege die Karte auf den Tisch zurück, gucke Paul an und danach Jacob. »Wenn meine Mutter das mit der Toleranz endlich hinkriegt, bin ich die Letzte, die sich nicht bekehren lässt.«
»Sie meint es nur gut, ganz sicher«, murmelt Paul vor sich hin.
»Aber du kriegst schon mit, dass sie ständig was zu meckern hat?« Also bitte! Er soll sie nicht ständig in Schutz nehmen, verdammt noch mal!
»Sie hat sich eben etwas anderes für dich vorgestellt«, gibt er zurück. Dann lässt auch er die Karte sinken. »Ich kann sie durchaus verstehen.«
Sein Blick ist eine Mischung aus Wehmut und Mitleid. Oh, oh, ich ahne, dass dieses Familiending in seinem Kopf viel präsenter ist, als ich mir das bisher eingestanden habe.
»Du bist das einzige Kind. Hat sie dich nicht sogar mal als solide bezeichnet?«
Ich nicke und bin gespannt, wo unser Gespräch hinführt.
»Siehst du. Was immer sie darunter versteht. Jedenfalls drehst du dich plötzlich um hundertachtzig Grad und machst das ganze Gegenteil von dem, was sie solide findet. Statt mit einem Mann kommst du mit zweien an. Und schließlich mit einem Kind, dessen Vater sich als nicht eindeutig feststellbar erweist. Was soll sie davon halten? Sie kann es weder verstehen noch akzeptieren. Wie die meisten Leute. Wir«, dabei deutet er auf Jacob und mich, »denken immer, Poly sei normal. Aber schau dich doch um. Es mag normal sein. Öffentlich dazu bekennen will sich aber niemand.«

Nachdenklich lasse ich meinen Blick durchs Restaurant gleiten. Die schrillen Farben, die vielen Dekoelemente und die enge Bestuhlung ergeben zwar ein aufregendes Bild. Und ich bin mir sicher, dass Finchen, wäre sie wach, unter der Flut der Eindrücke außer sich geraten würde. Doch ich nehme auch die Menschen an den Tischen wahr. Familien und Paare. Manchmal eine Gruppe Freundinnen, die sich zum Essen getroffen hat. Eine Dreierkonstellation wie unsere sehe ich nirgends. Natürlich ist das hier auch nicht repräsentativ. Aber soll ich Paul jetzt allen Ernstes mit diesem Argument kommen?
Unsere Gemeinschaft hat uns zu aufmerksamen Beobachtern gemacht. Wir fragen uns immer häufiger, wer außer uns wohl eine Beziehung zu dritt führt. Wir kennen niemanden. Nicht mal aus dem Club. Na gut, Leute, die im realen Leben eine normale Partnerschaft führen und im Club einfach nur ihrem Fetish frönen, gibt es zur Genüge. Aber ob das deswegen gleich eine Polybeziehung ist, wage ich zu bezweifeln. Viele tun es heimlich. Und heimlich hat mit Poly nun mal nichts zu tun.

Oh verdammt. Ich merke gerade, ich mag diese Bezeichnung nicht so wirklich. Ich hab zu oft erlebt, dass es manchen Leuten unter dem Deckmantel von Polyamorie nur um die Vielzahl möglicher Sexpartner geht. Also A mit B und C. Aber eben auch B mit C. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass B mit D, E und F eine Beziehung hat. Und C mit E und G. Am Ende findet dann A vielleicht noch F und G gut. Himmel – wie soll da einer durchschauen? Vor allem, ist das der wahren Liebe überhaupt noch zuträglich?
Ich glaub, ich muss echt aufpassen, dass ich nicht in ähnlichen Kategorien zu denken beginne wie meine Mutter. Toleranz bedeutet letztlich, das Leben des anderen ohne Naserümpfen zu akzeptieren. Aber manchmal, ganz manchmal fällt mir das unsagbar schwer.

»Habt ihr euch entschieden?«, will Paul wissen.
Ich zucke mit den Schultern. Mit veganem Essen kenne ich mich nicht aus. Ich weiß nicht mal, ob es überhaupt gut ist für mich. Aber hätte Paul dann dieses Lokal gewählt?
»Entscheide du«, schlage ich vor.
Er nickt zustimmend und notiert daraufhin eine lange Zahlenreihe auf unseren Bestellzettel.
Zwanzig Minuten später serviert die Bedienung ein Tablett mit einer fast unüberschaubaren Menge von Schälchen. Deren Inhalt erinnert mich an das vietnamesische Essen, das ich aus meinem früheren Kiez gewohnt bin. Nur dass ich mich Tofu und Fleischersatz bisher immer verweigert habe. Ich mag Steaks, Hühnchen und Fisch. Aber ich mag auch Experimente.
Todesmutig greife ich nach den bunten Essstäbchen, lasse meinen Blick über die Auswahl schweifen und stopfe mir dann erst mal blitzschnell eine Portion Reis in den Mund. Die Männer lachen.
»Was ist eigentlich mit dem Termin in deiner Praxis?«, richte ich mich an Jacob und kriege damit hoffentlich die Kurve zu einem unverfänglichen Thema. Wobei … So unverfänglich ist selbst das gerade nicht.
Jacob nickt. Er hat sich eine panierte Rolle einverleibt und kaut mit vollen Backen. »Die Mädels warten schon«, nuschelt er, als er wieder halbwegs sprechen kann.

Hab ich mir gedacht. Ich erinnere mich noch ziemlich gut an meinen ersten Besuch in seiner Praxis und daran, dass mich seine blonde Assistentin Vanessa und eine Dunkelhaarige, deren Namen ich vergessen habe, musterten, als würde ich ihnen was wegnehmen wollen. Ich war schon damals davon überzeugt, dass Jacob jede von denen sofort haben könnte. Wenn er denn nur gewollt hätte. Aber er entschied sich für mich. Inzwischen haben sich seine Leute wohl damit arrangiert, dass er vergeben ist. Spätestens seit der Geburt von Finchen. Und nun wollen sie natürlich wissen, wie es aussieht, das süße Baby ihres Chefs.
»Haltet ihr das für eine gute Idee?«, mischt sich Paul ein. »Ich denke, euch überrollt gerade die Grippewelle.«
Mein Kopf ruckt zu Jacob herum. »Oh Gott! Nicht, dass wir uns was wegholen!« Finchen krank? Ein Alptraum!
Enttäuscht verzieht Jacob den Mund.
»Nicht traurig sein.« Ich setze eine mitleidige Miene auf und schicke ihm einen Luftkuss quer über den Tisch. »Dann eben nächste Woche oder in der übernächsten.«

Im Stillen atme ich auf. Warum? Weil mich derzeit jeder Termin außer der Reihe belastet. Ich muss mir vorher genau überlegen, was ich alles brauche und für den Fall der Fälle dabei haben sollte. Und dieses Koordinieren fällt mir immer noch schwer. Normalerweise greift mir Paul unter die Arme. Aber wenn ich mit dem Baby zu Jacob in die Praxis fahre, dann natürlich ohne ihn. Niemand weiß, dass Finchen zwei Väter hat. Wir sind noch nicht soweit, uns zu outen. Vor allem nicht im beruflichen Umfeld der Männer. Wenn es erst ihre Mitarbeiter wissen, landet die Info garantiert auch bei den Patienten. Könnte problematisch werden. Ich seufze. Wieder ein vielsagendes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, sich öffentlich zu Poly zu bekennen. Paul hat leider recht mit seiner Einschätzung.
Eine halbe Stunde später, die Bedienung ist gerade dabei, unseren Tisch abzuräumen wird Finchen unruhig. Trotzdem sind wir ziemlich stolz auf uns. Der erste Restaurantbesuch zu viert. Ohne Babygeschrei, ohne Hektik, ohne die Frage, wie um Gottes Willen wir das Kind schnell wieder ruhig kriegen. Feuertaufe bestanden, würd ich denken. Lässt hoffen, dass eine unserer liebsten Aktivitäten, das gemeinsame Essengehen, wieder zur Regel wird. Dennoch brechen wir zügig auf. Stillen will ich lieber zu Hause.

* * *

Am Abend ziehe ich mich für eine Stunde in mein Arbeitszimmer zurück. Das ist seit längerem so abgesprochen. Ich darf das. Dann kümmern sich die Männer um Sophie. Dennoch begleiten mich oft Blicke, die ich mal großzügig in die Kategorie misstrauisch einstufen möchte. Über die Gründe dafür will ich aber gerade lieber nicht nachdenken.
Mein Vorhaben, wieder schreiben zu wollen, ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Wie genau ich das anstelle, weiß ich nämlich nicht. Eigentlich bin ich am Ende des Tages viel zu müde und erschöpft, um überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb besteht meine Arbeit derzeit ausschließlich darin, Tagebuch zu führen. Aber dieses Tagebuch hat’s in sich. Und in dem Zusammenhang könnte ich das Misstrauen von Paul und Jacob sogar verstehen. Wenn sie es denn ahnen würden.

Das Tagebuch ist ein Geheimnis. Na ja, ein halbes. Aber nur Eric weiß mehr. Was ihn leider nicht davon abhält, mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu verklickern, dass er es nicht gut findet. Oder dass ich wenigstens endlich mit meinen Männern drüber reden soll. Es geht nämlich um etwas sehr Privates. Genauer gesagt, um das Leben, das ich mit ihnen führe.
Als wir uns vor anderthalb Jahren kennenlernten, wollte ich die Geschichte zwischen uns nämlich erst mal nicht so ernst nehmen. Ich empfand es als Affäre, ganz nett. Als eine Sache, die ich immer schon mal ausprobieren wollte. Mehr nicht. Damals entstand auch die Überlegung, es könnte sinnvoll sein aufzuschreiben, wie ich mich damit fühle. Wie es ist, die Geliebte zweier Männer zu sein.

Paul und Jacob hätten mir diese Bezeichnung natürlich nie durchgehen lassen. Für sie war ich keine Geliebte, sondern ihre Gefährtin. Sie betrachteten unsere Beziehung nicht als Affäre, sondern sahen in ihr vom ersten Moment an eine Verbindung, aus der mal etwas Großes werden könnte. Vielleicht sogar Familie. Mit zwei Papas und einer Mama für die hoffentlich zahlreichen Kinder. Jedenfalls wenn es nach ihnen ginge.
Die Idee war so durchgeknallt, ich könnte heute noch immer den Kopf schütteln. Angeblich wegen Zeitmangel. So was kann man doch nicht ernst nehmen, oder?

Doch die Wochen vergingen und meine Einstellung dazu änderte sich. Plötzlich erschien mir dieser Wunsch nach einer Frau für zwei gar nicht mehr so abwegig. Ich hatte mich nämlich verliebt. In beide. Tja, was soll ich sagen? Ein halbes Jahr später dachten wir über eine gemeinsame Wohnung nach. Natürlich auch nur aus Zeitmangel. Und damit es für die gemeinsame Wohnung dann noch einen standesgemäßen Grund gab, setzten Paul und Jacob alles daran, mich zu schwängern. Unser erster gemeinsamer Urlaub wurde zum D-Day, wie sie es nannten.

Und da bin ich nun. Louisa, 35, ein Kind, zwei Papas dafür und vorübergehend ohne Job. Aber wenn ich wieder anfange zu schreiben und meine Geschichten zu entwerfen, wird mir mein Tagebuch gute Dienste leisten. Davon bin ich überzeugt. Nach meinem Doppelherz-Roman, in dem es schon mal um eine Liebe zu dritt ging und der von A bis Z erstunken und erlogen war und lediglich von meinem gesunden Menschenverstand inspiriert, kann ich dieses Mal aus eigener Erfahrung sprechen. Aus den Vollen schöpfen sozusagen. Hat doch gleich eine ganz andere Qualität. Die neue Story wird viel authentischer. Mit allen Hochs und Tiefs, die so eine verrückte Beziehung tatsächlich mit sich bringt. »Doppelherz« war ein Erfolg. Der zweite Roman über dieses Thema wird der Knaller schlechthin.

Warum will Eric das nicht verstehen? Warum meint er, es könnte zu intim sein? Zweifelt er etwa an meinem Sachverstand? Traut er mir nicht zu, dass ich die wahren Ereignisse so verfälsche, dass niemand darauf kommt, dass ich selbst die Protagonistin bin? …

Nächsten Dienstag geht’s weiter mit Kapitel 4. Das ist der 23.10. ;-)

Die Schneemänner – es geht weiter …

Für alle, die Kapitel 1 verpasst haben, hier der Link dorthin. Ansonsten: Habt viel Spaß mit der Fortsetzung :-)

„Die Schneemänner“ – Teil 10, Kapitel 2

Ich bin sofort wach, als ich Finchens Bewegungen neben mir spüre. Sie fuchtelt mit ihren Ärmchen in der Luft herum, strampelt, bewegt den Kopf und stößt ab und zu diese süßen Babylaute aus, in die ich so verliebt bin. Ich halte ihr meinen Zeigefinger hin und beobachte, wie sie für einen Moment in all ihren Bewegungen inne hält. Dann umklammert sie ihn mit den winzigen Händchen, guckt aufmerksam. Garantiert schielt sie dabei wieder ein bisschen. Als ich den Kopf hebe und ihren Blick suche, bilde ich mir ein, sie würde mich anlächeln.
»Guten Morgen, mein Schatz«, flüstere ich begeistert. »Lachst du mit mir? …« Ich kitzle ihren Mundwinkel und da ist es wieder. Eindeutig. Sie lächelt.
Paul behauptet, sie täte es noch nicht bewusst. Sehe ich anders. In fünf Tagen ist sie zwei Monate alt. Ich hab längst kapiert, dass alles, was mir meine Mutter über Babys erzählt hat, Ammenmärchen sind. Okay, nicht grundsätzlich. Aber irgendwie entwickeln sich nicht nur Teenager heute viel schneller als wir damals. Mit Babys muss das ähnlich sein.
Finchen ist ein kluges Kind. Sie reagiert auf das, was in ihrem Umfeld passiert. Sie dreht den Kopf nach uns, lauscht auf unsere Stimmen und sie lacht. Also, sie lacht, wenn wir lachen. Sie spiegelt uns. Das Köpfchen hält sie auch schon allein. Nicht mehr lange und sie fängt an, sich zu drehen. Sag mir noch mal einer, die ersten drei Monate wären die so genannte dumme Phase. Kann ich echt nicht bestätigen.

Ich umfasse das kleine Bündel im Schlafsack und ziehe es näher zu mir. Finchen wird unruhig. Sie weiß, was das bedeutet. Wie der Schnabel bei einem jungen Vogel öffnet sich ihr winziger Mund und beginnt, nach der Brust zu suchen. Gott, ist sie süß!
Hinter mir regt sich Paul. Noch während ich Finchen andocken lasse, schmiegt er sich an mich und umfasst uns beide. Seine Nähe tut gut. Ich mag es, seinen muskulösen Körper an meinem Rücken zu spüren. Als würde er mich beschützen wollen. Aber vor wem? Vor mir selbst vielleicht? … Na, das bringt mich glatt ins Grübeln. Schon wahr, dass ich in der Nähe meines Bad Boys entspannter bin und besser schlafen kann, als wenn ich allein im Bett läge. Er weiß das.
Der Einzige, der jetzt fehlt, ist Jacob. Na, wenigstens kriegt einer genug Schlaf. Er ist ja auch derjenige, der jeden Tag zur Arbeit muss.

Zehn Minuten hält es Paul noch im Bett. Die ganze Zeit über spüre ich nicht nur seine Bauchmuskeln, sondern auch seine Erektion. Kenne ich inzwischen von meinen Männern. Morgens könnte es im Grunde sofort zur Sache gehen. Früher war das auch so. Da haben wir einfach losgelegt, ob nun genug Zeit war oder nicht. Paul hat angeblichen Zeitmangel sowieso gern ausgenutzt. Um seine Dominanz zu demonstrieren. Wenn ich nicht schnell genug war, hatte ich eben Pech. Oder er hat mich einfach nur heiß gemacht und dann hängenlassen. Weil er sich super beherrschen kann. Obwohl, manchmal glaube ich, dass er hinterher beim Duschen noch Hand anlegte. Auch wenn er es regelmäßig abgestritten hat. Ich bin doch nicht blöd.
Na, egal. Jetzt jedenfalls müssen sie das regelmäßig tun, Hand anlegen, mein ich. Ich bin lustlos. So lustlos, wie man nur sein kann. Trotzdem rieselt mir ein sachter Schauer über den Rücken, als Paul mich heute so ausdauernd mit seiner Härte konfrontiert.

Eingedöst bin ich dann trotzdem. So viel also zur Erotik im Hause Friedländer, Scherzer und Bender. Ich bin zum Neutrum mutiert. Kein Wunder, dass sich meine beiden Liebhaber morgens regelmäßig aus dem Zimmer schleichen. Die Stille und Beschaulichkeit, mit der wir Mädels den Tag beginnen, sind zum Gähnen langweilig. Oft schlaf ich auch noch mal ein, wenn die Kleine trinkt.
Hört sich jetzt vielleicht super entspannt an. Aber am Anfang war das schwer zu ertragen. Ich hatte das ständige Gefühl, einen Rhythmus finden zu müssen. Man kann doch nicht stundenlang im Bett herumlungern, wenn jede Menge Dinge zu erledigen sind. Wenn draußen die Sonne scheint. Und wenn der normale Mensch, der ich vor nicht allzu langer Zeit mal war, längst seine Arbeit begonnen hat. Aber die Männer wollen, dass ich mich ausruhe. Sie meinen, ich soll den Ball flach halten. Sie bestehen darauf, dass ich mich nur um das Baby und mich selbst kümmere. Nicht mal an der Hausarbeit darf ich mich richtig beteiligen. Das müsste ich noch früh genug, sagt Paul immer. Er hat ja recht. Mir graut davor.
Wenn auch seine Vaterzeit vorüber ist, steh ich mit all den Dingen allein da. Waschen, putzen, Essen kochen. Und natürlich einkaufen. Im Moment fahren wir vormittags gemeinsam in den Supermarkt. Ich genieße es, neben ihm her zu schlendern und mich eigentlich nicht verantwortlich zu fühlen. Denn Paul kocht. Er entscheidet, was im Einkaufswagen landet. Wie ich das später allein auf die Reihe kriegen soll, ist mir noch ein einziges Rätsel. Aber andere Mütter schaffen das schließlich auch. Also tschakka, denke ich.

* * *

»Wir brauchen eine Haushaltshilfe«, meint Jacob beim Frühstück.
Und nein, ich hab vorhin nicht laut gedacht …
Wir sitzen zu dritt am großen Esstisch. Eine Armlänge entfernt von Butterdose und Honigglas thront Finchen in ihrer Babywippe und beobachtet, was um sie herum passiert. Sie hat die Poleposition inne. Wie jedes Wochenende. Und es scheint ihr ausgesprochen gut zu gefallen. Manchmal strampelt sie so heftig mit Armen und Beinen, dass man das Gefühl haben könnte, sie wolle sich in unser Gespräch einmischen. Aber vielleicht will sie auch nur ihre Wippe zum Schaukeln bringen. Wer weiß schon, was in so einem Winzling vorgeht. Dann wieder fixiert sie uns sekundenlang, um im nächsten Moment einen ganzen Schwall dieser undefinierbaren süßen Babylaute auszustoßen. Schon ’ne Marke, das Finchen. Wird bestimmt mal so ein Plappermaul wie ihre Mama.
»Wie stellst du dir das vor?«, frage ich kauend. »Fremde in unseren heiligen Hallen? Dann sind wir ja nie mehr allein.«
»Ach komm. Dass es auf Dauer ganz schön viel wird, zweihundert Quadratmeter allein in Schuss zu halten, wussten wir schon letztes Jahr«, wirft Paul ein.
Er hat recht. Sieben Zimmer und zwei Bäder, da kann man vorn wieder anfangen, wenn man hinten fertig ist.
»Und woher kriegen wir eine vertrauenswürdige Putzfrau? Ich kenne niemanden, den ich fragen könnte.«
Stimmt nicht ganz. Meine Mutter wiederholt in schöner Regelmäßigkeit ihr Angebot, mir ihre zu schicken. Aber um nichts in der Welt will ich Magda. Obwohl ich sie total nett finde. Und obwohl sie ihre Arbeit sicher gut macht – immerhin stellt sie meine Mutter zufrieden. Das will was heißen. Aber ich hätte ständig das Gefühl, sie schnüffele hier herum, um am Ende alles, was geschieht, brühwarm weiterzutragen. Der Supergau, kann ich nur sagen und denke daran, dass sich speziell meine Mutter immer noch nicht mit unserer Beziehungskonstellation abgefunden hat. Außerdem ist sie geschickt darin, andere auszufragen.
»Vielleicht sollten wir erst mal überlegen, wofür wir sie brauchen«, schlägt Jacob vor. Dann hebt er seine Tasse. »Noch jemand?«
Ich halte ihm meine hin. Doch Paul schüttelt den Kopf und zeigt auf die Teekanne, die schon bereit steht. Ich kriege also eine neue Tasse, und Jacob schenkt mir frisch gebrühten Kräutertee ein, während der Automat für ihn selbst einen herrlich duftenden doppelten Espresso zubereitet. Hab ich eigentlich schon gesagt, dass ich Stillen gerade hasse?
»Einkaufen und kochen muss sie nicht«, meint Paul. »Aber die Bäder und die Zimmer kann sie übernehmen. Meinetwegen auch die Wäsche.«
Ich widerspreche, weil ich glaube, dass Paul, wenn er wieder arbeitet, weder täglich zum Supermarkt noch zum Kochen kommt. Aber waschen wäre in jedem Fall gut. Wir haben uns gegen Pampers entschieden. Finchen trägt ganz altmodisch echte Windeln. Das heißt, allein davon fällt pro Tag ein ganzer Haufen an.
Ehe wir uns versehen, sind wir mitten drin in einer Grundsatzdiskussion.
Glücklicherweise macht sich bei unserer Prinzessin kurz darauf auch der Hunger bemerkbar. Irgendwie bin ich froh darüber und verziehe mich zum Stillen wieder ins Schlafzimmer.
Tja, das sind derzeit meine Wege. Vom Schlafzimmer ins Bad, vom Bad in die Küche und wieder zurück ins Schlafzimmer. Okay, irgendwann zwischendurch sitz ich auf unserer Terrasse. Und meistens kommt ein Spaziergang dazu. Die Männer wollen, dass Finchen und ich regelmäßig frische Luft tanken. Aber viel mehr ist nicht drin.
Wird sich hoffentlich bald ändern. Gefühlt tue ich in letzter Zeit wirklich nichts anderes, als das Baby zufrieden zu stellen. Ich hab schon vor der Geburt gelesen, dass die Kleinen mindestens achtmal am Tag trinken sollen. Meine Mutter hat zwar vehement dagegen plädiert, als ich mein neu erworbenes Wissen heraus posaunte. Aber ihre Schwangerschaft liegt erstens Ewigkeiten zurück. Und zweitens herrschten damals noch ganz andere Ansichten, was Kindererziehung betraf. Ich bin im Osten groß geworden. Muss ich nichts weiter erklären, oder?
Jedenfalls, nach meiner Rechnung ergeben acht Mahlzeiten einen Rhythmus von drei Stunden. Finchen hält leider nur zwei durch bis zur nächsten und diese Tatsache versetzt mich unweigerlich in den Status einer Milchkuh.
Zieht mich an manchen Tagen ganz schön runter, diese Erkenntnis. Dann könnte ich stundenlang heulen und mich vor der ganzen Welt verstecken. Wenn Paul und Jacob nicht wären mit ihrer Engelsgeduld, Finchen hätte es nicht leicht mit mir.

Als sie eine halbe Stunde später satt ist und fast eingeschlafen, kuscheln wir uns wieder in die Kissen. Auch so eine Sache, über die wir ewig diskutiert haben. Darf das Baby mit in unser Bett? Viele Ratgeber sagen ’nein‘. Mein Bauch hat sich für ‚ja‘ entschieden. Die beiden Papas musste ich nicht lange überreden. Die fanden den neuen Untermieter im Schlafzimmer eigentlich nur gewöhnungsbedürftig, meine Argumentation aber absolut nachvollziehbar. So schläft Finchen zwar tagsüber in ihrer Wiege. Aber sobald sich einer von uns mit hinlegt, wechselt sie ins große Bett. Wir lieben es alle drei, ihr beim Einschlafen zuzusehen, uns davon anstecken zu lassen und schließlich selbst wegzudämmern.

Ich glaube, diese intensive Nähe tut ihr gut. Ganz grundsätzlich. Ob sie nun schläft oder wach ist. Deshalb tragen die Männer sie auch ständig mit sich herum. Mal mit, mal ohne Tuch. Sie sagen immer, es sei eine Art Ausgleich für die Zeit, die sie ausschließlich mit mir verbringt. Damit sie zu ihnen eine ähnliche Beziehung aufbauen kann wie zu mir. Über diese Hoffnung könnte ich, wenn ich wollte, milde lächeln. Eine stillende Mutter ist für so ein Neugeborenes nun mal der wichtigste Mensch auf Erden. Aber wer sagt mir, dass der Vater nicht genauso wichtig ist? Wäre doch ganz schön anmaßend, wenn ich die Vater-Kind-Beziehung kleinreden würde.
Vater-Kind-Beziehung. Ich verziehe den Mund. Unser größtes Problem. Monatelang waren wir uns einig darin, vorläufig keinen Vaterschaftstest zu machen. Aber neuerdings will Jacob doch einen. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll. Vor allem nicht, was ich mache, wenn seine Forderung nachdrücklicher wird. Bisher bin ich jeder längeren Diskussion darüber aus dem Weg gegangen. Aber ich spüre, dass der Moment der Entscheidung näher rückt.

Warum ich Angst davor habe? Weil ich überhaupt nicht einschätzen kann, was passiert, wenn das Ergebnis feststeht. Es ist klar, dass nur einer von beiden Sophies Vater sein kann. Unter uns gesagt, vermute ich, es ist Paul. Aber ebenso klar ist meiner Meinung nach, dass der, der es nicht ist, tief enttäuscht sein wird. Sich vielleicht sogar von uns abwendet. Und genau dieses Szenario macht mir eine Heidenangst.
Ich streichle über Finchens zarte Babywange und summe leise vor mich hin. Sie mag es, wenn wir ihr was vorsingen. Paul kann das besonders gut. Na ja, was so ein richtiger Chorknabe ist … Seit der witzigen Vorstellung beim Weihnachtsbaumschlagen hat er zwar keine öffentlichen Konzerte mehr gegeben, aber das hab ich noch gut in Erinnerung. Meine Stimme dagegen hört sich nicht besonders an. Für den Hausgebrauch, in diesem Falle Schlaflieder, reicht’s natürlich.

Dass einer meiner Männer mich verlassen könnte, ist so ziemlich die gruseligste Vorstellung, die mir derzeit im Kopf herumgeistert. Ich hab mich nicht auf ein Kind eingelassen, damit am Ende unsere Beziehung den Bach runtergeht. Allerdings würde ich mein Baby jetzt auch nicht mehr hergeben. Nur mal so am Rande.
Dass unsere Art zu leben ungewöhnlich ist, keine Frage. Weder meine Eltern noch die von Jacob haben sich wirklich daran gewöhnt, dass die Sache zwischen uns ernst ist. Die Kollegen meiner Männer wissen nichts davon. Geschweige denn ihre Mitarbeiter. Nur enge Freunde sind eingeweiht. Alex und Marlena, Jon und Theresa und dann natürlich Eric und Matt. Seit Sophie da ist, hab ich noch mehr Hemmungen, uns zu outen. Dass sich eine Frau auf zwei Männer einlässt, ist selten genug. Dass die sich dann aber zu dritt auch ein Kind anschaffen … Gott, ich höre sie schon reden, all die Leute, die sich für sooo tolerant halten, aber den Schwanz einkneifen, wenn sie Farbe bekennen sollen.
Glücklicherweise gibt es neben meinen Eltern niemanden, den ich einweihen müsste. Na ja, meine Freundin Bea weiß Bescheid. Aber die hat sowieso wie immer mit sich selbst genug zu tun. Sonst ist da keiner weiter. Als Autorin lebt man recht zurückgezogen.

Vor Paul und Jacob hab ich kaum was anderes getan als gearbeitet. Erst jetzt begreife ich das so richtig. Und ganz ehrlich? Ich will sie zurück, meine Arbeit. Sie fehlt mir. Sehr sogar. So sehr, dass ich manchmal wach liege und darüber grüble, wie es weitergehen soll. Ob ich nun ewig eine Mutter bleibe und für nichts anderes mehr Zeit finde. Oder ob ich mich nur ein wenig gedulden muss, bis sich unser Familienleben eingepegelt hat. Und zwar so, dass jeder zu seinem Recht kommt.
Ich kann nicht mal mehr behaupten, meine Bücher liefen gut. Im November hab ich das letzte rausgebracht. Aber ohne Nachschlag sind die Verkaufszahlen über den Winter immer weiter zurückgegangen. Seitdem ich entbunden habe, erst recht. Ich komme ja nicht mal mehr dazu, irgendwelche Aktionen oder überhaupt Marketing zu machen. Wenn ich die Backlist nicht hätte, sähe ich ganz schön alt aus. Aber ehe die Honorare ganz ausbleiben, muss ich dringend etwas tun. Wenigstens auf meinem Blog.
Der war übrigens eine ziemliche Schnapsidee. Ich hätte wissen müssen, dass mir die Ausdauer für ein gänzlich neues Thema fehlt. Insbesondere dann, wenn ich mich selbst erst mal mit einer für mich ungewohnten Situation arrangieren muss. Aber so sind wir Zwillinge. Den Kopf ständig voller Ideen, die in die Welt wollen. Am liebsten sofort.
Ich hab Paul gestanden, dass ich wieder schreiben will. Richtig schreiben. Meine Romane. Wie früher. Er hat mich komisch angeschaut. Kann mir schon vorstellen, was er dachte. ‚Soll sie mal erst alles andere wieder auf die Reihe kriegen‘ oder so ähnlich.
Ich könnte verstehen, wenn er so denkt. Ich nehme mir immer vor, dieses oder jenes zu schaffen. Den bewussten Blog beispielsweise. Und am Ende bleibt das meiste liegen. Das entgeht den Männern natürlich nicht. Sie würden es mich allerdings nie spüren lassen oder mir gar Faulheit vorwerfen. Noch nicht.
Aber mal ehrlich: Wie kann das sein? Wie kann meine gesamte Energie für so einen Winzling wie Finchen drauf gehen? Tauge ich wirklich nur noch als Milchkuh?

Shit. Ich könnte schon wieder heulen.
Tapfer schlucke ich die Tränen hinunter, betrachte mein selig schlummerndes Baby und lausche auf die Geräusche in der Wohnung. Irgendwie hab ich das Gefühl, es hätte gerade geklingelt. Oder hab ich neuerdings auch Halluzinationen?

* * *

Ich halluziniere nicht. Gefühlt vergehen fünf Minuten, in denen ich ein wenig vor mich hin dämmere. Dann spüre ich, wie mir Jacob übers Haar streicht und mich küsst. Sein Bart kratzt.
Eigentlich tendiert Jacob, anders als Paul, zum Vollbart. Er hat sehr dunkles Haar und legt großen Wert auf ein elegantes Erscheinungsbild. Der Bart steht ihm. Er lässt ihn entschlossen wirken und ein klein wenig düster. Aber genau auf diese Aura fliegen die Frauen. Mich einbegriffen.
Ich fasse nach seiner Hand und presse wortlos mein Gesicht hinein. Mir läuft das Herz über. Ich hab ihn so lieb. Ich will es ihn spüren lassen. Ich …
»Deine Eltern sind da«, flüstert er.
»Was?« Im nächsten Moment bin ich hellwach.
Er nickt nur und deutet nach draußen. Tatsächlich. Jetzt höre ich es auch. Die Stimme meiner Mutter.
»Was passiert?«, will ich wissen.
Jacobs Gesicht verzieht sich zu einem Lächeln, während er beruhigend den Kopf schüttelt und dabei die Lider kurz schließt.
Ich stütze mich hoch und schaue auf unser Baby. Dann betaste ich meine Frisur. Also das, was bei mir derzeit als Frisur durchgeht. Gott ja, mein Styling ist eine Zumutung für Außenstehende. Meine Mutter wird mich mustern, als würde ich ihr Auge beleidigen. Und sich sehr schnell bemüßigt fühlen zu betonen, dass sie schließlich auch mal ein Kind geboren und großgezogen hat. Dass es natürlich eine Umstellung wäre, aber nun wirklich kein Drama. Vor allem kein Grund, sich gehen zu lassen. Lass ich mich gehen?
»Ich komm gleich«, flüstere ich Jacob zu und bedeute ihm, er solle Finchen in die Wiege legen und das Babyphone einschalten. Ich muss erst mal unter die Dusche.

Eine Viertelstunde später betrete ich den Wohnraum, in dem es sich meine Eltern inzwischen gemütlich gemacht haben. Paul steht schon wieder am Herd. Obwohl wir uns für heute vorgenommen hatten, nicht zu kochen und statt dessen endlich mal essen zu gehen. Und Jacob lässt die neuesten Fotos und Videos von Finchen über unseren großen Flatscreen laufen. Das Entzücken meiner Mutter ist unüberhörbar.
»Och, ich dachte, du bringst die Lütte mit«, ruft sie enttäuscht, als sie mich bemerkt.
»Sie schläft«, gebe ich zurück.
Dann beuge ich mich zu ihr, um erst sie und dann meinen Vater mit einem Kuss zu begrüßen.
Richtig freuen kann ich mich heute nicht. Ich weiß, dass die beiden zu Überraschungen neigen. Deshalb hab ich sie schon mehrmals darum gebeten, Besuche anzukündigen. Sonst sind sie schließlich auch in der Lage, ihr Telefon zu benutzen. Warum dann immer dieses überfallartige Auftauchen? Gerade jetzt, wo die entspannten Stunden mit meinen Männern so kostbar geworden sind, wären mir solche Absprachen wichtig. Doch meine Mutter scheint das nicht die Bohne zu interessieren. Sie ist der treibende Keil bei so ‚was. Ich kann mir vorstellen, wie es abläuft, wenn ihr plötzlich einfällt, sie könnte doch ihre Tochter mal wieder besuchen. Mein Vater ist da deutlich zurückhaltender. Hat mehr Feingefühl. Was für meine Mutter nach wie vor ein Fremdwort zu sein scheint.

»Siehst schlecht aus«, schiebt sie auch gleich die nächste wenig schmeichelhafte Bemerkung hinterher.
Ich zucke mit den Schultern und lasse mich demonstrativ nachlässig in einen Sessel fallen. »Ist so, wenn man keine Nacht durchschläft.«
»Stillst du immer noch nach Bedarf?«
»Ja.«
Meine Mutter schüttelt den Kopf. »Versteh ich nicht. Wir haben unsere Kinder doch auch groß gekriegt, ohne bei jedem Quengeln gleich aufzuspringen.«
»Andere Zeiten, Mama. Kannst du gar nicht mehr vergleichen.«
»Ein Kind ist ein Kind. Ob vor dreißig Jahren oder heute. Ihr Mütter seid es, die das kompliziert machen. Uns wäre gar nicht in den Sinn gekommen, alles bis ins Letzte zu hinterfragen. Wir haben einfach losgelegt und es hat funktioniert. Ein wenig mehr Intuition täte euch gut … Oh, guck mal.« Sie rammt meinem Vater ihren Ellbogen in die Seite. »Das sieht wirklich süß aus!«
Auf dem Bildschirm ist Sophie zu sehen, wie sie in ihrer Babywippe liegt und nach dem Mobile über ihr die Ärmchen ausstreckt. Scheinbar gezielt. In Wahrheit natürlich der pure Zufall. Da war sie echt noch sehr klein.
»Wart ihr gerade in der Gegend?«, versuche ich, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Ich merke nämlich, dass meine Toleranzgrenze gerade wieder im Sinken begriffen ist.
Paul stellt mir ein großes Glas Wasser hin und eine Schale mit meiner Lieblingsschokolade dazu. Ich recke mich. Meine Lippen treffen auf das Grübchen in seinem Kinn. Lächelnd streicht er mir mit dem Finger über die Wange. Wetten, dass meine Mutter sich innerlich windet?
Sie kann es bis heute nicht ertragen, wenn einer meiner Männer zärtlich zu mir ist. Als ich mich ihr wieder zuwende, sehe ich in ihren Augen meine Vermutung bestätigt. Komisch, oder? Ist da vielleicht so was wie Eifersucht im Spiel? Ist meine Mutter auf mich eifersüchtig? Auf das Glück, das ich empfinde und das sie selbst vermisst? Aber warum?

»Wart ihr?«, wiederhole ich meine Eingangsfrage.
Sie räuspert sich und nickt. »Zufällig. Eigentlich wollten wir eine Runde durch den Tiergarten laufen. Und dann dachten wir, du hättest ja vielleicht Lust, uns zu begleiten?«
Von wegen zufällig. Das ist wieder typisch. Erst eine Lüge vorschieben, dann um Goodwill betteln. Ich schüttle den Kopf.
»Wir haben nachher noch was vor. Tut mir leid.«
»Nicht mal ein halbes Stündchen?«
»Dafür lohnt es nicht, Sophie fertigzumachen. Außerdem reiße ich sie jetzt ungern aus dem Schlaf. Ein andermal, ja?«
Ich nehme einen langen Zug aus meinem Glas und schiebe mir sofort ein großes Stück Schokolade in den Mund. Nervennahrung. Wie gut, dass Paul ein perfekter Gedankenleser ist.
»Wenn du mir vorher Bescheid gibst, kann ich das viel besser einplanen«, nuschele ich meiner Mutter zu.
Paul macht sich am Ofen zu schaffen und serviert kurz darauf die noch heißen Blätterteigpasteten. Er hat sie mit Frischkäse und Gemüse gefüllt.
Prinzipiell hält er Blätterteig für wenig nahrhaft. Aber unerwarteter Besuch darf sich dann schon mal über seine phantasievollen Kreationen freuen. Weil er die Pastetchen in kürzester Zeit und ohne großen Aufwand fertig hat.
Während ich die Schokolade in mich hinein stopfe und die Fotos über den Flatscreen flimmern sehe, suche ich krampfhaft nach einem neuen Gesprächsthema. Ich hab Angst, die nächste Frage meiner Mutter könnte dem Vaterschaftstest gelten. Interessiert sie brennend. Hoffentlich verkneift sie sich eine neuerliche Diskussion in Gegenwart der Männer.

Doch meine Furcht erweist sich als unbegründet. Nachdem sie sich erst geziert hat und so was sagte wie ‚Das wär‘ doch aber nicht nötig gewesen‘, hat sie nun bereits die zweite Teigtasche in der Hand und lobt Pauls Kochkünste über den grünen Klee. Wir haben ein neues Thema.
Dummerweise keines, bei dem ich mitreden könnte. Was mir meine Mutter natürlich dann auch deutlich unter die Nase reiben muss. Sie ist zwar nicht der Meinung, dass eine Frau an den Herd gehört. Aber schon, dass sie kochen können muss. Kochen, putzen, Knöpfe annähen – was eben so anfällt. Und ich hasse Hausarbeit!

Die nächste Portion SCHNEEMÄNNER wartet kommenden Donnerstag (18.10.) auf euch ;-)

 

Die Schneemänner sind zurück …

 

Worauf viele Leser gehofft haben, steht seit dem Sommer fest: Ende Oktober erscheint die nunmehr 4. Staffel des Romans „Die Schneemänner“.

In einer Umfrage wollte ich wissen, ob ihr denn auch Lust darauf habt, die ersten Kapitel vorab zu lesen. Eine überwältigende Mehrheit entschied sich dafür. Freut euch also! Ab heute gibt’s regelmäßig eine Portion „Paul, Jacob und Louisa“ für euch :-)

„DIE SCHNEEMÄNNER“ – Teil 10, Kapitel 1

Die beiden Männer wechseln einen kurzen Blick, während einer von ihnen die weinende Frau in seine Arme zieht.
»Ich schau mal nach Finchen«, sagt der andere und verschwindet nach draußen.
Samstagabend. Drei Tage geht das nun schon so.

Louisas immer wiederkehrende Gefühlsausbrüche zerren an Pauls Nerven. Vom Verstand her weiß er, dass er ihnen nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte. ‚Der Babyblues vergeht so schnell, wie er kommt‘, hat sein Freund Alex prophezeit. Und ein Gynäkologe muss es nun wirklich wissen. Allerdings haben sie früher damit gerechnet. Jetzt, acht Wochen nach der Entbindung, ist Paul verunsichert.
Beruhigend streichelt er Louisas Rücken. Gleichzeitig versucht er zu rekapitulieren, was den Tag über geschehen ist. Hat er etwas übersehen oder falsch eingeschätzt? Spürt sie Schmerzen? Hoffentlich keine Brustentzündung. Im Abstand von zwei Stunden zu stillen – kein Wunder, wenn sie wund wird. Oder hat er sich bei irgendeiner Gelegenheit als Elefant im Porzellanladen erwiesen? Was Blödes gesagt oder getan? Neuerdings ist sie sowieso ziemlich dünnhäutig. Wenn nur Finchen jetzt nicht wach wird. Louisa schläft zu wenig. Sie bräuchte dringend mehr Ruhe.
Paul hat den Gedanken noch gar nicht richtig zu Ende gebracht, da kehrt Jacob mit dem Baby im Arm zurück. Louisa hebt den Kopf. Die Tränen, die gerade versiegen wollen, fließen wieder heftiger.
»Na komm, meine Hübsche.« Er streicht ihr über das brünette Haar, das sie wie häufig in letzter Zeit offen trägt. Es ist lang geworden. »Du legst dich jetzt hin, lässt Finchen ein bisschen trinken und dann schlaft ihr beide. Wir kümmern uns um den Rest.« Ohne eine Antwort abzuwarten, hebt er sie vom Sofa hoch.

Louisa ist längst wieder so zierlich wie vor der Schwangerschaft. Keine zwei Wochen hat es gedauert, da war ihr Bauch wieder flach. Sie isst aber auch zu wenig. Oder es sind die ständigen Unterbrechungen durch Finchen. Sie hat immer dann Hunger, wenn die Großen beim Essen sitzen. So ein Baby kann aber auch wirklich alles durcheinander bringen.
Echte Sorgen aber macht Paul Louisas Antriebslosigkeit. Es gibt Zeiten, da kann sie nicht die kleinste Entscheidung treffen. Gestern beispielsweise ließ sie sich nur mit Mühe dazu bewegen, überhaupt aufzustehen. Wenn sie sich also nicht entscheidet, muss er das für sie tun. Entscheiden, reden, Nähe geben. Fast ein bisschen erschreckend, wie viel Zuwendung sie derzeit braucht. Was soll das nur werden, wenn er auch wieder arbeitet?

Die kleine Prozession erreicht das Schlafzimmer. Während Paul mit Louisa aufs Bett sinkt, ihr in die geeignete Position hilft und weiter beruhigend auf sie einredet, wiegt Jacob Sophie in seinen Armen und murmelt Koseworte.
Sie ist ganz still. Als lausche sie auf die Stimmen ihrer Eltern. Paul weiß, dass Jacob alles im Griff hat. Aber wenn die Kleine nicht in den nächsten fünf Minuten an Mamas Brust darf, wird sie ungemütlich.
Sein Blick geht zum Wickeltisch. Okay, Windeln hat Jacob auch schon gewechselt. Dann wird Finchen mit ziemlicher Sicherheit beim Stillen wieder einschlafen. Wie immer. Es sei denn, sie spürt, dass ihre Mutter gerade wieder vollkommen neben sich steht. Unruhige Mama, unruhiges Kind. Ein elender Kreislauf, dem Paul sich in Momenten wie diesen hilflos ausgeliefert fühlt. Aber er muss Stärke zeigen. Gerade, wenn Louisa die Kraft dafür fehlt.
Er beginnt erneut, ihr gut zuzureden. Wenig später Aufatmen.
Das Baby liegt leise schmatzend an Louisas Brust. Jacob hockt, in diesen Anblick versunken, vor dem Bett. Und Paul rollt sich erleichtert auf den Rücken. Er breitet die Arme weit aus, starrt gegen die Decke. Wie um Himmels Willen machen das andere Eltern? Überstehen die solche Phasen tatsächlich ohne diese ewigen Kämpfe? Wie finden die Zeit füreinander?

Seit zwei Wochen ist er zu Hause und jeden Abend erleichtert, wenn Jacob aus der Praxis kommt. Wie lange vor der Geburt ihrer Tochter besprochen, teilen sie sich die väterliche Elternzeit. Die ersten Wochen hat Jacob übernommen. Jetzt ist er dran. Louisa soll Kraft schöpfen für die Monate, die sie später ohne ihre beiden Männer absolvieren muss. Hoffentlich schafft sie das. Momentan wagt Paul nicht mal eine mittelfristige Prognose.
Dabei wirkte bis vor Kurzem alles normal. Wenn man mal davon absieht, dass sie seit Sophies Geburt alle drei zu wenig Schlaf bekommen. Natürlich bringt ein Baby Unruhe in die Welt der Großen. Doch zwischen dem, was andere Eltern erzählen, und der Realität liegen Welten. Inzwischen haben sie begriffen, dass man all die Ratgeber und selbst ernannten Babyspezialisten komplett vergessen kann. Erst recht die gefühlt tausend Bücher über ‚Babys erstes Jahr‘. Kein Kind ist wie das andere. Ihres beispielsweise schläft viel. Dafür hat es alle zwei Stunden Hunger und muss gestillt werden. Und wo bitte steht das? Natürlich nirgends.
Manchmal wird Louisa gar nicht richtig wach, wenn Paul ihr die Kleine an die Brust legt. Er fragt sich mittlerweile, ob es wirklich eine gute Idee ist, sie zu einer langen Stillphase zu motivieren. Ihre Kräfte sind ja jetzt schon überstrapaziert. Doch was Besseres als Muttermilch gibt es nun mal nicht. Darin sind sie sich alle drei einig. Übersetzt heißt das: Louisa wird dranbleiben. Solange wie möglich. Den Männern bleibt nur übrig, dafür zu sorgen, dass sie sich vernünftig ernährt und sich möglichst wenig Gedanken um andere Dinge macht. Allerdings ist das nur bedingt möglich. Wegen ihrer Arbeit ist sie momentan ziemlich unruhig. Sie will wieder mit dem Schreiben loslegen. Und ist frustriert, weil ihr die ständige Müdigkeit den letzten Nerv raubt.

»Lass uns noch ein Bier trinken«, flüstert Jacob in Pauls Gedanken hinein, während er ihm die Decke wegzieht und sie um Louisa und das Baby drapiert.
Paul stützt sich auf. »Schlafen sie?«
Jacob nickt.
Auf Zehenspitzen schleichen die beiden hinaus.

* * *

In der Küche aktivieren sie das Babyphone und lauschen sekundenlang auf die Geräusche aus Louisas Schlafzimmer. Dann holt Jacob zwei Büchsen Bier aus dem Kühlschrank. Eine davon wirft er Paul zu, der es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat.
»Hoffentlich geht das gut«, meint er, während er sich seufzend auf den Sessel gegenüber fallen lässt.
Paul öffnet die Büchse und beobachtet den daraus aufsteigenden Biernebel. »Meinst du, es ist was anderes als dieser viel beschworene Babyblues?«
»Ich hoffe nicht. Aber es wäre gut, neue Blutwerte zu haben. Nicht, dass wir was übersehen.«
»Schilddrüse?«
Jacob zuckt mit den Schultern. »Kommt nach Geburten zumindest häufiger vor.«
»Jetzt mal nicht den Teufel an die Wand! Ich würde sagen, wir warten noch ein paar Tage. Dann sollte es besser werden.«
»Sprich doch mal mit Alex.«
»Mach ich. Aber der wird dasselbe sagen.«
Wortlos schauen sie einander an und nippen an ihren Dosen.
»Ich will meine Frau zurück«, sagt Jacob schließlich leise, während er zur Tür schielt, als fürchte er, Louisa könne unerwartet auftauchen.
»Hey, Jack, werd nicht sentimental«, gibt Paul ebenso leise zurück.
»Ist doch wahr. Schau dir an, wie erschöpft sie ist. Das soll normal sein?«
»Klar ist es das. Sie hat ein Baby bekommen. Sie darf erschöpft sein. Überleg mal, was da im Körper abgeht. Außerdem schläft sie zu wenig.«
»Meinst du, sie gewöhnt sich dran?«
»An wenig Schlaf?« Paul zuckt mit den Schultern. »Hast du dich dran gewöhnt? … Na, siehst du. Ich mich auch noch nicht. Und ich hab keine Ahnung, woher so eine halbe Portion wie sie überhaupt die Kraft dafür nehmen soll. Aber sie wird. Alle Mütter tun das.«
»Und wenn nicht?«
»Pessimist!«
»Ich mach mir Sorgen.«
»Ich mir auch, Mann. Aber das hilft nichts. Wenn sie unsere Unsicherheit spürt, zieht es sie nur noch mehr runter.« Paul setzt die Büchse an und trinkt sie in einem Zug leer. »Ich hätte Eric fragen sollen, als er hier war. Als Psychologe kennt er sich besser aus. Statt dessen haben wir uns über Mobbing unterhalten.« Ärgerlich über die verpasste Gelegenheit schnalzt er mit der Zunge.
»Ich finde, wir sind selbst Psychologen genug.« Auch Jacob trinkt sein Bier zu Ende. Dann zerdrückt er das dünne Metall. »Was hältst du eigentlich von ihm?«
»Von Eric? Der ist okay.«
»Und dich stört nicht, dass er und Louisa so eng befreundet sind?«
»Nein. Mich nicht.« Paul feixt. »Aber dich. Hast ihn nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen.« Sein Grinsen wird breiter. »Und Finchen vor ihm behütet, als würde er ihr was antun wollen.«
»Ich werde doch meine Tochter nicht einem Wildfremden in die Arme drücken.«
»Na komm. So verkehrt kann er nicht sein, wenn Louisa ihm vertraut.«
»Meinst du, sie hatten was miteinander?«
Paul zuckt mit den Schultern. »Offenbarst du ihr jedes Detail aus der Vergangenheit?«
»Dass ich mit Theresa eine Affäre hatte, hab ich erzählt.«
»Schon okay. Bist eben vorbildlich«, spottet Paul gutmütig. »Apropos Theresa – hast du gehört, wie’s ihr geht?«
»Nee, schon länger nicht. Ehrlich gesagt hab ich auch gerade keinen Kopf dafür.«
»Stress?«

Paul betrachtet den Freund. Seit Finchens Geburt gibt es für Jacob nichts Wichtigeres als die Familie. Wenn er könnte, wär er wohl noch länger zu Hause geblieben als die paar Wochen. Das ist umso erstaunlicher, als dass sie beide echte Workaholics waren, bis sie Louisa trafen. Da kann man mal sehen, was die richtige Frau bewegen kann.
Jacob jedenfalls fährt zu keiner Fortbildung mehr und zu keinem Kongress. Er drückt sich vor allem, was ihn davon abhalten könnte, rechtzeitig daheim zu sein. Sogar ihre Männerabende, bei denen sie sich ganz gern mal bis in die Nacht irgendwo draußen herumgetrieben haben, verbringen sie jetzt im eigenen Wohnzimmer. Immer auf dem Sprung, sollte mit den Mädels irgendwas sein.
Paul macht sich Gedanken darüber. Auch weil er fürchtet, das Ergebnis des Vaterschaftstests könnte dem Freund einen herben Tiefschlag verpassen. Aber machen werden sie ihn. Jacob selbst drängt drauf. Dummerweise kann natürlich nur einer von ihnen der Vater sein. Da ist Stress sozusagen vorprogrammiert.

»Ich hab ’ne Menge aufzuholen«, gesteht Jacob jetzt. »Außerdem fällt ständig jemand aus. Gefühlt ist die halbe Praxis krank.«
Paul nickt. »Machst auch den Eindruck, als wärst du bisschen angeschlagen. Du musst aufpassen, Jack. Nicht, dass sich die Mädels anstecken.«
»Ich pass auf. Aber wenn’s passiert, passiert’s.«
»Ingwer.« Paul greift sich plötzlich an den Kopf, als hätte ihm das längst einfallen müssen. Dann springt er auf, geht in die Küche und füllt den Wasserkocher. »Ich mach dir einen Ingwertee.«
»Pfui Teufel, lass mich mit dem Scheiß in Ruhe!«
»Keine Widerrede. Den trinkst du. Und morgen gibt’s ein Ingwersüppchen.« Er grinst süffisant. »Einer muss schließlich die Kohle nach Hause bringen. Ich werde nicht zulassen, dass du dich drückst.«
Jacob stöhnt scheinbar genervt und gesellt sich zu ihm. Mit vor der Brust verschränkten Armen lehnt er gegen den freistehenden Küchenblock.
»Und du? So ganz ohne Job für Kerle?«
»Lass das nicht Louisa hören!« Paul schlägt ihm lachend gegen die Schulter. Dann wendet er sich wieder seiner Arbeit zu. »Johannes macht das schon.«
»Der Mann ist echt gut. Hoffentlich sind wir mit Anfang sechzig auch noch so cool drauf.«
Während Paul den Ingwer reibt, schmunzelt er vor sich hin. »Wenn wir das hier regelmäßig durchziehen …«
»Kneifen ist nicht, mein Lieber.« Jacks Gesicht verzieht sich zu einem Grinsen. »Mindestens ein zweites Mal.«
»Und Louisa? … Ich muss ständig dran denken, wie sie schon zu Beginn der Wehen gedroht hat ‚Nie wieder vögeln!’« Er wirft Jacob einen nachdenklichen Blick zu. »Neulich klang sie nicht so, als würde sie gleich wieder schwanger werden wollen.«
»Im Moment ändert sie ihre Meinung im Minutentakt. Geb ich erst mal nichts drauf.«
»Ich schon.« Er lässt die Hände sinken. »Sie spricht davon, wieder schreiben zu wollen.«
»Im Ernst?« Jacob runzelt die Stirn. »Wie will sie denn das anstellen?«
»Abends.«
»Wenn sie vor Müdigkeit kaum noch gucken kann?«
Paul zuckt mit den Schultern. »Jedenfalls macht sie sich Hoffnungen.«
»Oh Mann.« Stöhnend dreht sich Jacob um die eigene Achse, stützt sich mit beiden Armen am Küchenblock ab und starrt kopfschüttelnd in den dämmrigen Raum. »Ich würde gerade am liebsten hinschmeißen und sie reißt sich drum.«
»Eben freaky, unser Louischen.«
»Und was, wenn sie kein zweites Kind mehr will?« Jacob fährt herum. »Lass uns den Test machen, Paul. Ich will es endlich wissen!«

Paul mustert seinen besten Freund. Den Mann, mit dem er sich seit anderthalben Jahren eine Frau teilt. Der sich für so eine verrückte Idee ebenso hatte begeistern können wie er selbst. Und zum wiederholten Male wundert er sich über die Entschlossenheit, die sich immer dann in dessen Gesicht abzeichnet, wenn sie auf dieses Thema kommen.
Dabei ahnen sie beide, dass Jacob nicht Finchens Vater ist. Er ist eher der südländische Typ. Keiner von ihnen hat es ausgesprochen. Aber Finchens Gesichtszüge und das stetig heller werdende Haar legen die Vermutung nahe, dass Paul ihr Erzeuger ist. Folglich wäre es logischer, wenn Jacob den Test hinauszögern würde. Aber so ist er. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Der Wahrheitsfanatiker.
Letztes Jahr in Irland hätten sie fast gestritten, weil er darauf bestand, Louisa in den Plan für den D-Day einzuweihen. Nicht, weil er kein Geheimnis für sich behalten kann. Nein. Er hatte einfach ein schlechtes Gewissen wegen der kleinen Schwindelei.
Mit ernster Miene legt Paul seinem Freund jetzt die Hand auf die Schulter. »Wir tun es, wenn Louisa einverstanden ist.«

Aus „Die Schneemänner“, 4. Staffel, demnächst als eBook und TB. Wer die Schneemänner-Reihe noch nicht kennt – hier geht’s zu den Staffeln 1 – 3 auf amazon ;-)

Die Fortsetzung erscheint am Sonntag, 14.10., hier auf dem Blog.

 

Ich saß selbst in der Mobbing-Falle

In den Rezensionen zu meinem neuen Roman „Dark Dancers – Tania“ finden sich Kommentare wie, die Geschichte sei gut recherchiert, nah an der Wirklichkeit und mit außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen geschrieben. Ich freue mich riesig, dass ich meine Leser emotional so berühren kann. Denn die Wahrheit ist: Ich war selbst ein Mobbing-Opfer. Was meine Protagonistin Tania erlebt, habe ich zum Teil am eigenen Leib erfahren.

Das ist jetzt über zehn Jahre her. Trotzdem erinnere ich mich an viele Details so genau, dass ich sie jederzeit wiederaufleben lassen kann. Für meinen Roman habe ich das auch getan. Und es hat mich unruhige Nächte gekostet. Manchmal hatte ich große Zweifel, ob es eine kluge Idee ist, darüber zu schreiben. Die schlimmste Zeit meines Lebens wollte ich wirklich lieber vergessen. Vielleicht aber musste das alles mal raus. Um eine Art Schlusspunkt zu setzen. Im Sinne von »Euch werd‘ ich’s zeigen!« Denn ich hab mich nicht unterkriegen lassen. Ich hatte Glück.

Es liegt mir fern, jetzt klarzustellen, welche Teile der Geschichte der Wahrheit entsprechen und welche fiktiv sind. Oder doch, eines vielleicht: Im Gegensatz zu Tania hatte ich einen sehr verständnisvollen Partner an meiner Seite. So einen Eric-Typen, mit dem ich über alles reden konnte. Der mir Geborgenheit gab. Dem ich blind vertrauen konnte. Wer weiß, ob ich diese Zeit sonst schadlos überstanden hätte.

Aber wie Tania war ich im Zweifel, ob es Sinn macht, wegen Mobbing vor Gericht zu ziehen. Ich war ausgelaugt. Mir fehlte die Kraft dafür. Mir fehlte ein fachlich versierter Anwalt. Und auch sonst war ich nicht im Besitz eines Netzwerkes, das mir an irgendeiner Stelle etwas hätte abnehmen können. Am Ende habe ich keine Therapie gemacht. Ich war nicht monatelang krankgeschrieben. Ich habe einen Haken drunter gesetzt und mich in die Selbstständigkeit gestürzt. Niemals wieder sollte mir jemand sagen dürfen, was ich im Job zu tun und zu lassen habe.

Trotzdem würde ich jedem in einer ähnlichen Situation empfehlen: Hol dir Hilfe!!! Denn der Preis, den man zahlen muss, ist hoch. Den Tinnitus von damals bin ich nie wieder losgeworden. Ich litt lange unter Schlaflosigkeit. Diffuse Ängste machten mir zu schaffen. Erst ein Jahr nach Ende der Attacken fand ich körperlich und mental zu meiner alten Kraft zurück.

Geblieben ist die Hoffnung, den Mobbern nie mehr zu begegnen. Auch wenn es diesen blöden Spruch gibt, man träfe sich immer zweimal im Leben. Wie oft hab ich mir vorgestellt, was ich dann tun oder sagen, wie ich reagieren würde. Das Problem aber ist: So ein Mobbing-Verhältnis hält ein Leben lang. Es löst sich nicht in Luft auf. Der einzige Ausweg besteht darin, auf Distanz zu bleiben. Also egal, was ich tun oder sagen würde, es würde nichts ändern. Das gilt es zu begreifen. Und aus der Situation zu lernen. Stark zu werden.

Passt auf euch auf!

Eure Nora

Hawks Geschichte – Die Autorin im Interview mit Eric

Teamwork. Businessman and businesswoman sitting at table in coffee shop and discuss business plan. On table is laptop, tablet, smartphone, notebook, cup of coffee.Business meeting of partners in cafe.Hin und wieder bitte ich meine Hauptfiguren zum Interview. Ziemlich spannend, was die so über ihre Geschichte verraten ;-) Es ist mal wieder soweit. Und diesmal muss Eric alias Hawk dran glauben. Wobei er sich wie immer ziemlich bedeckt hält. Das schreit also förmlich nach einem weiteren Termin …

Nora Amelie: Ich weiß nicht, ob dir das eigentlich bewusst ist. Aber du bist die derzeit heißeste und gleichzeitig rätselhafteste Romanfigur für meine Leserinnen.
Eric: Tatsächlich.
Nora Amelie: Scheint dich nicht sonderlich zu beeindrucken.
Eric: Sieht das so aus? … Ich grüble nur gerade darüber, warum.
Nora Amelie: Keine Idee?
Eric: Na ja, vielleicht liegt’s am Frühling. Da kommt das Blut in Wallung.
Nora Amelie: (lacht) Spinner.
Eric: Vorsicht, Lady!
Nora Amelie: Hah, da isses!
Eric: Was?
Nora Amelie: Dieser Spruch!
Eric: Der macht euch Frauen an?
Nora Amelie: Nee. Aber die Art, wie du das sagst …
Eric: Ganz normal.
Nora Amelie: Eben nicht. So hast du schon Louisa ständig wuschig gemacht.
Eric: Louisa. (verdreht amüsiert die Augen) Louisa ist speziell.
Nora Amelie: Spezieller als Lily?
Eric: Anders speziell. Lily kenne ich ja kaum.
Nora Amelie: Dabei hat sie dir gerade etwas Wichtiges aus ihrem Leben offenbart.
Eric: Hör bloß auf. Du meinst die letzte Mail, oder? Du bringst mich in Teufels Küche, Nora. Echt jetzt.
Nora Amelie: Mein Job.
Eric: Darüber reden wir noch.
Nora Amelie: (guckt entsetzt, schluckt, errötet) Du bist doch Psychologe. Damit solltest du umgehen können.
Eric: Als ob Psychologen die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten.
Nora Amelie: Nicht?
Eric: Wenn’s um die eigenen Angelegenheiten geht, nicht wirklich.
Nora Amelie: Bedeutet das jetzt, du weißt nicht, wie du mit Lily weitermachen sollst?
Eric: Hättest du wohl gern mal? Einen hilflosen Mann?
Nora Amelie: Ähhh, nein. Und speziell in deinem Fall wäre das sehr fatal.
Eric: Warum?
Nora Amelie: Du bist jemand, der alles weiß und alles kann.
Eric: (guckt verdutzt)
Nora Amelie: Ja. Im Roman DIE SCHNEEMÄNNER kommst du so rüber.
Eric: Was hat dir Louisa über mich erzählt?
Nora Amelie: Louisa schweigt sich aus. Aber, mal so zur Info: Sie mag dich.
Eric: (lächelt versonnen)
Nora Amelie: Also was jetzt?
Eric: Was meinst du?
Nora Amelie: Wie geht’s mit euch beiden weiter, mit dir und Lily?
Eric: Bist ganz schön neugierig.
Nora Amelie: Du, das wollen alle wissen!
Eric: Ich werde den Teufel tun und euch jetzt meine Pläne auf die Nase binden.
Nora Amelie: Binden – gutes Stichwort. Wirst du sie fesseln?
Eric: (grinst und schweigt)
Nora Amelie: Was denn dann?
Eric: Hey, du bist die Autorin. Denk gefälligst nach!
Nora Amelie: (errötet) Was gibt’s denn noch so? …
Eric: Ich kann dir ja ein paar Stichworte liefern, wenn du so ahnungslos bist. (Beugt sich zu Nora rüber an ihr Ohr.) Was ich dir, nebenbei gesagt, nicht abnehme.
Nora Amelie: (räuspert sich)
Eric: Also – Nerven, Füße, Kopfkino.
Nora Amelie: Kopfkino! Kopfkino läuft ständig, wenn du die Szene betrittst.
Eric: So muss das sein.
Nora Amelie: Ich sage nur ‚Schwarzer Reiter‘.
Eric: (grinst verschlagen) Nett, oder?
Nora Amelie: Eher fies.
Eric: Ach komm. Das war doch nicht der Rede wert.
Nora Amelie: Aber die Sache in Sanssouci dann schon.
Eric: Quatsch. Ist auch nur Spaß gewesen.
Nora Amelie: Das heißt, es kommt schlimmer?
Eric: Wer weiß das schon.
Nora Amelie: Ja, ich sollte wohl, denk ich. Ich muss das schließlich aufschreiben.
Eric: Dann mach! Flott, flott! Red nicht so viel! Arbeite lieber!
Nora Amelie: Mann! Ich wollte mich doch nur freundlich mit dir austauschen und den Fortgang der Geschichte besprechen.
Eric: Moment mal. Mit mir als Figur oder mit mir als Psychologe?
Nora Amelie: Wenn du so fragst: Mit dir als Psychologe. Nach dem Motto: Wie ziehe ich den Spannungsbogen so gewaltig wie möglich auf.
Eric: Ah ja. Hat mein Sadismus etwa auf dich abgefärbt?
Nora Amelie: Frag lieber meine Leser. Nach dem Cliffhanger werden die jetzt wissen wollen, ob du Lily erzählst, wer du wirklich bist.
Eric: (grinst verschmitzt) Wer bin ich denn wirklich? …

Na, auf jeden Fall ist er Hauptfigur in meinem neuen Roman „Dark Dancers“ ;-) Als Taschenbuch und als eBook auf amazon erhältlich.

Geschichten aus Schottland und den Highlands

Was geschieht, wenn eine Autorin auf Recherchetour für ihren neuen Roman geht? Läuft alles reibungslos? Muss sie sich Try and error beugen? Oder hebelt gar Unvorhergesehenes sämtliche Pläne aus?

Das könnt ihr nun in meinen Schottland-Geschichten nachlesen und damit mich als Autorin von einer gänzlich neuen Seite kennenlernen. Ein knappes Jahr nach der Reise erzähle ich euch nämlich eine Liebesgeschichte der anderen Art.
„Die schottische Reise. Highlander, Haggis und Heroes“ ist als Taschenbuch und eBook erschienen. Darin enthalten all die zahllosen Beobachtungen und Begegnungen abseits der Wege, die es nicht in meinen Roman geschafft haben, aber ebenfalls wert sind, erzählt zu werden. Witzig, dramatisch, gelegentlich auch ganz und gar unglaublich. Wie die Story über die Midges, die gefährlichsten Tiere Schottlands ;-)

WARUM ICH VON DEN MIDGES NICHT GEFRESSEN WURDE

’In den Highlands gibt’s jede Menge Mücken’, hatte ich gelesen. Horrorgeschichten von winzigen Viechern, die das Atmen schwer machen, einem überall hin kriechen und überhaupt den ganzen Urlaub vergällen, obendrauf. Aber nicht mit mir, dachte ich. Ich würde vorbereitet sein. Für die Planung unserer Reiseroute wollte ich das berücksichtigen.
„Wir umrunden Schottland im Uhrzeigersinn“, erklärte ich Willy.
Er guckte komisch.
„Damit uns die Mücken nicht kriegen!“, fügte ich hinzu. „Ende Mai Anfang Juni haben die Hochzeit. Wenn wir also erst in die Highlands fahren, sind wir wieder weg, wenn sie kommen.“
Sein noch immer ungläubiger Blick sagte alles, nämlich: Die hat sie nicht mehr alle. War mir aber egal. Hauptsache, ich musste mich nicht stechen lassen.

Als Nächstes suchte ich im Internet nach Hinweisen, wie den Plagegeistern beizukommen sei. Mückenspray schloss ich aus. Zu viel Chemie. Klebt eklig, besonders wenn’s warm ist. Und dann das Zeug vielleicht noch ins Gesicht sprühen? Nee, auf gar keinen Fall! Irgendwann stieß ich auf das Foto eines Mannes mit Hut und Moskitonetz und wusste: Das ist es! So was wollte ich auch.
Nur, wenn man sich erst mal richtig auf die Suche macht, ist ein Moskitonetz nicht das Einzige, was man findet. Wie wär’s beispielsweise mit einer G-1000-Hose? Wasserabweisender Stoff hält wohl auch Moskitostiche ab. Irgendwo jedenfalls stand das. Kurzentschlossen bestellte ich mir das Teil. Und ärgerte mich nebenbei, dass ich nur eine dunkle Jacke besaß, wo doch eher helle Kleidung die Plagegeister fern halten sollte. Eigentlich könnte ich ja noch …
Ich dachte plötzlich nur noch in Moskito-Dimensionen. Willy kam aus dem Lachen nicht mehr raus.
Finster machte ich ein Foto: Ich mit Hut und Moskitonetz.
„Du siehst zum Fürchten aus“, schrieb meine Freundin.
Na bitte. War doch genau, was ich wollte! Blieb nur zu hoffen, dass auch die Midges merkten, dass ich ihnen den Kampf angesagt hatte.

Kurz vor der Abreise eine kleine Panikattacke. Die Mücken-App, ich konnte sie nicht downloaden. Wie sollte ich denn nun wissen, wann es wo zum Midges-Count-down kommen würde?
„Sowieso egal“, meinte Willy. „Alle Unterkünfte sind gebucht. Du wirst ja wohl wegen der Mücken nicht spontan umbuchen wollen.“
Ich warf ihm einen Blick zu, der ihm deutlich machte: Ich würde. Kopfschüttelnd ließ er mich stehen.

Dann endlich Schottland. Bereits im Mai sommerlich warm. Aber windig. Kein Mückenwetter. Auch eine Woche später noch nicht. Den Hut trug ich inzwischen beim Wandern, nicht gegen Mücken, wohl aber gegen Sonnenstiche. Wirklich empfehlenswert.
In der zweiten Woche die nördlichen Highlands. Tief drinnen. Kalt. Kein Mückenwetter. Der Hut wanderte auf die Hutablage. Das Moskitonetz hatte ich noch nicht ein einziges Mal ausgepackt.
Schließlich die Ostküste. Vergeblich wartete ich auf dichte Mückenschwärme. Meine G-1000-Hose, die nicht nur Regen und Wind sondern auch Mückenstiche abhalten sollte, schlummerte mittlerweile im Koffer. Sie war mir schlicht zu weit geworden.
Als wir in der dritten Woche unser Quartier in den Cairngorms bezogen, in unmittelbarer Flussnähe, war ich allerdings sicher: Jetzt aber! Lange Wanderung am Wasser entlang, warm, feuchte Wiesen. Die kommen, die Midges. Siegessicher schob ich mein Moskitonetz in die Tasche. Doch ihr ahnt es – wieder nichts.

Ehrlich, ich gab mir Mühe. Ließ keine Ecke aus, die nicht wenigstens ansatzweise mückenfreundlich war. Aber sie kamen einfach nicht. Und mein ganzes schönes Equipment – es war so was von für die Katz!
„Siehste“, sagte Willy, als wir in Newcastle auf die Fähre gen Heimat gingen und ich meinem Mückenschutzprogramm nicht mehr die geringste Aufmerksamkeit schenkte. „Hättest du dir alles sparen können.“
Hätte ich. Ohne Zweifel. Denn die Midges lauerten ganz woanders …

Zu Hause, auf einer schnöden Radtour an einem unspektakulären Flüsschen entlang, fielen sie nur wenige Tage später über uns her. Ich hatte weder meine G-1000-Hose an, noch trug ich Hut und Moskitonetz. Nicht mal eine Sonnenbrille. Die konnte ich in der Dämmerung vergessen. Ich hätte doch gar nichts gesehen.
Aber die verdammten Viecher waren überall. Ich konnte knapp atmen, nicht sprechen und sobald ich anhielt, weil mir eine Mücke ins Auge geflogen war, fraßen sie mich.

Von wegen ’In den Highlands gibt’s jede Menge Midges’! Sie sind hier, direkt unter uns. Und ich höre schon wieder eine an meinem Ohr sirren …

aus DIE SCHOTTISCHE REISE. Highlander, Haggis und Heroes. Als Taschenbuch und eBook auf amazon erhältlich.

Wie lange darf ein Baby ohne Namen bleiben?

babyEinfache Frage, einfache Antwort, oder? Offensichtlich aber nicht immer. Die kleine Tochter der SCHNEEMÄNNER wartet nun schon lange auf einen Namen. Und im wahren Leben hätte zwischen ihrer Geburt und der endgültigen Namensgebung nicht mehr als ein Monat vergehen dürfen. So jedenfalls sagt es der Gesetzgeber. Aber er sagt auch noch mehr. Beispielsweise, dass die Namen beider Eltern in die Geburtsurkunde gehören. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel. Aber wollen Paul, Jacob und Louisa wirklich eine Ausnahme machen?

Ihr dürft gespannt sein. Auf diese Frage kommen wir nämlich in Hawks Geschichte zurück. Und dort ist er nun auch endlich schwarz auf weiß zu lesen. Der Name des Schneemänner-Babys.

Danke, dass ihr dabei geholfen habt, eine Entscheidung zu treffen. Viele von euch haben sich dabei von dem Umstand leiten lassen, dass Louisa während der Irland-Reise schwanger geworden ist. Am von den Schneemännern so hervorragend geplanten D-Day ;-) Und so wundert es mich persönlich überhaupt nicht, dass der mit Abstand am häufigsten gewählte Name ‚Tara‘ ist. Mehr als 25 % von euch haben sich dafür entschieden. Der zweite irische Namensvorschlag ‚Kiara‘ kam nur auf 16 %. ‚Brona‘ fiel sehr früh komplett aus dem Rennen und erhielt lediglich zwei Stimmen.

Aus meiner Sicht ist es schön, wenn ein Kind zwei Namen hat, damit es sich später für oder gegen einen davon entscheiden kann. Deshalb also hier und heute der offizielle Geburtsname des Schneemänner-Babys:

Tara Sophie Bender

Ich hoffe, ihr seid damit auf die eine oder andere Weise zufrieden. Eines wird die kleine Prinzessin jedenfalls immer bleiben: Die Tochter der Schneemänner :-)

Erster Blick auf Hawks Geschichte

hawks-geschichteFür alle, die schon sehnsüchtig drauf warten, gibt es kurz vor Weihnachten nun den allerersten Textschnipsel aus Hawks Geschichte. Ich habe ja so gar keine Ahnung, was ihr euch diesmal vorstellt. Aber es wird zur Sache gehen, wenn ihr mich fragt *schmunzel. Deshalb als Zugabe nackte Tatsachen (ja, zu Weihnachten darf ich das mal), wenn zunächst auch ein wenig kopflos. Dafür aber in Hawks Lieblingspose ;-)

… Der Hüne mit den schokoladenbraunen Augen und dem wilden Haar mustert sie mit einem durchdringenden Blick. Hoffentlich nennt er ihr keine Zehn. Hoffentlich nicht. Das würde sie niemals ertragen. Sie horcht in sich hinein. Was hielte sie denn aus? Eine Acht? Nein. Zu viel. Viel zu viel. Maximal eine Fünf. Das wäre ein Wert, mit dem sie wohl leben könnte. Eine Fünf. Nicht mehr. Aber was wäre eine Fünf? Die Bullwhip? Der Rohrstock? Fesseln, die in ihre Gelenke schneiden? Oder Piercings? Meine Güte. Hoffentlich keine Piercings, denkt sie. Und erinnert sich daran, wie ein befreundeter Zahnmedizinstudent ihr damals die Ohrlöcher gestochen hat. Für das linke brauchte er eine gefühlte Stunde. Der Knorpel war …
„Ich würde sagen: Eine solide Sechs“, unterbricht Eric ihre Gedankengänge.
Ihre Kehle wird trocken, der Schreck fährt ihr in die Glieder. Sechs ist viel. Eine Sechs macht ihr Angst …

aus Hawks Geschichte. Ende Januar 2018 auf amazon.

Welcher Buchtrailer ist dein Favorit? Stimm ab!

Ihr habt’s ja schon bemerkt, ich bin auf den Hund … ähhh auf den Buchtrailer gekommen ;-) Ganz im Ernst. Ich mag die kleinen Filme zu meinen Romanen. Zumal ich mit Raylem Pictures eine Produktion gefunden habe, mit der die Zusammenarbeit manchmal sogar blind funktioniert.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/T2tt3YMKkjY

Was ich damit sagen will, sind zwei Dinge. Erstens wird es zu Beginn des neuen Jahres einen weiteren Trailer geben – ich verrate aber noch nicht, zu welcher meiner Geschichten. Und zweitens bin ich total neugierig auf euer Feedback (wahlweise Feedbook – ihr wisst schon, warum *lach).

Ich wüsste nämlich gern: Welcher der bisherigen Buchtrailer ist euer Favorit? Übrigens, wem die Schrift hier zu klein erscheint, einfach auf Youtube anschauen ;-)

Weiter unten könnt ihr für euren Lieblingsfilm abstimmen ;-)

Startbild Schneemänner-Trailer

Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, was euch besser gefällt. Ihr könnt hier auch gern kommentieren, warum :-)

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Start date 26-03-2015 10:38:53
End date 25-01-2018 23:59:59
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