Autorin befragt Hauptfigur ihres Romans – Fortsetzung

Autoreninterview Nora AmelieLetzten Herbst, ihr erinnert euch vielleicht, führte ich ein Interview mit der Hauptfigur meines ersten Romans – Theresa. Teil 2 von INSEL DER NACHTIGALLEN war gerade erschienen. Und irgendwie fragten Leser immer wieder nach, ob es eine Fortsetzung der Geschichte geben würde. Da ich es selbst nicht wusste, beschloss ich, diese Frage kurzerhand an meine Protagonistin weiterzureichen. Sie versprach damals, in jedem Fall zur Verfügung zu stehen. Eine endgültige Antwort fanden wir jedoch nicht.

Seitdem ist ein gutes halbes Jahr vergangen und ich hab einen neuen Versuch gestartet herauszufinden, was nun mit dem 3. Teil des Romans wird. Dabei kam etwas ganz Erstaunliches raus. Theresa will ihn selbst schreiben. Glaubt ihr nicht? Aber ihr wisst schon, dass es von ihr ein paar Kurzgeschichten gibt? Sie kann schreiben, definitiv. Die Frage ist eher, ob ich zulassen werde, dass sie den Roman zuende bringt, der eigentlich mein Baby ist.

Der Anlass für unser Gespräch war jedenfalls die bevorstehende Veröffentlichung ihres 1. Romans. Ja, ich weiß auch nicht – irgendwie machen meine Hauptfiguren ständig, was sie wollen. Das geht bis zu dem Punkt, da sie regelrechte Deals miteinander abschließen. Der aktuelle heißt: Hauptfigur von Roman 1 (Theresa) schreibt für Hauptfigur von Roman 2 (Marlena) Kurzgeschichten, damit Hauptfigur von Roman 2 die Dienstleistung ihrer Agentur (von der in Roman 2 erzählt wird) damit bewerben kann. Krass, oder? Tja, aber ich bin wohl die einzige, die sich darüber aufregt. Theresa sieht das alles ziemlich gelassen …

Nora Amelie: Hey, Theresa, Glückwunsch zu deinem Romandebüt!
Theresa: Du bist zu früh. Noch ist er nicht raus.
Nora Amelie: Klar, ich weiß. Aber du zählst ja schon die Tage bis zum 31. Mai. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, Marlenas Agentur G.o.G. mit erotischen Kurzromanen zu promoten?
Theresa: Ich natürlich. lacht
Nora Amelie: Und wie war es für dich, Marlena kennenzulernen?
Theresa: Du meinst, die Frau, mit der Jon seine dunkle Leidenschaft entdeckt hat? Sprich es ruhig aus.
Nora Amelie: Okay, ja – so deutlich wollte ich es nicht sagen.
Theresa: Beim letzten Mal hast du dich aber nicht so geziert.
Nora Amelie: Ich bin eben wohlwollend.
Theresa: Stimmt. Wohlwollend und verdammt neugierig. Also das mit Marlena ist mir erst ein bisschen an die Nieren gegangen. Real fand ich sie dann aber total sympathisch.
Nora Amelie: Du warst also tatsächlich eifersüchtig auf sie? Nach so langer Zeit?
Theresa: Wie würdest du denn reagieren, wenn dir dein Partner von seiner Ex vorschwärmt?
Nora Amelie: Hat er?
Theresa: Ja, er hat. Er kriegte sich gar nicht wieder ein, als er von ihrer Geschäftsidee berichtete.

Nora Amelie: Die ist aber auch abgefahren.
Theresa: Klar ist sie das. Finde ich auch. Darauf muss man erst mal kommen, sich den Hype um „Shades of Grey“ zunutze zu machen.
Nora Amelie: Na gut, auf den Zug sind einige aufgesprungen.
Theresa: Stimmt. Aber Marlena hat das bis ins Detail durchdacht. Angefangen von den Taylors, den Bodyguards, bis hin zu den romantischen Events, die sie in die Grey Days integriert. Sogar das Gründungstiming der Agentur passte. Man stelle sich vor: Exakt zum Filmstart bringt sie G.o.G. an den Markt.
Nora Amelie: Ah, da schwärmt ja einer. Dabei muss sich erst noch rausstellen, ob es funktioniert.
Theresa: Das tut es. Ich höre zwar gerade nicht sehr viel von ihr. Aber soweit ich weiß, hat es inzwischen an allen Standorten Grey Days gegeben.
Nora Amelie: Du musst es ja auch wissen. Schließlich schreibst du darüber. Entscheidest du eigentlich selbst, welcher Event das Thema werden soll?
Theresa: Nein. Das bespreche ich mit Marlena. Im Grunde erfahre ich von den einzelnen Events erst dann, wenn sie es für relevant hält.
Nora Amelie: Und relevant war das Thema Tango?
Theresa: Genau. Schon wegen dieser geheimnisvollen Ballnacht.
Nora Amelie: Verrätst du mehr darüber?
Theresa: Sag ich doch – du bist verdammt neugierig.
Nora Amelie: Wenn’s um Tango geht, immer.
Theresa: Na gut, dann ergänze ich mal noch: Einsames, leerstehendes Herrenhaus. Verbundene Augen. Kerzen und Kamin. Musik und Tanz. Schöne Frauen, dominante Herren.

Nora Amelie: Willst du meine ehrliche Meinung? Das hört sich an, als zähltest du die Zutaten für eine kitschige Story auf.
Theresa: Na na na. Genau daraus sind Träume gestrickt.
Nora Amelie: Na gut – aber die Klischees sind nicht zu übersehen.
Theresa: Was macht das schon. Entscheidend ist doch, wie die Suppe gewürzt wird. Milch, Mehl und Butter brauchst du immer.
Nora Amelie: Ist es das, was du unter ‚Romane schreiben‘ verstehst?
Theresa: Ich nehm das jetzt mal nicht persönlich, meine Liebe. Für diese Kurzromane gibt es nämlich eine klare Ansage. Und die lautet: Schreib eine schöne Story, die die Leute auf die Grey Days neugierig macht. Die sie dazu bringt, genau diesen Event auch haben zu wollen. Nicht mehr und nicht weniger. Und so ganz nebenbei – Romane schreiben ist schon anders als Kurzgeschichten.
Nora Amelie: Das glaub ich dir gern. Das kenne ich ja aus eigener Erfahrung. Ich fand am Anfang die Vorstellung schwierig, überhaupt bis zum Schluss durchzuhalten. Mit fünfzig Seiten ist das ja nicht getan.
Theresa: Du sagst es. Das war für mich auch die größte Herausforderung. Eine lange Geschichte zu strukturieren, die dann auch noch einigermaßen zielgerichtet zu einem Ende führt.
Nora Amelie: Hast du ein Geheimrezept dafür?
Theresa: Nein, noch nicht. Momentan schreibe ich einfach drauf los. Bei diesen Kurzromanen ist ja die Zahl der Protagonisten und der Zeitraum, in dem die Geschichte spielt, noch überschaubar.
Nora Amelie: Du wirst tatsächlich sehen, dass das bei einem längeren dann deutlich komplizierter wird. Da gibt es neben der eigentlichen Story auch ein paar Nebenhandlungen. Und da die Fäden in der Hand zu behalten, grenzt manchmal schon an Stress.
Theresa: Willst du dir eigentlich mal meine erotischen Szenen anschauen? Deine Meinung darüber würde mich schon interessieren.
Nora Amelie: Sind sie etwa härter als meine? lacht
Theresa: Härter? Nee, das nun nicht gerade. Aber ich stell mich nicht so an.
Nora Amelie: Was heißt das denn jetzt?

Theresa: Na, weißt du nicht mehr? Du hast doch immer deine Schwierigkeiten mit dem f-Wort.
Nora Amelie: Und du wohl nicht, oder was? Du bist auch nicht gerade die Dirty-Talk-Queen.
Theresa: Aber immerhin bringe ich die Sache schon einigermaßen auf den Punkt. Meine Protagonistin jedenfalls nimmt kein Blatt vor den Mund, so wie du es mir in deinem Roman auferlegt hast.
Nora Amelie: Ach komm – jetzt erzähl mir nicht, du wärst unglücklich darüber gewesen, dass du dich einer einigermaßen ordentlichen Sprache bedienen musstest.
Theresa: Unglücklich nicht. Aber manchmal wäre ich gern ein wenig mehr aus mir herausgekommen.
Nora Amelie: Hättest du doch tun können. Dass dem nicht so war, hatte ja wohl damit zu tun, dass du noch am Anfang eines Weges standest, der nicht so ganz eindeutig zu sein schien.
Theresa: Das hast du ja inzwischen relativiert. Die Szenen, die du für Jon und mich in THE SECRETS OF GREY DAYS geschrieben hast, lassen ja keinen Zweifel mehr an meiner Neigung.
Nora Amelie: Die sind doch schön. Oder bist du unzufrieden?
Theresa: Nee, ganz und gar nicht. grinst
Nora Amelie: Weißt du übrigens, welches meine Lieblingsszene ist? …

Hier endete unser Gespräch natürlich nicht. Und die Fortsetzung … ist inzwischen auch online. Na, neugierig? 🙂

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