Die Schneemänner – Pauls dunkle Seite


Wer ist Paul?
Während eines nächtlichen Gesprächs zwischen Louisa und Jacob stellt sich heraus, dass Paul seine Vorliebe für BDSM gern in entsprechenden Clubs auslebt. Im Gegensatz zu Jacob ist Paul bislang zwar noch nicht in einem früheren Roman aufgetaucht. Aber den Club, den er hin und wieder besucht, kennen Leser meiner Bücher tatsächlich bereits. Schauen wir uns diese „Örtlichkeit“ durch die Augen einer Frau an. Marlena – Hauptfigur in „The Secrets of Grey Days“. Denn Pauls Spielplatz ist der BDSM-Club von Marlenas Partner Alex …

Es gab eine breite gekieste Auffahrt, die in sanften Schwüngen durch den Park direkt zum Haus führte. Nichts ließ erkennen, was sich hinter der Fassade verbarg. Die wenigen geparkten Fahrzeuge seitlich vom Gebäude konnte man locker für zum Eigentümer gehörige halten. Marlena wäre jede Wette eingegangen, dass die meisten Leute in dieser Gegend keine Ahnung von der Obsession ihres Nachbarn hatten. Hier lebten offensichtlich Menschen, die gern unter sich und ihresgleichen blieben. Was ganz gewiss nichts mit dem üblichen nachbarschaftlichen Gebaren gemein hatte, sich gegenseitig regelmäßig zu besuchen oder Gespräche über den Gartenzaun zu führen. Gesellschaften zu geben, war hier normal …

Während sie durch das Haus spazierten, geriet ihr Gespräch vorübergehend ins Stocken. Grund war Marlenas steigende Anspannung, als sie durch eine weitere Flügeltür einen langen breiten Korridor betraten. Er war mit dicken Teppichen ausgelegt, die ihre Schritte schluckten, und hatte Wände in Bordeauxrot. Sie waren weiß abgesetzt und immer wieder unterbrochen von schwarzen Marmorsäulen auf ebenfalls weißen Sockeln. Links fiel der Blick durch hohe Sprossenfenster hinaus auf den Vorplatz des Hauses. Rechts gab es Türen, die Vincent unbeachtet ließ. Nirgends ein Hinweis darauf, was den Gast hier tatsächlich erwartete. Selbst die Bücher in den wandhohen Regalen, die in regelmäßigen Abständen in die Mauern eingelassen waren, verstärkten eher den Eindruck eines Wohnhauses, als dass sie auf bizarre Aktivitäten hinwiesen …

’Die Räumlichkeiten im Westflügel führen bewusst in die Irre und erwecken den Anschein eines Labyrinths’, hatte Vincent ihr erläutert, als er sie bei ihrem ersten Besuch hier in den Teil des Hauses geführt hatte, der ausschließlich Clubmitgliedern vorbehalten war.
Sie folgten einem langen Gang, an dessen Seiten Metallkonstruktionen aufgereiht waren. Wie die Inneneinrichtung eines Gefängnisses sah es aus.
’Unsere Käfige. Das Zur-Schau-Stellen ist eine gern erteilte Strafe’, hörte sie Vincent erneut in ihrem Kopf. Sie hatte damals sofort gewusst, dass sie so etwas hassen würde. Die Käfigtüren waren mit massiven Vorhängeschlössern versehen. In manchen gab es schmiedeeiserne Ringe mit langen Ketten daran oder Stahlfesseln für Fuß- und Handgelenke. Die Käfige selbst waren kaum mannshoch. Offensichtlich war ein aufrechter Stand darin nicht vorgesehen.

Als sie die Treppe zur unteren Etage erreichten, stockte Marlena beinahe der Atem. Der Keller. So ganz und gar klischeehaft, wie man sich das überhaupt vorstellte. Hier war das Licht spärlich. Der Schein leicht rußender Fackeln flackerte über rau verputzte Wände und warf Schatten. Links und rechts des Ganges ließen vergitterte Fenster den Blick in verschiedene Kammern zu. Einige davon kannte sie inzwischen. Ohne hinzusehen, wusste sie von dem Gebilde aus Leder, das an Ketten von der Decke der ersten Kammer hing und wie eine grobe Flechtarbeit wirkte. Sling oder Liebesschaukel nannte man das. Auch mit dem Pferd in der nächsten hatte sie bereits Bekanntschaft geschlossen. Mit ihm und der Kollektion von Peitschen an der Wand daneben, deren Namen und Bestimmung sie sich immer noch nicht vollständig eingeprägt hatte.
Weiter hinten in den Räumen gab es eine Art Spinnennetz aus dünnen Ketten, mehrere Andreaskreuze in verschiedenen Größen und mit den unterschiedlichsten Utensilien bestückt und einen gynäkologischen Behandlungsstuhl, bei dem sie Alex im Verdacht hatte, dass er ihn aus seinen eigenen Beständen rekrutiert hatte. An die überall herumstehenden, lederbezogenen Holztische, die durch daran befestigte Haken und Ösen auffielen, an die Seilzüge und diverse andere Gerätschaften, vor denen sie sich geradezu fürchtete, mochte sie gar nicht erst denken …

Jetzt stellt sich natürlich sofort die Frage, ob Paul Louisa jemals in diesen Club mitnehmen wird. Und wenn, ob sein Freund Jacob dann wieder in die Rolle des stillen Beobachters schlüpft? Oder wird er eher verhindern, dass Paul mit Louisa seine Spiele treibt?

Wir werden es bald wissen. DIE SCHNEEMÄNNER Teil 4 erscheint am 26. November und eröffnet Staffel zwei der ungewöhnlichen Dreiecksgeschichte 🙂

Die Schneemänner – Jacobs Geheimnis

Jacob aus DIE SCHNEEMÄNNER
Wer ist Jacob? Wer ist der Typ, der Louisa den Kopf verdreht, als sie nichtsahnend im Hotelpool vor sich hin schwimmt? Und der sie später mit Kumpel Paul in die Private Suite „entführt“? Kennen wir den nicht irgendwoher?

Lesern meiner Romane dürfte dieser Name tatsächlich etwas sagen. Denn Jacob hatte sein Debüt bereits vor zwei Jahren. In „Insel der Nachtigallen“, Teil 2, ist über seinen ersten Auftritt als Romanfigur Folgendes zu lesen:

… Eine weitere Hand schob sich in ihre. Als sie aufblickte, schaute sie in grünbraune Augen.
„Dr. Dr. Jacob Scherzer“, nannte Constanze den Namen des Kollegen.
Scherzer nickte kurz. „Schön, dass Sie da sind.“
„Zwei Titel?“, fragte Theresa nach.
Er nickte erneut und fügte leicht ironisch hinzu: „Doppelqualifizierung.“ Sein Schmunzeln war nur angedeutet und ein klein wenig schief, was seinem Gesicht einen etwas spöttischen Ausdruck verlieh … 

Das also ist Jacob. Und in dieser Szene begegnet er Theresa, der Hauptfigur im Roman „Insel der Nachtigallen“. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. So kommt es am selben Abend zu einem weiteren Zusammentreffen:

… Jacob lotste sie zu seinem Auto in die Tiefgarage. Sie war wirklich von allen guten Geistern verlassen, sich mit einem ihr unbekannten Typen hier unten herumzutreiben. Nicht mal Constanze hatte mitbekommen, dass sie zusammen verschwunden waren.
„Vertrauen fällt manchmal schwer, stimmt’s?“ fragte er und hielt ihr die Beifahrertür auf.
Theresa fühlte sich ertappt. „Bin ich so durchschaubar?“, fragte sie, als er sich neben ihr hinters Lenkrad setzte.
Er lächelte. „Vergiss nicht. Ich bin doppelqualifiziert.“
Wie immer er das gerade meinte, sie musste lachen. „Was hast du vorher gemacht?“, wollte sie wissen. Langsam stellte sich in ihren Nervenbahnen wieder ein wenig Ruhe ein. Sie beobachtete, mit welcher Leichtigkeit er die schmalen Kurven der Auffahrt nahm, an denen der Lack zahlreicher Fahrzeuge klebte.
„Verschiedene Praxen in Süddeutschland und in Hamburg. Ein paar Monate Notfallaufnahme, dann angestellt. Nebenher die zweite Promotion.“
„Ordentlich Arbeit“, meinte sie.
Er nickte. „Ich hatte zu tun, ja.“
„Und du wolltest die Niederlassung oder ist es eher ein Kompromiss?“
„Nein. Ich wollte. Und ich wollte immer mit Partnern. Passt einfach gut, wenn man als Arzt mehrere Zahnärzte ergänzt.“
„Das eine oder das andere davon kam nicht in Frage?“
„Darüber hab ich auch nachgedacht.“ Er setzte den Blinker und wechselte auf das Reichpietschufer. „Aber irgendwie fiel mir die Entscheidung schwer. Und dann hätte es eben diesem roten Faden widersprochen, den ich mir ja selbst gestrickt habe.“
Sie nickte. Das konnte sie gut verstehen. Wenn man erst mal einen Plan hatte, war man bereit, den auch gegen Widerstände umzusetzen. Irgendeine sinnvolle Lösung fand sich immer. Hatte Toms Plan etwas Sinnvolles ergeben?
„Und du?“, riss er sie aus ihren Gedanken. „Bist du schon lange dabei?“
„Ich hab meinen Abschluss mit Constanze gemacht. Sie ging dann erst mal auf Wanderschaft, ich gleich nach Berlin.“
„Warum?“
„Mein Mann hat mir ein paar Jahre voraus. Ich wollte in seine Praxis einsteigen. Und die war damals schon hier. Also hab ich mir zwei Jahre lang angeschaut, was die Kollegen so machen, und bin danach zu ihm gewechselt.“
Sie rutschte ein wenig tiefer in den Sitz und schob sich ihre Tasche in den Rücken.
„Rückenschmerzen?“
Sie winkte ab. „Wer hat die nicht. Die Woche war lang.“
„Beug dich mal vor“, sagte er und warf ihr einen Seitenblick zu.
Sie schaute erschrocken zu ihm rüber. „Wieso?“
„Mach schon. Einfach vorbeugen.“
Sie stützte sich mit den Ellenbogen auf den Oberschenkeln ab und lehnte den Kopf gegen das Armaturenbrett des Lexus. Sie brauchte einen Moment, bis sie eine Position gefunden hatte, die ihrem Kiefer nichts auszumachen schien. Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, wie Jacob hinter sie griff. Dann begann er, seine Handfläche über ihren Rücken zu schieben.
„Musst nur sagen, wo … Hier? …“
Seine Hand, fest und warm, hatte ihr Kreuzbein gefunden und bewegte sich nicht mehr. Theresa brummelte etwas, das sich nach Bestätigung anhören sollte. Sie spürte, wie es unter Jacobs Berührung warm wurde und wie diese Wärme unaufhörlich in ihren Rücken hineinsickerte.
„Gut?“, fragte er.
„Hmhm.“
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich darauf, ruhig zu atmen. Es dauerte nicht lange, da begann sie, sich zu entspannen. Währenddessen steuerte der Mann seinen Wagen durch den spätabendlichen Verkehr und schließlich auf die Stadtautobahn. Erst dort nahm er seine Hand fort. Mit einem tiefen Seufzer lehnte sie sich in den Sitz zurück. „Echt gut.“
Er warf ihr einen Seitenblick zu und lächelte auf eine Weise, die einen Schauer unter ihre Haut jagte. „Gerne wieder.“ … 

Tja, ich darf euch verraten, dass sich diese Situation tatsächlich wiederholt, zumindest im weitesten Sinne 😉 Wer also neugierig auf Jacobs Vorgeschichte ist, sollte deshalb ein klein wenig im zweiteiligen Roman „Insel der Nachtigallen“ schmökern. Als eBook und Taschenbuch auf amazon.

Neben Bad Boy Jacob gibt es im Roman „Die Schneemänner“ auch Paul, seinen Freund, der eigentlich der größere Bad Boy ist. Weil Paul nicht nur ein Geheimnis hat, sondern gleich eine wirklich dunkle Seite. Auf die sind wir natürlich alle neugierig. Deshalb bald mehr zur Frage: Wer ist Paul?

Wie die Geschichte um DIE SCHNEEMÄNNER weitergeht, erfahrt ihr dann ab 26. November, wenn mit Teil 4 die zweite Staffel des Romans startet.