Schneemänner-Talk, das 6. Gespräch

»Schläft sie?«, will Paul wissen.
Jacob nickt. »Tief und fest.« Er geht hinüber zum Geschirrspüler und beginnt, ihn auszuräumen. »Ihr Hintern ist feuerrot.«
Paul schnalzt mit der Zunge. »Hast du etwa einen Blick unter die Decke riskiert?«
»Natürlich hab ich«, grummelt Jacob. »Muss mich doch überzeugen, dass alles in Ordnung ist.«
Bei diesen Worten schielt er rüber zum Esstisch. Doch Paul hat sämtliche Utensilien ihrer kleinen Session längst verschwinden lassen. So ein Idiot. Das wird sie ihnen bestimmt übelnehmen. Er greift nach den Tellern im unteren Geschirrkorb und stellt sie geräuschvoll klappernd in den Schrank.
»Ist was?«, fragt Paul, während er in einer Zeitschrift blättert.
Wie nicht anders zu erwarten, hat er sich sogar für die Feiertage mit Fachlektüre eingedeckt. Herrgott noch mal, kann er seinen Job nicht mal einen einzigen Tag ausblenden?
Jacob räumt wortlos weiter. Dann plötzlich richtet er sich auf. »So schnell mach ich bei so was nicht noch mal mit.«
»Was meinst du?«
»Na, das Spanking.«
Paul hebt den Blick. »Ernsthaft jetzt? Ist doch nix passiert.«
»Für Nix glüht ihr Arsch aber ordentlich.«
Paul lässt die Zeitschrift auf die Knie sinken. »Jetzt bleibt cool, Alter. Ich wollte wenigstens wissen, wie sie darauf reagiert.«
»Weil?«
»Kannst du dir doch wohl vorstellen, oder? Ich wüsste nun mal gern, ob sie wenigstens ansatzweise ein Faible für …«
»… deinen Sadismus hat?«, unterbricht Jacob. Dann schnaubt er verächtlich durch die Nase. »Und? Zufrieden?«
»Fürs Erste ja.«
»Fürs Erste? Lass es doch mal ruhig angehen, verdammt!«
Paul legt sein Fachblatt zur Seite, streckt die Beine weit von sich und schiebt die Hände in die Taschen.
»Ich versteh dich nicht, Jack. Bist doch sonst nicht so’n Mimöschen. Was ist mit dir los?«
Eigentlich gar nichts. Es ist nur … »Hier geht’s nicht um einen flotten Dreier.«
»Sondern?«, fährt Paul ihm in die Parade.
Irritiert hebt er den Korb mit dem Besteck heraus und stellt ihn auf die Arbeitsplatte. »Ich dachte, das soll mehr werden.« Er beginnt, die Messer zu sortieren.
»Klar soll es das. Trotzdem spricht ja wohl nichts dagegen, unsere Auserwählte auf Herz und Nieren zu prüfen. Sie muss für dich und für mich passen. Und ich hab nun mal spezielle Vorlieben.«
»Die seien dir auch gewährt, aber erstens haben wir uns geeinigt, dass du keine Spuren hinterlässt. Und zweitens, dass du auf die harte Gangart verzichtest.«
Paul grinst. »Wie jetzt? Hab ich etwa heute schon gegen beide Kriterien verstoßen?«
»Nein, aber …«
»Jack, mach dich nicht lächerlich.«
Jacob greift nach dem kleinen Schwamm auf dem Waschbeckenrand und schleudert ihn in Pauls Richtung. Der duckt sich weg.
»Hey, mein Freund. Was hast du für’n Problem? Na los, raus mit der Sprache.«
Scheiße, ja. Er hat tatsächlich eins. »Und wenn ihr das nun zu viel wird? Dass wir gleich am Anfang aufs Ganze gehen?«
»Wäre sie dann so feucht gewesen?«
Gedankenverloren zieht er die Teelöffel aus dem Korb. Vermutlich nicht. Das hat ihm auch zu denken gegeben. Wirkte ja fast, als wenn sie nur drauf gewartet hätte, mal so richtig versohlt zu werden.
»Ich schätze, uns fehlen wesentliche Informationen«, meint Paul. »Dass sie über BDSM schreibt, sagt nichts darüber aus, welche Erfahrungen sie selbst hat.«
Hoffentlich nicht allzu viele, denkt Jacob ernüchtert. Dann würde sie womöglich seine Art Erotik weniger antörnen als die von Paul. Mit einem Sadisten kann er nun mal nicht mithalten.
Er lässt die Klappe des Geschirrspülers zufallen. »Ich will, dass du sie vorerst in Ruhe lässt damit.« Sein Blick geht rüber zu Paul. Entschlossen.
»Sonst?«
»Nichts sonst«, erwidert er. »Ich geh einfach davon aus, dass du meine Wünsche ebenso respektierst wie ich deine.«
Paul zuckt mit den Schultern. »Heut ist Silvester – hast also einen Wunsch frei.« Sein Grinsen wird süffisant. »Aber wenn sie von sich aus …«
»Wird sie nicht«, unterbricht Jacob den Freund. Dann verschränkt er kampfeslustig beide Arme vor der Brust und starrt Paul an, als würde er sich jeden Moment auf ihn stürzen …

 

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