Schneemänner-Talk, das 1. Gespräch

Wie angekündigt gibt’s heute das 1. Gespräch aus dem geheimen Schneemänner-Talk. Viel Spaß mit den neuen Einblicken in das Leben von Paul und Jacob :-)

Die beiden Ärzte, seit Ewigkeiten beste Freunde, können sich über den Mangel an Gesprächsthemen derzeit wahrlich nicht beklagen. Während Paul sich in eine chirurgische Praxis im Westteil von Berlin eingekauft hat und noch immer damit beschäftigt ist, sich zu etablieren, steckt Jacob gerade in der Gründungsphase. Die Zahnarztpraxis, die er mit drei Kollegen am Potsdamer Platz betreibt, gibt es erst seit wenigen Wochen. Beiden ist die Zeit knapp geworden für gemeinsame Unternehmungen. Von der Suche nach der Frau fürs Leben schon mal ganz zu schweigen. Also haben sie das Thema Familienplanung erst mal auf Eis gelegt. Paul, weil er vorgibt, er könne auch ganz gut nur mit seinem Fetisch leben. Jacob, weil er neuerdings Gefallen an One-Night-Stands findet. Eines allerdings ist ihnen heilig: Ihre regelmäßigen Treffen nach Feierabend. Egal, was gerade in den Praxen los ist. Und egal, wie ausgepowert sie sind.

»Seit wann fängst du ohne mich an?«
Jacob, ein wenig zu spät dran, weil er eine ungeplante Weisheitszahn-OP hinten dran hängen musste, schwingt sich auf den Barhocker neben Paul, ohne den Freund eines Blickes zu würdigen. Vielmehr starrt er das einsame Glas auf dem Tresen an und hebt dem Barkeeper daraufhin den Zeigefinger entgegen, um auch für sich einen Drink zu ordern. Whisky ist jetzt genau das Richtige.
Dann erst dreht er den Kopf zu Paul. »Also, was ist los?«
Der zuckt mit den Schultern. »Ich hatte Durst.«
»Blödsinn.« Jacob schnaubt missbilligend. »Als ob du deshalb jemals deine gute Kinderstube vergessen würdest.«
»Hab ich eine Kinderstube?«
»Soweit ich weiß …«
Fast hat es den Anschein, als ließe Paul seinen Kopf nach diesen Worten noch etwas tiefer hängen. Und Jacob ahnt, dass er lieber die Klappe halten sollte. Aber er ist beunruhigt. Hat Paul nicht die letzte Nacht mit Jenny verbracht? Mit dieser Frau, die keine Tabus zu haben scheint? Die ständig auf immer tiefere dunkle Abgründe zusteuert? Inzwischen auch auf solche, in die Paul gar nicht seine Nase stecken will?
»Es ist vorbei«, murmelt der Freund.
Also doch. Jacob schnauft. »War zu erwarten.«
Zum ersten Mal an diesem Abend treffen sich ihre Blicke. Paul schweigt. Aber der Unmut und die damit verbundene Frage stehen ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
»Sie ist nichts für dich«, sagt Jacob entschlossen. »Du magst ja sadistische Züge haben. Aber was Jenny sich vorstellt, geht weit darüber hinaus.«
»Woher willst du das wissen? Dir fällt doch schon die Kinnlade runter, wenn du nur eine Peitsche in die Hand nehmen sollst.« Er rauft sich die Haare. »Du hast echt keine Ahnung …«

Jacob nimmt das Glas und nippt an seinem Whisky. Als hätte Paul ihm gegenüber nicht immer wieder Jennys Maßlosigkeit thematisiert. Aber das ist typisch. Wenn es um BDSM geht, versteht er echt keinen Spaß. Wobei – eigentlich hält er sich mit Ironie und Sarkasmus trotzdem zurück. Sie tolerieren einander. In jeder Hinsicht. Selbst in Bezug auf Frauen und ihre gelegentlich recht verschiedenen Vorstellungen davon, diese zu beglücken.

»Sie oder du?«, will Jacob wissen.
»Was?«
»Hat Schluss gemacht …«
Paul grummelt vor sich hin.
»Also sie«, versucht Jacob, den Freund aus der Reserve zu locken.
»Nein! Das hätte sie nicht gewagt. Ich war es.«
»Weil?«
Paul schlägt mit der flachen Hand auf den Tresen. »Weil ich, verdammt noch mal, nicht tun werde, was sie will!«
Eigentlich sollte Jacob wohl danach fragen, was das denn sei. Aber er hält es nun tatsächlich für klüger, Paul nicht weiter herauszufordern. Irgendwann wird er von sich aus darüber reden.
»Du hast eh nicht genug Zeit für eine Frau, die den ganzen Tag kaum anderes zu tun hat, als sich auf eure nächtlichen Spielchen vorzubereiten«, wirft er ein. »Du brauchst eine, die einem ordentlichen Job nachgeht. Worüber wollt ihr sonst reden?«

Das ist eine Sache, die immer wieder für Diskussionen zwischen ihnen sorgt. Während Paul jede freie Minute für seine Arbeit nutzt, verbringt Jenny die meiste Zeit des Tages damit, ihren Körper in Schuss zu halten. Was durchaus seinen Reiz hat. Gerade für Paul. Ein trainierter Frauenkörper ist eben deutlich biegsamer als ein untrainierter und damit effizienter auch in schwierige Bondagepositionen zu bringen.
Doch Pauls Faible für Seile fordert aus Jacobs Sicht zu viele Zugeständnisse. Jenny ist so ein Fall. Irgendwie wird er einfach nicht warm mit ihr. Manchmal beschleicht ihn sogar das Gefühl, sie könnte die Freundschaft der beiden Männer unterwandern. Eine Freundschaft, die so tief verwurzelt ist, dass Jacob sich ein Leben ohne Paul nicht mehr vorstellen kann. Hört sich vielleicht blöd an oder sogar bisschen zweideutig. Aber da ist nichts zwischen ihnen. Nur, dass Paul ihm wie der Bruder erscheint, den er sich immer gewünscht hat. Er könnte es nicht akzeptieren, wenn eine Frau …

»Wir sollten uns eine teilen«, schlägt er vor, ehe die Gedanken richtig sortiert sind.
»Teilen?« Pauls Kopf ruckt herum. »Eine?«
»Eine Frau.«
»Wie bitte?« Er mustert ihn verständnislos. Dann tippt er sich in einer eindeutigen Geste an den Kopf. »Du spinnst!«
Klar, vielleicht spinnt er ja. Vielleicht ist das aber auch DIE Idee. »Wäre ja nicht zum ersten Mal«, nimmt Jacob den Faden erneut auf.
Paul wendet sich ihm ganz zu und verschränkt die Arme vor der Brust. »Nur zum Verständnis. Es geht dir nicht um Sex zu dritt, sondern um eine gemeinsame Frau für uns beide?«
Jacob nickt entschlossen, obwohl er mit jeder Sekunde, die vergeht, selbst an dem zweifelt, was er da eben vorgeschlagen hat. Wie kommt er nur darauf?
Er starrt sein Glas an, nippt. Schmeckt völlig normal. Kann also nicht am Alkohol liegen. Vielleicht aber daran, dass sein letzter One-Night-Stand schon geraume Zeit zurückliegt?

Für Minuten bleibt es still zwischen ihnen. Währenddessen ordert Paul für sie beide eine zweite Runde und Jacob sieht, wie es hinter der Stirn des Freundes arbeitet. Wahrlich bescheuert, dieser Gedanke.
Er will die Hand heben, abwinken und sagen, es sei ein Scherz gewesen und Paul solle das am besten gleich wieder vergessen. Doch bevor er den Mund aufmachen kann, kommt der andere ihm zuvor.

»Vielleicht gar nicht so doof. Ab und an haben wir ja schon denselben Geschmack.«
»Komm, vergiss es«, versucht Jacob abzuwiegeln. »War nicht ganz ernst gemeint. Hormonstau oder so was. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe.«
Paul grinst. »Warte!« Er lässt sein Glas gegen das von Jacob klirren. »Lass uns doch mal überlegen, was das hieße.«
Und dann legt er los. Innerhalb von Minuten entstehen so eindeutige Bilder vor beider Augen, dass Jacob verwundert die Lider zusammenkneift.
»Ich kann gar nicht glauben, dass das eigentlich meine Idee war.« Entgeistert betrachtet er den Freund. »Seit wann hast du diese Gedanken?«
Das laute Gelächter, das aus ihnen herausplatzt, sorgt dafür, dass mehrere Leute auf sie aufmerksam werden. Paul legt sich verschwörerisch einen Finger über die Lippen.
»Psst! Alles voll hier mit potentiellen Bewerberinnen.« Er deutet mit dem Kopf in die Runde und zieht eine Grimasse.
Jacob senkt gleichfalls die Stimme. »Welche käme denn infrage?« Seine Augen bleiben an einer schlanken Rothaarigen hängen. »Die da vielleicht? Ich mag ihre Locken.«
Paul wackelt mit dem Kopf. »Okayyy. Rote Haare sind schon mal gut.« Dann geht sein Blick erneut auf Wanderschaft. »Und was meinst du zu der da? Man müsste natürlich rausfinden, ob das Blond echt ist. Aber der Hintern hat was.«
Schon klar. Garantiert hat er gerade wieder nichts anderes im Sinn, als sich vorzustellen, wie er diesen hübschen Hintern mit Feuer überzieht. Aber das kann er sich abschminken. Wenn schon eine gemeinsame Frau, dann …
»Die Brünette hinter dir«, wirft Jacob ein.
Als Paul sich nach ihr umwenden will, hält er ihn mit einem leichten Kopfschütteln davon ab. »Wär doch ein super Kompromiss zwischen Rot und Blond. Tolles Profil, die Titten exakt eine Handvoll und schöne Hüften.«
Paul guckt erwartungsvoll. »Und ihr Arsch?«
»Kann ich nicht sehen.«
»Come on. Guck genauer hin.« Wieder macht Paul Anstalten sich umzudrehen.
Da wendet sich Jacob ärgerlich ab und knallt das leere Glas auf den Tresen. Dass dieser Mann aber auch nur an seinen Fetisch denken kann!
»Eins sag ich dir: Von meiner Frau lässt du gefälligst deine schmutzigen Finger!«
Paul legt den Kopf schief und feixt. »Wie jetzt? Willst du nun teilen oder nicht?«
»Ich will. Aber nur unter einer Bedingung: Keine Peitschen.«
»Wie soll das gehen?«
Er zuckt die Schultern. »Sonst bin ich raus.«

Paul mustert Jacob mit einem nachdenklichen Blick und dreht sich dann demonstrativ nach der Brünetten um. Er schweigt. Die Finger seiner rechten Hand spielen mit dem Whiskyglas. Schließlich stöhnt er leise in sich hinein.
»Das wird nichts, mein Freund.«
Er hebt das Glas an die Lippen, trinkt es in einem Zug leer und stellt es lautlos neben das von Jacob …

Fortsetzung folgt!

Den 2. Lauschangriff auf Paul und Jacob gibt’s am 13. Januar hier auf dem Blog. Aber denkt dran: Die beiden wollen ungern zulassen, dass Patienten ihre Nasen in ihr Privatleben stecken. Deshalb steht der Schneemänner-Talk ab dem 3. Gespräch nur Newsletter-Abonnenten zur Verfügung ;-) Zur Anmeldung für den Newsletter oben rechts klicken oder hier entlang.

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4 Gedanken zu „Schneemänner-Talk, das 1. Gespräch

  1. Wow was für ein Einstieg. Schon interessant mitzubekommen wie das am Anfang so gelaufen ist. Ach ja und natürlich macht das Ende echt neugierig. Jetzt 2 Wochen warten zu müssen ist voll gemein.

  2. So hab ich mir das vorgestellt!
    Die Herrschaften denken wieder mal an ihre Qualitäten bei der „Opfersuche“.
    Ob sie noch deauf kommen, dass die Kandidatin auch beides mögen muss?
    Und dann wird es schwierig.

    • Ja, oder? Typisch Mann, muss ich auch sagen. Aber das mit ihren Ansprüchen sollten sie echt mal genauer definieren *lach

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